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Mehr als 800 Waschbären im Kreis Holzminden erlegt / Tiere wagen sich auch ins Stadtgebiet

Kleine Räuber auf dem Vormarsch

BODENWERDER. Die Zahlen sind beeindruckend – der Waschbär ist eindeutig auf dem Vormarsch. Kreisjägermeister Harald Meyer zieht Bilanz: 11 968 Tiere wurden im vergangenen Jahr in Niedersachsen nach Angaben der Landesjägerschaft erlegt, 2000 mehr als im Vorjahr. Nicht wenige davon in heimischen Gefilden: Die meisten – 2199 Waschbären – wurden erneut im Landkreis Göttingen erlegt.

veröffentlicht am 22.02.2018 um 18:39 Uhr

Niedlich, aber keine Kuscheltiere: Waschbären haben sich in Niedersachsen offenbar stark vermehrt. Foto: dpa
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Die Zahlen sind beeindruckend – der Waschbär ist eindeutig auf dem Vormarsch. Kreisjägermeister Harald Meyer zieht Bilanz: „Wenn man sich die Waschbärstrecke niedersachenweit anschaut, waren es 1955 nur einige paar hundert Tiere, 2005 hatte man schon die 2000 Grenze überschritten.“ Und nun? 11 968 Tiere wurden im vergangenen Jahr in Niedersachsen nach Angaben der Landesjägerschaft erlegt, 2000 mehr als im Vorjahr. Nicht wenige davon in heimischen Gefilden: Die meisten – 2199 Waschbären – wurden erneut im Landkreis Göttingen erlegt. In der Liste folgen die Kreise Lüchow-Dannenberg (1598), der Holzmindener Nachbarkreis Northeim (1279) und dahinter der Landkreis Holzminden selbst mit 818 Tieren. Die Abschusszahlen lassen laut Landesjägerschaft Rückschlüsse auf die Größe der Population zu.

„Im Landkreis hat der Waschbär mit den drei großen Waldregionen Ith, Vogler und Solling gute Gebiete zum Leben“, erklärt der Holzmindener Kreisjägermeister. „Eine Wanderung des Waschbären ist deshalb immer möglich“ – auch mal mitten hinein ins Bodenwerderaner Stadtgebiet. Die äußerst fruchtbaren kleinen Räuber hausen gern in Scheunen oder auf Dachböden. Der Waschbär sei eine „Gewinnertierart“ sagt Meyer: Anpassungsfähig und nicht scheu. Auch nicht etwa vor Friedhöfen oder dem Kompost im Hausgarten: „Wenn ich leckere Äpfel oder Ähnliches kompostiere, dann ist das eine leichte Nahrung für den Waschbären“, so der Experte.

Wer die Tiere loswerden möchte, sollte sich lieber nicht als Dompteur versuchen: „Sie sehen zwar putzig aus, aber sind sehr kräftig und haben sehr spitze Zähne“, warnt der Jägermeister. Deshalb sollten Laien sich lieber fernhalten und den heimischen Jäger oder das Ordnungsamt verständigen. „Und auf keinen Fall sollte man die Tiere streicheln“, so Meyer.

Die Vermehrung der Waschbären dürfte in diesen Wochen weiter voranschreiten. Der Februar ist die Hauptpaarungszeit der Tiere. Im April werden die Waschbärinnen dann jeweils drei bis fünf, in Ausnahmefällen bis zu zehn Junge zur Welt bringen. Waschbären wurden einst aus Nordamerika als Pelzlieferanten eingeführt. 1934 ließ man in Hessen zwei Paare frei, um das Angebot an Jagdtieren zu erweitern. 1945 kam es durch Bombentreffer in einer Farm bei Berlin zu unbeabsichtigten Auswilderungen. In Niedersachsen haben sich die Waschbären von Hessen kommend flächendeckend in Südniedersachsen ausgebreitet. Waschbären verfügen über ein ausgeprägtes Lern-und Erinnerungsvermögen und zählen deshalb zu den intelligentesten Säugetieren Europas.jcs/fh



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