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B-240-Initiative informiert

Langer Kampf für den Ithtunnel?

KREIS HOLZMINDEN. Die Bauarbeiten an den Ortsumgehungen in Negenborn und Eschershausen (West) schreiten voran. Und in Kürze gibt es für eine weitere Baumaßnahme der „Perlenkette“ grünes Licht: Wahrscheinlich noch im Oktober soll der Planfeststellungsbeschluss für die Ortsumgehung Marienhagen erfolgen.

veröffentlicht am 08.10.2017 um 15:52 Uhr

Die B 240 in der Samtgemeinde Bodenwerder. Wahrscheinlich noch im Oktober soll der Planfeststellungsbeschluss für die Ortsumgehung Marienhagen erfolgen. Foto: wfx

Autor:

Birgit Schneider
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Die B-240-Initiative für eine bessere Verkehrsanbindung kann dennoch die Hände nicht in den Schoß legen. Das wird beim Treffen im Energy Campus von Stiebel Eltron deutlich. Im Rahmen von Mitgliederversammlung und Vortragsabend macht der Chefplaner deutlich, wo die Probleme liegen: Nicht mehr bei der Finanzierung, sondern bei den fehlenden Personalressourcen. Und bei der immer wieder aufbrandenden Diskussion um die Notwendigkeit des Ith-Tunnels: „Sie werden für ihn kämpfen müssen“, erklärt Markus Brockmann.

Dass das Interesse an einer besseren Verkehrsanbindung des Landkreis Holzminden ungebrochen ist, ist deutlich sichtbar: Die bereitgestellten Stühle im Vortragsraum reichen nicht aus. Viele Bürgermeister und Kommunalpolitiker sind gekommen, die Vertreter verschiedener Bürgerinitiativen aus Weserbergland und Solling sind da – und viele interessierte Bürger. Helmut Schneider, der Vorsitzende der B-240-Initiative ist von der großen Resonanz überrascht – fast 150 Zuhörer werden gezählt, darunter die Landtagsabgeordneten und der frisch gewählte Bundestagsabgeordnete Johannes Schraps, der gleich vor Ort den Mitgliedsantrag unterschreibt.

„2015 und 2016 waren für uns die erfolgreichen Jahre“, kann Helmut Schneider resümieren. Im neuen Bundesverkerswegeplan, der bis 2030 abgearbeitet sein soll, haben alle Bauprojekte der „Perlenkette“ – von Negenborn bis Eime – Planungsrecht erhalten. Und gleich zwei erste Spatenstiche hat es gegeben: In Negenborn und Eschershausen. Ein Grund sich zurückzulehnen ist das für die Bürgerinitiative aber nicht: „Wir werden weiter den persönlichen Kontakt suchen und politischen Druck aufbauen“, kündigt Helmut Schneider an.

Der Chef der Straßenplaner, Markus Brockmann, bei seinemVortrag in Holzminden. Foto: bs
  • Der Chef der Straßenplaner, Markus Brockmann, bei seinemVortrag in Holzminden. Foto: bs

Dass das – trotz der Verabschiedung des Bundesverkehrswegeplanes – notwendig ist, machen zwei hochkarätige Referenten deutlich. Da ist zum einen Martin Friewald von der bundeseigenen Verkehrs-Infrastruktur-Finanzierungs-Gesellschaft (VIFG), die seit 2016 den Daumen auf allen Mitteln für den Fernstraßenbau hat.

Und da ist zum anderen Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landebehörde für Straßenbau und Verkehr im Geschäftsbereich Hameln, der für eine bessere Verkehrsanbindung Holzmindens die Straßenbaumaßnahmen plant und umsetzt. Beide Experten signalisieren: Es stehen genügend Mittel bereit – für die Planung der „Perlenkette“ auch deshalb, weil das Land und die beiden Landkreise Holzminden und Hildesheim insgesamt fünf Millionen Euro für Planungskosten zur Verfügung gestellt haben. Brockmann strahlt: „Wir können aus dem Vollen schöpfen, das Geld ausgeben, so wie wir es brauchen“. Und: Was baureif ist, kann auch finanziert werden, bestätigt Martin Friewald, der mit seiner Gesellschaft ein Investitionsvolumen von 7,3 Milliarden Euro verantwortet, das durch die Ausweitung der Maut auf 9,5 Miliarden Euro in 2021 anwachsen wird.

Doch genau hier gibt es Probleme. Den Planungsbehörden fehlen Mitarbeiter. Markus Brockmann zum Beispiel sucht händeringend Bauingenieure – und findet keine. Und auch bei den Bauunternehmen fehlen Kapazitäten. Dass der Bund 2019 die VIFG in eine Infrastrukturgesellschaft überführen und personell großartig ausweiten will, die dann für das Planen, Bauen, Betreiben, Erhalten und Finanzieren der Bundesautobahnen und vieler Fernstraßen zuständig ist, ist für Markus Brockmann „eine sehr große Herausforderung. Er befürchtet, dass Synergieeffekte verloren gehen und Konkurrenzen erwachsen – im Wettbewerb um die fähigsten Köpfe auf einem leer gefegten Arbeitsmarkt. „Das wird uns Kraft kosten, die wir brauchen, um hier die Investitionen hochzufahren“, so Brockmann, der in die Runde blickt und betont: „Es ist uns ein Herzensanliegen, für Sie zu planen“. dafür gibt es viel Beifall an diesem Abend – und das Versprechen der B 240 Initiative, ihm zur Seite zu stehen.

Gefragt, ob er eine Prognose abgeben könne, wann die „Perlenkette“ fertiggestellt ist, hält sich Brockmann zurück. Vor allem beim Ith-Tunnel wollte er keine Aussage machen, denn hier erwartet er immer wieder Gegenwind von den Kritikern, die das Investitionsvolumen von rund 75 Millionen Euro als zu hoch geißeln. Und genau hier wird die B-240-Initiative weiterhin die Stimme erheben und Argumente vorbringen müssen.

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