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Theodor Reitemeyer bewahrte die Geschichte Kemnades – und gibt einer Straße den Namen

Lehrer, Kantor, Chronist und mehr

Bodenwerder. In Kemnade neben der Klosterkirche heißt eine in einer Sackgasse endende Straße „Reitemeyerweg“. Der Name ist vielen Bürgern bekannt, doch nur ein Teil von ihnen wird wissen, wer Reitemeyer war.

veröffentlicht am 16.10.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 11:21 Uhr

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Autor:

Karin Beißner
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Karl August Theodor Reitemeyer wurde am 3. März 1850 in Kemnade als Sohn des Brinksitzers Heinrich Ernst Ludwig Reitemeier und dessen Ehefrau Maria Margarethe Friedrichs geboren. Er heiratete Johanne Hesse, die aber schon 1877 im Alter von nur 22 Jahren zusammen mit der einmonatigen Tochter starb. Ein Jahr später ging er eine zweite Ehe mit Sophie Kramer ein und hatte mit ihr fünf Kinder – zwei Mädchen und drei Jungen.

Reitemeyer war Kantor, Organist und Lehrer. In der Gemeinde war er für die Kirchenmusik zuständig und nahezu 50 Jahre lang Mitglied im Kirchenvorstand. 1890 übernahm er zusätzlich das Amt des Dirigenten beim Männergesangverein Kemnade, das er viele Jahre lang ausübte.

Mit 27 Jahren trat Theodor Reitemeyer am 1. Oktober 1877 seinen Dienst als Lehrer an der alten Schule neben der Marktkirche St. Dionysius an. Mehrfach erscheint sein Name in den Protokollen der Kemnader Gemeinderatssitzungen, wenn es nämlich um die Bewilligung von Holz zum Heizen der Schulstube ging oder um das Beschaffen von Tinte, für die er jährlich sechs Mark benötigte. Später unterrichtete Reitemeyer auch an der neuen Schule, die an der Brökelner Straße gebaut wurde. Am 1. April 1921 wurde er schließlich nach 44 Jahren Lehrtätigkeit in den Ruhestand verabschiedet.

Seine Lebensaufgabe aber wurde das Erforschen der Geschichte seines Heimatortes. Seine Informationen holte er aus verschiedenen Quellen. Er benutzte Schriften aus der Gemeinde- und Kirchenregistratur und Urkunden aus dem städtischen Archiv von Bodenwerder. Viel Unterstützung bekam er dabei von seiner Frau Sophie. Im November 1908 schreibt er im Vorwort zu seinem nun vollendeten Werk „Kulturgeschichtsbild eines Weserortes. Kemnade und sein Kloster mit Berücksichtigung der Stadt Bodenwerder“: „Die Kulturgeschichte der Heimat ist ja insonderheit ein aufgeschlagenes Buch, aus welchem man ersieht, wie sehr die einzelnen Lebensfaktoren der Heimat – Haus und Familie, Vieh und Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, Kirche und Schule – entwickelt sind, und wie so vieles doch besser geworden, als es vordem gewesen ist.“ Doch war seine Forschung damit noch nicht abgeschlossen. 1924 ließ er in einem Nachtrag auf 72 Seiten noch die Zeit von 1909 bis 1923 unter dem Titel „Kulturgeschichtsbild Bodenwerder-Kemnade“ folgen.

Nicht nur das Festhalten der Geschichte von Kemnade sah Reitemeyer als seine Aufgabe an. Er erkannte schon als junger Lehrer die Notwendigkeit, den Fremdenverkehr in Bodenwerder-Kemnade zu fördern. 1889 wurde auf sein Betreiben der „Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs für Bodenwerder und Umgebung“ – heute Verkehrsverein – gegründet, dessen Schriftführer er wurde. Durch Zeitungsanzeigen und bebilderte Flugblätter wurde nun auf Bodenwerder und seine Schönheiten aufmerksam gemacht und die Zahl der Sommerfrischler und Erholungssuchender stieg ständig. Zum zehnjährigen Bestehen des Vereins erstellte Reitemeyer eine 67-seitige Werbeschrift mit dem Titel „Das Wesertal von Holzminden bis Hameln unter besonderer Berücksichtigung der Partien von Bodenwerder-Kemnade bis Polle“ und trug auch damit wesentlich zur Fremdenverkehrswerbung bei. 1908 ließ er sich auf eigenen Wunsch vom Amt des Schriftführers entbinden, stand dem Verein aber weiterhin beratend zur Seite. Als am 21. Oktober 1913 die Einweihung des Bismarckturmes anstand, wurde ihm die Ehre zuteil, die Gäste begrüßen zu dürfen. Für seine Verdienste um den Verein wurde er 1913 zum Ehrenmitglied ernannt. Die Krönung seines Schaffens aber erfuhr er im Jahr vor seinem Tode. 1932 wurde in Kemnade an der Piese auf Anregung von Ludwig Bode ein Denkmal errichtet mit der Aufschrift: „Seinem Mitbegründer Th. Reitemeyer der Verkehrsverein 1932“. Reitemeyer starb am 17. März 1933 und wurde auf dem Kemnader Friedhof neben seiner Frau begraben, die schon sechs Jahre vor ihm starb. Sein Grab befindet sich noch heute dort. 1982 wurde Theodor Reitemeyer noch einmal in das Bewusstsein der Bürger gerückt, als Hunderte von Gästen zu einem Fest der Begegnung am gesäuberten und neu gestalteten Piese-Brunnen zusammenkamen und im Gedenken an den bedeutenden und verdienten Kemnader Bürger fröhlich das 50-jährige Bestehens des Denkmals feierten.

Gerda und Lothar Hartmann betrachten das Reitemeyer-Denkmal in Kemnade, das noch zu Lebzeiten von Theodor Reitemeyer errichtet worden war. kb

Der Reitemeyerweg neben der Klosterkirche in Kemnade. kb



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