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Bismarckturm vor 100 Jahren eingeweiht – zum Feiern kommen Hunderte auf den Eckberg

„Kaum zu glauben, wen man hier trifft“

Bodenwerder. „Mit 50, 60 Besuchern hatte ich gerechnet. Aber diese überwältigende Resonanz auf die Einladung der Stadt haut mich jetzt doch um.“ Gewohnt sportlich, mit Sonnenbrille und bester Laune, begrüßt Bürgermeisterin Elke Perdacher vom Sockel des Bismarckturms die große Zahl der Besucher. Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren, exakt am 21. September 1913, war das Bauwerk eingeweiht worden – das wird heute gefeiert!

veröffentlicht am 30.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

Sabine Weiße
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Die Musiker von „Concordia“ Albaxen haben ihre Instrumente ausgepackt, Essensdüfte weisen den Weg zum Imbissstand und rund um den Turm wird das Gedränge immer dichter. „Kaum zu glauben, wen man hier trifft“, sagt jemand. Und eine Dame, geschätzt Mitte 60, bekennt: „Ob Sie’s glauben oder nicht: Nun wohne ich schon Jahrzehnte in Bodenwerder und war noch nie ganz oben auf der Aussichtsplattform.“

Spricht’s und nimmt mit Elan die 58 Steinstufen der Wendeltreppe. Heute lohnt diese kleine Extra-Anstrengung erst recht: Einen traumhaften Ausblick auf Bodenwerder und Kemnade, die Ottensteiner Hochebene und die sanften Hügel des Weserberglandes bis hin zum Köterberg kann man genießen. „Stimmt, Rühle sieht man nicht“, stellt jemand schmunzelnd fest. Und greift damit eine augenzwinkernde Lästerei von Frau Bürgermeisterin auf, die in ihrem Grußwort betont hatte: „Mit Sicherheit kann man behaupten, dass unser Turm der mit der schönsten Aussicht ist. Böse Zungen behaupten gar, das Beste an diesem Ausblick sei, dass man Rühle nicht sieht.“ Hier bricht sie sich wieder einmal Bahn, die heutzutage nur noch charmante Rivalität zwischen den „Braunschweigern“ und den „Hannoveranern“.

Heute zieht man – meistens – an einem Strang, so wie man es auch schon vor 100 Jahren tat. Denn es waren Bürger aus Bodenwerder (Königreich Hannover), Kemnade und Linse (Herzogtum Braunschweig), die 1911 bei der Einweihung des Bodoturmes beschlossen: Einen Bismarckturm errichten wir auch. Türme zu Ehren des Reichgründers und „Eisernen Kanzlers“ zu bauen, war damals groß in Mode.

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Von der großen Zahl der Gäste beeindruckt: Bürgermeisterin Elke Perdacher.

Stadtheimatpfleger und Museumsleiter Werner Koch stellt den Geehrten im Kurzporträt vor und skizziert in seinem Festvortrag Planungsverlauf, Bauphase und die weitere Entwicklung eines Projektes, dessen Finanzierung kurz vor dem Ersten Weltkrieg durchaus ein Kraftakt war. Aus dem Stadtsäckel war wenig zu erwarten, ein Spendenaufruf war weitgehend ungehört verhallt. Eine großzügige Geldspende des Deutsch-Amerikaners Theodor Büttner – er erbaute von 1909 bis 1911 die „Lutterburg“ – sowie der gespendete und kostenfrei zur Baustelle transportierte Sandstein aus den Brüchen des Ingenieurs Lüders aus Linse und eine Lotterie brachten schließlich die benötigte Summe von rund 5500 Reichsmark zusammen.

„Nach viermonatiger Bauzeit wurde der Bismarckturm feierlich eingeweiht: Kantor Theodor Reitemeyer aus Kemnade begrüßte die Gäste, Bürgermeister Bauers hielt die lobende Festrede und Vorsteher Sagebiel übernahm das prächtige Bauwerk im Namen der Gemeinde Linse“, führt Heimatpfleger Werner Koch aus.

Eine durch Artilleriebeschuss verursachte Beschädigung des oberen Turmrandes im Zweiten Weltkrieg wurde umgehend ausgebessert. Nach der Gebietsreform und der Eingemeindung von Kemnade und Linse übernahmen die Stadt Bodenwerder und der hiesige Verkehrsverein die Verantwortung für den gerade einmal 13 Meter hohen Aussichtsturm.

„Für die Stadt Bodenwerder sollte es auch zukünftig Verpflichtung sein, dass Besucher des Eckberges auch in 100 Jahren vom Bismarckturm auf diese einmalige Landschaft und unsere kleine, schöne Münchhausenstadt hinunterblicken können“, schließt Werner Koch seinen Vortrag. Eine weniger „zukunftsweisende“ Idee äußern einige Besucher der zwanglosen Veranstaltung: Wäre so ein gemütliches Beisammensein nicht hin und wieder auf dem Eckberg denkbar?

Strahlendes Spätsommerwetter, ein herrlicher Blick auf Bodenwerder und weit ins Weserbergland – was für ein Tag! In Scharen strömen Bürger aus Bodenwerder, Kemnade und Linse, aber auch aus den Nachbarorten auf den Eckberg, um in 205 Metern Höhe den 100. Geburtstag des Bismarckturms zu feiern.saw (4)

Feierstunde im Schatten hoher Bäume: Bei deftigen Speisen, kühlen Getränken und schwungvoller Musik der Kapelle „Concordia“ Albaxen, lassen es sich die Geburtstagsgäste so richtig gut gehen.



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