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Barbara und Gottfried von Brill schließen ab – ein Besuch am letzten Öffnungstag

Keine Zeit für Ruheständler-Träume

BODENWERDER. „Wenn die liebe Sonne scheint, in den Garten gehen.“ Bei dem Gedanken, dass ihr das künftig möglich sein wird, ganz ohne Rücksichtnahme auf Ladenöffnungszeiten, huscht ein Lächeln über Barbara von Brills Gesicht. Von Wehmut keine Spur, nur volle Konzentration, wie immer in den vergangenen 34 Jahren, wenn sie hinter der Kasse gestanden oder an einem der Regale Kunden beraten hat.

veröffentlicht am 12.06.2017 um 08:58 Uhr

Ein letztes Mal schließen Barbara und Karl-Gottfried von Brill am Sonntagabend gegen 18 Uhr die Ladentür ihres Haushalts- und Eisenwarengeschäfts an der Großen Straße in Bodenwerder ab – und sehen frohen Mutes ihrem „Unruhestand“ entgegen. Foto: BR
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Auch ihr Ehemann Karl-Gottfried von Brill steht noch einmal so richtig unter Dampf. Der Laden brummt, sogar an einem sonnigen Sonntagnachmittag. Der Strom der Kunden reißt nicht ab, denn anlässlich ihres letzten offiziellen Öffnungstages locken die von Brills mit dicken Rabatten in ihr Haushalts- und Eisenwarengeschäft an der Großen Straße in Bodenwerder. „Ausverkauf“, „Räumungsverkauf“ heißt es für die beiden Hehlener, die das Rentenalter längst erreicht haben.

Aber auch „Aus und vorbei“? Noch lange nicht. Denn was sie erwartet, wenn sie an diesem Sonntagabend gegen 18 Uhr das letzte Mal die Ladentür hinter sich abgeschlossen haben, ist wahrlich kein Ruhe-, sondern ein Unruhestand im besten Sinne des Wortes. Denn danach müssen erst einmal noch letzte Bestellungen abgewickelt, letzte Restbestände an Werkzeugen und Eisenwaren an Handwerksbetriebe aus der Umgebung veräußert werden.

Erst danach kann sich Barbara von Brill dann tatsächlich der Gartenarbeit widmen. In ihrem und im Garten ihrer kürzlich im hohen Alter von 95 Jahren gestorbenen Mutter, den sie in den vergangenen Jahren schon immer mit bearbeitet hat. „Überhaupt hat sie ja mit dem Geschäft, dem Haushalt und den beiden Gärten die Hauptlast getragen“, hebt ihr Mann Barbara von Brills unermüdlichen Einsatz hervor.

Alles muss raus: Auch am letzten Tag stand noch viel Gläsernes zum Verkauf. Foto: bR
  • Alles muss raus: Auch am letzten Tag stand noch viel Gläsernes zum Verkauf. Foto: bR

Auf Karl-Gottfried von Brill indes wartet schon der Schlüsseldienst, den er in Hehlen aufbauen will. Auch möchte der gelernte Schmiedemeister in seiner Werkstatt noch kleinere Auftragsarbeiten für Freunde und gute Bekannte ausführen. Außerdem ist da ja auch noch sein Amt als Vorsitzender des TC Jahn Hehlen, dem er sich wieder verstärkt widmen will. „Im Ehrenamt ist es ja so, dass jeder Kopf und jede Hand gebraucht werden“, sagt er. Und da er selbst in den vergangenen Wochen und Monaten nur wenig Zeit dafür habe erübrigen können, „bin ich umso dankbarer, dass ich im Vorstand Kollegen habe, die selbstständig denken und handeln können“.

Besondere Träume, die sie sich im Ruhestand erfüllen möchten, haben beide aktuell nicht. „Wir hatten noch gar keine Zeit, überhaupt darüber nachzudenken“, klingt es auf Nachfrage aus beider Munde. „Und außerdem“, so Karl-Gottfried von Brill: „Wer keine großen Wünsche hat, kann auch nicht groß enttäuscht werden.“ Stattdessen erfüllt beide von Brills Dankbarkeit. „Darüber, dass wir uns über die Jahre einen großen und treuen Kundenstamm aufbauen konnten, erklärt Karl-Gottfried von Brill. „Und darüber, dass in den vergangenen Tagen so viele von ihnen zu uns gekommen sind, sich bedankt und uns alles Gute für die Zukunft gewünscht haben“, fügt seine Frau Barbara hinzu. „Das war schon sehr berührend!“

Und doch ist da ein Wunsch, dessen Erfüllung beiden allerdings verwehrt bleibt: „Unseren Geschäftsnachbarn und -kollegen hätten wir gern einen Nachfolger präsentiert“, sagt Karl-Gottfried von Brill schlicht. „Aber diesbezüglich – da kann man nichts schönreden – bestehen derzeit in Bodenwerder so gut wie keine Chancen“.

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