weather-image
24°
Wer ist die „Spanische Flagge“, die Schuld an der B 83-Misere sein soll?

Kleiner Schmetterling und großer Ärger

STEINMÜHLE. Der Schmetterling Spanische Flagge wird oft herangezogen, wenn es um die bevorstehende Sperrung der B83 geht. Die Bundesstraße wird gesperrt, weil dort Felsabbruchgefahr herrscht. Das eigentliche Problem dabei ist die Sicherung des Hangs. Denn der Lebensraum der Spanischen Flagge ist besonders geschützt.

veröffentlicht am 07.05.2018 um 16:23 Uhr
aktualisiert am 07.05.2018 um 19:20 Uhr

Ihr wird oft die Schuld zugeschrieben, dass die B 83 für den Verkehr gesperrt wird – der bei Steinmühle lebenden Schmetterlingsart „Spanische Flagge“. foto: Pixabay
Maike Lina Schaper

Autor

Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ein kleiner Schmetterling hat es geschafft, für richtig großes Aufsehen zu sorgen: die Spanische Flagge. Der Schmetterling ist mittlerweile richtig berühmt, wird der Name doch in vielen Medienberichten über die Sperrung der Bundesstraße 83 genannt und auch der Runde Tisch vergangenen Donnerstag bei Umweltminister Olaf Lies zum Gespräch über die Situation an der B 83 nannte sich: „Runder Tisch Spanische Flagge“. Das eigentliche Problem weswegen die Bundesstraße ab dem 18. Mai gesperrt werden muss, ist jedoch die drohende Lebensgefahr durch abstürzende Felsbrocken an dem Hang neben der B 83. Der Hang müsste folglich gesichert werden, damit der Verkehr dort weiter entlangfahren kann. Doch das Areal ist ein besonders ausgewiesenes Schutzgebiet, was die Hangsicherung bei Steinmühle nicht so einfach macht. Hier fühlt sich auch die Spanische Flagge wohl. Wir stellen den Schmetterling einmal genauer vor.

Unverkennbar bei der Spanischen Flagge sind die Flügel des Schmetterlings: Vorne schwarz mit hellgelbem Streifenmuster, hinten rot mit schwarzen Punkten. Sein Hinterleib ist orange-rot mit schwarzer Zeichnung. Die Spanische Flagge ist eine tagaktive „Nachtfalter“-Art aus der Familie der Bärenspinner (Arctiidae) und gehört zur Unterfamilie der Schönbären (Callimorphinae). Seine Flügelspannweite fast 60 Millimeter. Obwohl die Spanische Flagge auch am Tage bei Sonnenschein aktiv ist, findet die größte Aktivität in den Abend- und frühen Morgenstunden statt. Der Schmetterling ist von Anfang Juli bis Mitte September unterwegs, Schwerpunkt der Flugzeit ist meist von Ende Juli bis Mitte August.

Informationen über die Spanische Flagge gibt es im Internet vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Dort kann ein Steckbrief des Schmetterlings aus der „Niedersächsischen Strategie zum Arten- und Biotopschutz“ runtergeladen werden.

In Niedersachsen gibt es demnach, neben einzelnen umherstreifenden Tieren, nur ein Vorkommen der Spanischen Flagge – das bei Steinmühle. Dieser Lebensraum unter den fast senkrechten Felswänden über einem Prallhang der Weser weist einerseits untypisch hohe Temperaturen und andererseits in den Geröllhalden am Hangfuß eine gut versorgte Pflanzenansiedlung auf. Hier zwischen Bodenwerder und Holzminden erreicht die Spanische Flagge ihre nördliche Verbreitungsgrenze. Der Schwerpunkt der Vorkommen liegt im Mittelmeergebiet.

Aktuell besteht für die Art in Deutschland nur eine geringe Gefährdung, weshalb die Spanische Flagge in der Roten Liste Deutschlands (1998) nur in die Vorwarnliste aufgenommen wurde. In Niedersachsen ist die Art allerdings vom Aussterben bedroht.

Die Population bei Steinmühle ist sehr klein, hält sich aber seit Jahrzehnten. Trotzdem ist die Situation der Art bei negativen Veränderungen unmittelbar bedroht, heißt es in der NLWKN-Publikation.

Die Ausweisung des Gebietes bei Pegestorf als FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat), ist laut der im Steckbrief vertretenen Einschätzung ausreichend, um den Schutz der Art rechtlich gegenüber konkurrierenden Ansprüchen durchzusetzen. Wie es nun mit diesen konkurrierenden Ansprüchen, beziehungsweise der Befahrbarkeit der B 83, weitergeht, bleibt abzuwarten. Nach dem Gespräch am Runden Tisch sagte Umweltminister Lies, die Straßenbaubehörde sei jetzt aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu erarbeiten, die die Verkehrssicherheit wieder herstellen und gleichzeitig das FFH-Gebiet größtmöglich schonen. Aktuell machen sich Experten Gedanken, wie dies zu bewerkstelligen ist. Doch eines ist klar: Der Schmetterling ist nicht das Kernproblem bei der Sperrung der Bundesstraße 83, das sind die losen Steine beziehungsweise deren Sicherung in dem FFH-Gebiet. Neben dem Schmetterlingsvorkommen brütet in dem Schutzgebiet bei Steinmühle unter anderem auch ein Uhu und diverse geschützte Pflanzenarten gedeihen dort.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare