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Berater für den Landkreis geben eine Einschätzung / Beobachtungen melden!

Lebt der Wolf schon im Solling?

Solling-Vogler-Region. Seit Monaten wird von Wolfsbeobachtungen oder Rehrissen durch Wölfe in der Solling-Vogler-Region und im Weserbergland berichtet, sogar Fotofallenbilder aus dem Solling soll es geben. Belege aber, dass ein Wolf oder gar ein Rudel dauerhaft hier leben, gibt es derzeit nicht.

veröffentlicht am 18.12.2015 um 19:42 Uhr
aktualisiert am 21.12.2016 um 10:16 Uhr

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Autor:

Karsten Dörfer

Auf Kreisebene werden Beobachtungen durch die zuständigen Wolfsberater protokolliert. Im Kreis Holzminden sind das Bärbel Pott-Dörfer, Karsten Dörfer und Robert Willeke. Ihnen liegen einige wenige Sichtungsprotokolle aus dem Solling vor. Einzelne Sichtungen in weitem Abstand könnten auf durchziehende Jungwölfe hindeuten. Aber auch streunende wolfsähnliche Hunde können zu Meldungen führen. „Jede dieser Sichtungen ist sehr wertvoll und wichtig, um die Situation einschätzen zu können“, erklären Bärbel Pott-Dörfer und Karsten Dörfer. „Gehäufte Sichtungen könnten darauf hinweisen, dass sich hier vielleicht ein Wolf standorttreu aufhält.“

Vielleicht. – Nach ihren Recherchen ließ sich bisher weder ein Foto ausfindig machen, noch konnten geschulte Wolfsberater Wölfe als Verursacher von Rissen bestätigen. An Reh- oder Rotwildkadavern, wenn sie frisch sind, kann aufgrund bestimmter Merkmale oder durch DNA-Abstriche oft festgestellt werden, ob ein Luchs, ein Wolf oder ein Hund der Verursacher war oder aber ein natürlicher Tod des angeblich gerissenen Tieres vorlag, das dann angefressen wurde. So könnte man beweiskräftige Gewissheit erlangen, ob der Wolf zumindest zeitweise im Solling war.

„Sichtungen haben eine sehr große Bedeutung und werden sehr ernst genommen, sind aber – selbst wenn sie von Experten stammen – keine ,kriminalistischen‘ Beweise, weil sie nicht durch Dritte nachvollziehbar sind“, so die Dörfers. Es bedürfe überprüfbarer Fakten wie DNA oder guter Fotos für einen Beweis. Solche Fakten liegen für den Solling bisher weder der Landesjägerschaft noch dem Wolfsbüro im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Hannover vor.

Beobachtungen und sonstige Hinweise und Nachweise werden niedersachsenweit im „Wolfsmonitoring“ erfasst, das durch die Landesjägerschaft im Auftrag des Umweltministeriums durchgeführt wird. Sinn und Zweck ist es, über die Besiedlung Niedersachsens durch Wölfe Bescheid zu wissen, Nutztierhalter und die Bevölkerung informieren zu können und die Inanspruchnahme von Schutzmaßnahmen zu ermöglichen.

Der angebliche (und auch mögliche) Wolfsriss im Juli bei Meinbrexen sei nach den Unterlagen und Aussagen des Wolfsbüros und der Landesjägerschaft bisher eben nicht zweifelsfrei nachgewiesen worden, sagen die Wolfsberater aus Heinade. Trotzdem könne es im Solling selbstverständlich bereits einen Wolf geben – oder es könne jederzeit einer auftauchen, „denn die nächsten besiedelten Bereiche sind nur zwei bis drei Wolfs-Wandernächte entfernt“. Jede Beobachtung und jeder Hinweis ist deshalb wichtig, auch ohne Foto oder DNA.

Seit Jahren bezahlt das Land aufgrund einer Billigkeitsrichtlinie vom Wolf gerissene Nutztiere und Gatterwild und unterstützt Schafhalter, indem es sich an Kosten für zusätzlich erforderliche Wolfschutzzäune beteiligt (Prävention). Es berät Schäfer und Viehhalter, wie sie ihre Tiere schützen können. Das Wolfsbüro im NLWKN (Telefon 0511/30343034) hält Informationen dazu bereit. Mithilfe des Wolfsbüros soll die Bearbeitung von Anträgen auf Zuschüsse zu Zäunen und auf Kostenerstattung für Risse schneller abgewickelt werden. Zusätzlich hat die Bevölkerung eine weitere Anlaufstelle, wenn es um Fragen rund um den Wolf geht. Das Wolfsbüro informiert die Menschen – der Bedarf ist immens.

Den Wolf ins Jagdrecht zu übernehmen, würde nach Auffassung der Wolfsberater übrigens keine Veränderungen gegenüber dem jetzigen Stand ergeben: „Auffällige, möglicherweise unberechenbare Wölfe können schon jetzt mit speziellem Auftrag des Umweltministeriums von ausgesuchten Personen geschossen werden.“ Regulär gejagt werden dürfte der Wolf erst dann, wenn die Wolfspopulation nicht mehr gefährdet ist und die EU deshalb den Rechtsstatus ändert. Davon ist man weit entfernt.

Die örtliche Politik kann also gar nicht handeln, da der Wolf dem EU-Recht unterliegt. Und der Wolf steht in der EU und Deutschland unter strengem Schutz, seine Tötung bringt hohe Geldstrafen bis hin zu Gefängnisstrafen und Jagdscheinentzug mit sich. Selbst wenn es das wollte, so kann doch das Land allein nicht darüber entscheiden, wie mit dem Wolf umzugehen ist.

Die Dörfers wissen zu berichten: „Untersuchungen haben gezeigt, dass nach Zerschießung der Rudelstrukturen die Zahl gerissener Nutztiere angestiegen ist, weil unerfahrene Jungwölfe eher auf leichte Beute zugreifen.“

Die Wolfsberater rufen dazu auf, alle Hinweise auf Wolfsverdacht und Beobachtungen zu melden. Auch Hinweise wie Sichtbeobachtungen seien immer von Interesse, besonders dann, wenn sie gehäuft aufträten. Dies festzustellen, erfordere eine Koordination der Daten. Auch dazu bietet sich der Kontakt zu den zuständigen Wolfsberatern an, die bei Bedarf auch über den Wolf informieren können. Weiterhin informieren sie die Schäfer in der Region über gehäufte Wolfshinweise und über -nachweise, damit sie ihre Herden gezielter schützen können.

Ansprechpartner

bei Wolfssichtungen Wolfsberater im

Landkreis Holzminden

Karsten Dörfer, Tel. 0151/21456865 Bärbel Pott-Dörfer, Tel. 0170/9488161

Robert Willeke, Tel. 0171/7683702

Wolfsbüro im Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz: Tel. 0511/30343034.



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