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Ottensteiner Mädchen- und Frauenchor „Ad libitum“ zeigte „Kalif Storch“ in der Liebfrauenkirche

Kirche wurde zum golden funkelnden Palast

Ottenstein (saw). „Mu-ta-bor“ - so heißt das Zauberwort. Und wem es entfällt, der bleibt auf Lebenszeit ein Tier. Dieses Schicksal droht dem Kalifen Chasid von Bagdad (Evelyn Beermann) und seinem Großwesir Mansor (Bärbel Sommermeyer). Nach dem Genuss einer ordentlichen Prise Zauberpulver hatten sich die beiden in zwei Störche verwandelt, um am Teich neugierig das Geplapper und Geklapper von Frau Langbein (Anne-Cathrin Tegtmeyer) und Herrn Klapperschnabel (Manuela Jentsch) zu belauschen. Die beiden turteln und tänzeln eitel umher, die heimlichen Beobachter im Schilf beginnen zu prusten und zu lachen - und müssen also Störche bleiben, wenn ihnen das erlösende Wort nicht wieder einfällt. Gewohnt aufwendig und liebevoll inszeniert der Ottensteiner Mädchen- und Frauenchor „Ad libitum“ mit Beginn der Weihnachtszeit ein Märchen in der Liebfrauenkirche. Unter der Regie von Heide Schriever erzählen rund 30 große und kleine „Schauspieler“ die spannende Geschichte von dem machthungrigen Zauberer Kaschnur (Monika Fuchs), dem vergessenen Zauberwort und der Nachteule (Dorina Schütte), die einen Ausweg kennt - ihn aber nur verrät, wenn sie geheiratet wird.

veröffentlicht am 28.11.2010 um 19:56 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 09:41 Uhr

Verkaufsgespräch mit Folgen: Kalif Chasid (Evelyn Beermann) interessiert sich sehr für die Waren des Krämers (Monika Fuchs).
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Wieder einmal hat sich die Kirche verwandelt - diesmal in einen golden funkelnden Palast mit Samtkissen, Tüchern, glitzernden Ketten und Palmen. „Danke schön dafür, dass Pastor und Kirchenvorstand uns das erlauben“, unterstreicht Heide Schriever in ihrer Begrüßung. Und dann lässt sich das Publikum in den voll besetzten Kirchenbänken in den Orient entführen und lauscht dem folgenschweren Verkaufsgespräch. Mit blumigen Worten preist der Krämer (Monika Fuchs) - in Wahrheit der hinterhältige Zauberer Kauschur - seine Waren an, vor allem das Döschen mit schwarzem Pulver und die geheimnisvolle Schriftrolle. Rasch wird der Gelehrte Selim (Antje Begemann) herbeigerufen, der übersetzt: „Wer von diesem Pulver schnupft und dazu spricht: Mu-ta-bor, der kann sich in jedes Tier verwandeln und versteht auch die Sprache der Tiere.“ Will er wieder Mensch werden, müsse er sich dreimal gen Osten neigen und das Wort „Mu-ta-bor“ sprechen. „Aber hüte Dich, wenn Du verwandelt bist, dass Du nicht lachst, sonst verschwindet das Zauberwort gänzlich aus Deinen Gedächtnis - und Du bleibst ein Tier.“

Wie ja bekannt, müssen Kalif Storch (Angela Bertram) und Storch Mansor (Kristina Nier) von den Dächern Bagdads aus miterleben, wie Mizra, der Sohn des Zauberers Kashnur, als neuer Herrscher gefeiert wird. Als verzauberte Prinzessin Lusa von Indien bietet endlich die Nachteule ihre Hilfe an: Sie weiß, wo der Zauberer sich mit seinesgleichen trifft. Und tatsächlich: Das fein herausgeputzte Zauberer-Trio feiert bald ausgelassen den hinterlistig eingefädelten „Machtwechsel“ in Bagdad, verrät aber im übermütigen „Zauber-Blues“ singend das Zauberwort: „Mu-ta-bor“. Blitzgeschwind nehmen Kalif Storch und Storch Masor ihre ursprüngliche Gestalt an, verwandelt sich die Nachteule in die hübsche Prinzessin Lusa. Da fällt es dem Kalifen Chasid nicht schwer, sein nur zögerlich gewährtes Heiratsversprechen einzulösen.

Mit einer hübschen Schlussszene klingt der märchenhafte Nachmittag aus: Da schwingen anmutige Bauchtänzerinnen die Hüften, springen kleinen Frösche und langbeinige Störche dazwischen umher, haben sich Zauberer, Kalif und Großwesir versöhnt, sind auch die versteinerten Sklaven wieder zum Leben erwacht. Und wer gut aufgepasst hat, der weiß jetzt: Lateinkenntnisse können vielfach von Nutzen sein. „Mu-ta-bor“ nämlich heißt übersetzt: Ich werde verwandelt werden. Wenn das der Kalif gewusst hätte…

Minifrosch Frederik wird beim ersten Auftritt begleitet von seiner Mama Diana Lönnecker.
  • Minifrosch Frederik wird beim ersten Auftritt begleitet von seiner Mama Diana Lönnecker.

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