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Bodenwerder (dy). Zum 23. Dezember schließt die Arztpraxis Dr. Schmidt/Dr. Gohl. „Wir haben alles, was möglich ist versucht, aber leider keinen Nachfolger gefunden“, erzählen die beiden Mediziner. Für die Region Bodenwerder ist diese Schließung der Hausarztpraxis ein großes Problem: 2500 bis 3000 Patienten pro Quartal müssen sich jetzt um eine neue ärztliche Betreuung bemühen.

veröffentlicht am 26.11.2010 um 18:30 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 10:21 Uhr

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Bis noch vor einem halben Jahr haben Schmidt und Gohl geglaubt, mit dem Sana-Gesundheitszentrum in Hameln eine Partnerschaft eingehen zu können. Ihrerseits war der Vertrag bereits unterschrieben, und man wartete auf die Zusendung der auch von Sana unterzeichneten Vereinbarung. Auf Nachfrage Mitte des Jahres von Klaus Schmidt kam die Absage! Begründung: Auch Sana hat massiven Ärztemangel, um Landpraxen zu besetzen.

Dr. Ralf Paland, Geschäftsführer des Sana-Klinikums Hameln-Pyrmont, erklärt dazu auf Anfrage der Dewezet: Ja, es hat einen Vertragsentwurf gegeben, und die Sana hat die Einrichtung eines selbstständigen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Bodenwerder geprüft. „Für ein MVZ müssen mindestens zwei Fachdisziplinen in einer Praxis angeboten werden“, so Paland. In Bodenwerder hätte das bedeutet, dass eine Facharztpraxis hätte schließen und mit in die Hausarztpraxis gehen müssen.

„Mal eben einen Arzt als Nachfolger in die Praxis zu schicken, das geht so gar nicht“, macht der Geschäftsführer deutlich und prangert die insuffiziente Gesetzgebung, die nicht den ärztlichen Bedarf in der ländlichen Region erkennt, an. „Statt der strikten vorgeschriebenen Trennung sollten Kliniken die Möglichkeit erhalten, spontan in Praxen vor Ort tätig zu werden.“ Aber, so Paland, auch die Kassenärztliche Vereinigung steuere mit Macht und Gewalt gegen eine Neuregelung. „Bodenwerder ist überall in diesem Land“, macht Paland deutlich, dass es derzeit in den meisten ländlichen Regionen nicht anders aussieht. Seit 2008 haben sich Klaus Schmidt und Barbara Gohl um eine Nachfolgeregelung bemüht. „Mit allen Verwaltungsleitern der Krankenhäuser im gesamten Landkreis haben wir nicht nur einmal zusammengesessen“, so Dr. Klaus Schmidt.

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Auch mit „proDIAKO“ (diakonische Gemeinschaft) und mit „GeHoMa“ (Gesellschaft für Hospital Management) standen die Ärzte in Verbindung. „Sie zeigten sich alle sehr interessiert, allerdings müssen auch solche Unternehmen der politischen Wetterlage Tribut zollen“, sagen Schmidt und Gohl weiter. Was im Gesundheitswesen seitens der Politik passiert, damit können sich beide Ärzte nicht einverstanden erklären.

Und das von der Sozialministerin Aygül Özkan bis 2013 geplante Modellprojekt – Aufbau eines Netzwerkes aus Kliniken, niedergelassenen Ärzten und Pflegediensten – um bei fehlenden Hausärzten in dünn besiedelten Regionen „rechtzeitig gegenzusteuern“ – nützt ihnen jetzt wenig, sind sich Schmidt und Gohl einig.

„Es will keiner aufs Land“, so Schmidts Erfahrung, und er macht den Arbeitstag eines „Landarztes“ mit häufig 12 bis 14 Stunden deutlich. Auch die immer umfangreicher werdende Bürokratie und die unternehmerische Verantwortung sei nicht gerade das, was junge Ärzte wollen. Der 63-jährige Mediziner sieht im Numerus clausus einen wesentlichen Grund, dass sich die Studenten gegen den ländlichen Raum entscheiden. „Diese jungen Mediziner gehen dann lieber an Kliniken, in die Wissenschaft oder Forschung.“

Die Arztpraxis gibt es mindestens seit Ende des 1. Weltkrieges. Klaus Schmidts Großvater, Ludwig Knopf, war bis 1949 tätig und gab dann die Verantwortung in die Hände von Werner Schmidt; 1981 trat Klaus Schmidt in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters. Dr. Barbara Gohl ist seit 20 Jahren mit in der Praxis. Beide geben zu, dass ihnen die Entscheidung nicht leichtfällt. Bezüglich ihrer Patienten hoffen sie, dass diese bei den Kollegen aufgenommen werden. „Wir haben bei allen angefragt, und uns wurde dieses auch signalisiert.“

Als problematisch sieht Detlef Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Hannover, die ärztliche Versorgung im Landkreis Holzminden nicht. „Laut Gesetz haben wir den Auftrag, die ärztliche Versorgung sicherzustellen“, so Haffke, und er betont, dass der Landkreis laut Statistik „bestens mit Ärzten versorgt ist“ und es im Landkreis Holzminden eine Überversorgung an niedergelassenen Ärzten gibt! Haffke verweist auf Planungszahlen: Am 31. August 2007 hatte der Landkreis 76 356 Einwohner und 101 niedergelassene Ärzte (davon 56 Hausärzte), das seien prozentual 118 Prozent (ab 110 Prozent spricht man von Überversorgung. Die Prognose für 2020: 67 964 Einwohner und nur noch 71 Ärzte (42 Hausärzte); das wären 68 Prozent und somit läge dann eine Unterversorgung (unter 75 Prozent) vor. Allerdings weiß die KV auch, dass der Altersdurchschnitt der Ärzte in Niedersachsen bei 54 Jahren liegt und seit zwei Jahren immer mehr Praxen aus Altersgründen geschlossen werden. „Der Gesetzgeber mutet den Patienten zu, im gesamten Landkreis einen Arzt aufzusuchen“, macht Haffke weiterführend deutlich.

Dr. Klaus Schmidt und Dr. Barbara Gohl haben zwei Jahre vergeblich versucht, einen Nachfolger für die Praxis in Bodenwerder zu finden.



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