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Experte gibt Einblick in Bestattungskultur anderer Länder – manche Gräber zieren ungewöhnliche Inschriften

„Liebe Schwiegermutter, bleib bloß da liegen!“

BODENWERDER. Der Leiter des Völkerkundemuseums in Lübeck, Dr. Lars Frühsorge, hatte von seinen zahlreichen Forschungsreisen eine Fülle von Bildmaterial und Exponaten mit nach Bodenwerder gebracht. Von den großen Weltreligionen bis zu kleinen ethnischen Gemeinschaften durchleuchtete der Experte in humorvoller Weise die Gepflogenheiten der Totenbestattung.

veröffentlicht am 11.02.2019 um 16:08 Uhr
aktualisiert am 11.02.2019 um 20:20 Uhr

Dr. Lars Frühsorge (2. v. r.) gibt Auskunft zu den mitgebrachten Exponaten. foto: kb
Beißner

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Karin Beißner Reporterin
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„Tod und Trauer in den Weltkulturen“ hieß es am Samstag im Weserhaus. Erstmals hatte Maike Weiß zu einem Vortragsabend eingeladen, dem viele Interessierte gefolgt waren. Frühsorge nahm die Besucher mit auf die „Friedhöfe“ der Welt und ließ sie Einblick haben in die verschiedenen Bestattungskulturen. Sind uns Pyramiden, Hügelgräber, Mausoleen und Friedhöfe bekannt, so riefen am Felsen hängende Särge, fotorealistische Figuren der Toten auf den Gräbern und die Säuglingsbestattung in Bäumen doch Erstaunen hervor. Der Referent verstand es, mit immer neuen wie auch kuriosen Bildern und Erzählungen sein Publikum zu überraschen. Die Zuhörer amüsierten sich köstlich, als er die Inschrift des Schwiegermutter-Grabes auf dem „Fröhlichen Friedhof“ in Rumänien zum Besten gab. Die Stelen auf den dortigen Gräbern enthalten biografische Texte und humorvolle Verse. Bei besagtem Grab hieß es unter anderem „Versucht sie nicht zu wecken“ und „Liebe Schwiegermutter, bleib bloß da liegen“!

Sind bei uns die Angaben auf den Grabsteinen überwiegend auf die Namensbestandteile und die Lebensdaten beschränkt, so sind bei anderen Kulturen ganze Lebensgeschichten in Wort und Bild dargestellt. Auch die Form der Grabmonumente sagt etwas über die Identität des Verstorbenen aus. Nicht nur das Grab mit der HSV-Raute auf dem Hamburger Friedhof am Volksparkstadion, auch die riesige Henne, die in Ghana einem Toten als Sarg diente, ließen das Publikum schmunzeln. Doch die Schilderungen des Experten über den Umgang mit den sterblichen Überresten bei anderen Völkern, wie die rauchgetrockneten Häuptlinge der Dani, die zum Dorfleben gehören, riefen ein leichtes Schaudern hervor. In der Pause nutzten die Besucher die Gelegenheit, Dr. Frühsorge zu befragen, sich die Exponate erklären zu lassen und einen Blick in das zusammen mit seiner Frau verfasste Buch „Der Tod hat viele Gesichter“ zu werfen. „Es ist sehr spannend, immer wieder neue Dinge über die Sterbekulturen bei anderen Völkern zu erfahren“, berichtete der Fachmann, der die nächste Reise mit Frau und Kind schon geplant hat und weitere spannende Erfahrungen mitbringen wird. Im zweiten Teil des Vortrages erhielten die Besucher weitere interessante Informationen, unter anderem über die Riten der Toraja, die den Toten so lange im Haus aufbewahren bis sie das erforderliche Geld für die Bestattung aufgebracht haben, erst dann wird er für tot erklärt.

Stundenlang hätten die Gäste im Weserhaus den Ausführungen des Referenten noch zuhören können, aber nach 80 Minuten war das Ende gekommen. Mit viel Applaus bedankten sich die Zuhörer für den überaus gelungenen Vortrag.



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