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Der Wochenmarkt in Bodenwerder feiert Jubiläum / Präsentkörbe zu gewinnen

Kaufen und klönen seit 25 Jahren

BODENWERDER. Einmal in der Woche erwacht die sonst eher „tote“ Innenstadt zum Leben – es ist Freitag und Markt. Bereits seit 25 Jahren lockt der Wochenmarkt die Menschen in die Fußgängerzone. Nun will die Stadt das Jubiläum feiern. Im Vorfeld bekommt der Kunde von den Marktbeschickern ab einem Einkauf von 10 Euro ein Freilos. Am 20. Oktober wird es dann während der Marktzeit ein unterhaltsames Rahmenprogramm geben und dabei werden drei Präsentkörbe mit den Echt!-Produkten der Solling-Vogler-Region und weitere Preise ausgelost.

veröffentlicht am 09.10.2017 um 15:22 Uhr

16. Oktober 1992: Der erste Wochenmarkt in Bodenwerder. Foto: Nachlass Joachim Brüning/PR
Beißner

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Karin Beißner Reporterin
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Wie stolz waren die Stadtväter 1992 als sie den ersten Wochenmarkt in der zur Fußgängerzone umgebauten Innenstadt ins Leben rufen konnten. Am 16. Oktober bauten die Händler zum ersten Mal zahlreiche Stände zwischen Mittelweg und Kuhgasse auf. Im Laufe der Jahre haben Händler gewechselt, andere kommen nicht mehr.

Einige sind aber immer noch dabei, wie Bauer Achim Pook aus Herkendorf.. Die Wochenmarkt-Besucher schätzen das freitägliche Angebot an frischen und saisonalen Produkten. Am Fischwagen wird geduldig gewartet und beim Gemüsehändler schon mal das Sortiment geprüft bis man an der Reihe ist. „Ich kaufe gerne auf dem Markt, hier bekomme ich noch ungewaschene Kartoffeln und in der Menge, in der ich sie gerade brauche“, meint eine Besucherin. „Auch wir schätzen die frischen Produkte sehr und kommen deshalb jeden Freitag“, fügt ein Ehepaar hinzu. Und auch die südländischen Feinkostprodukte, Pflanzen und Blumen für Garten und Balkon, frisches Fleisch und Geflügel, Käse und Honig finden ihre Abnehmer. Gratis dazu gibt es eine gute Beratung, ein nettes Wort und auch die Möglichkeit, zu probieren was gekauft werden soll.

Doch auch Kritik kommt von den Marktbesuchern, in aller Munde ist immer wieder ist das Kopfsteinpflaster. Es wird aber auch bedauert, dass einige Händler nicht regelmäßig kommen und gerade dann nicht da sind, wenn dringend etwas Bestimmtes gebraucht wird. Für viele Marktbesucher steht aber gar nicht der Einkauf im Vordergrund, sondern die Kommunikation. Man trifft sich zum Cappuccino in einem der Cafés oder am Stehtisch beim „Katzenbäcker“. Dort erklärt ein Grüppchen: „Wir treffen uns hier jeden Freitag, kaufen unsere Brötchen, trinken Kaffee und essen auch mal eine Bratwurst. Sonst ist ja in der Woche nicht viel los hier.“ Und ein Ehepaar meint: „Wir kaufen zwar nur selten auf dem Markt ein, kommen aber immer hierher, weil wir hier Bekannte treffen, die wir sonst nicht sehen.“ Das Bedürfnis zum Austausch von Neuigkeiten ist gerade bei der älteren Generation – junge Leute sind kaum anzutreffen - ein wichtiges Argument für den Marktbesuch. Aber auch die nette Atmosphäre wird immer wieder gelobt. Nur die Händler sind nicht ganz so positiv gestimmt. Für sie sind die guten Zeiten des Marktes vorbei. Mit dem „Aussterben“ der Stadt ist auch die Kaufkraft zurückgegangen. Und seit Rossmann nicht mehr in der Stadt ist, sei das noch augenfälliger, heißt es allgemein. Ein Beispiel gibt Obsthändler Markus Sendker: „Vor 15 Jahren brauchte ich vier Mitarbeiter, heute komme ich mit einem aus. Aber die Kunden, die kommen, sind uns seit Jahren treu.“

Immer Freitag ist Wochenmarkt in der Fußgängerzone. foto: kb
  • Immer Freitag ist Wochenmarkt in der Fußgängerzone. foto: kb
Das Angebot wird begutachtet. foto: kb
  • Das Angebot wird begutachtet. foto: kb
Blumemn gehören unbedingt auf den Wochenmarkt. foto: kb
  • Blumemn gehören unbedingt auf den Wochenmarkt. foto: kb

Einen Mangel an Kunden hatten die Märkte unserer Vorfahren nicht. Wenn Markttag war, kamen von nah und fern Bauern, Handwerker, Händler und Käufer in die Stadt, um mit allem zu handeln, das zum Leben notwendig war. Das Recht, einen Markt abzuhalten, hatte die Stadt bereits 1287 mit den von Heinrich von Homburg verliehenen Stadtrechten bekommen.

In der Urkunde war festgelegt, dass an den beiden Sonntagen nach St. Bartholomäus (24. August) und St. Gallus (16. Oktober) Markt abgehalten werden durfte. Der dauerte in der Regel drei Tage. Eine Marktordnung regelte das geschäftige Treiben. Jeder Händler brauchte eine Genehmigung und bekam seinen Stand zugewiesen. Die vorgeschriebenen Preise mussten streng eingehalten werden, außerdem wurden die Größe des Brotes und die Gewichte der Händler kontrolliert. Auch Hygienevorschriften gab es schon: Der Käufer durfte Brot, Fleisch und Fisch nicht mit den Händen anfassen. Der Stadtbüttel, eine Art Marktpolizist, wachte darüber, dass der Markttag friedlich verlief. Wer gegen den Marktfrieden verstieß, wurde streng bestraft.

Streng genommen feiert die Stadt am 20. Oktober nicht das 25-jährige Marktjubiläum, sondern 730 Jahre Marktrecht. Und der Tag des ersten Wochenmarktes am 16. Oktober 1992 hat sogar auch Bezug zu damals – St. Gallus war am 16. Oktober.

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