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Trotz weniger Laufkundschaft: Ladeninhaber geben die Große Straße nicht auf

„Kauf in deiner Stadt“

BODENWERDER. In Bodenwerders Innenstadt zu überleben, scheint für die Gewerbetreibenden nicht einfach zu sein. Erst kürzlich berichteten wir über Läden, die ihre Öffnungszeiten teils drastisch reduziert haben, weil die Kundenfrequenz fehlte. Wir wollen aber auch die andere Seite hören und fragen an der Großen Straße nach, was die Geschäftsinhaber machen, um ihren Laden am Laufen zu halten.

veröffentlicht am 26.01.2018 um 16:16 Uhr
aktualisiert am 26.01.2018 um 19:00 Uhr

Ziemlich leer die Innenstadt von Bodenwerder, so sieht es hier häufig aus. Foto: ms

Autor:

Maike Schaper
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Ein Streifzug durch die Straße zeigt, dass auch einige andere Geschäftsleute auf verminderte Öffnungszeiten setzen. Am Café „Myras“ prangt ein Schild, dass dort vom 31. Dezember bis zum März geschlossen ist. Beim Schreibwaren- und Geschenkehändler „Düt und Dat“ ist im Januar und Februar am Samstag geschlossen. „Es rechnet sich nicht“, sagt Inhaber Bernd Dörjer. „Die Überlebenschance ist nicht mehr so groß in der Innenstadt.“ Um zusätzliche Kunden in den Laden zu locken verkauft Dörjer auch die Produkte der Regionalmarke Echt! aus der Solling-Vogler-Region, die gut nachgefragt würden.

Dass manch ein Bodenwerderaner im Hinterkopf habe, dass man nicht in die Innenstadt zu fahren braucht, weil es da sowieso nichts gibt, findet Brigitte Niehaus traurig. Sie ist Inhaberin der Drogerie an der Großen Straße 66. In ihrem Laden gibt es vieles zu finden. Was es nicht gibt, aber die Kunden gern haben möchten, besorge sie gern. Die mangelnde Laufkaufkundschaft mache aber auch ihrem Drogerie-Geschäft zu schaffen.

Nicht weit von der Drogerie liegt Eiscafé und Pizzeria „Mocca“. Dort setzt Inhaberin Sandra Reifenschneider seit Herbst auf einen Lieferservice, weil eben auch dort die Kundenfrequenz im Laden nicht reiche. Ohne den Lieferservice müsste das „Mocca“ auch schließen, sagt Reifenschneider, aber so „haben wir das noch retten können“.

Eine Idee, die optisch an der Großen Straße auffällt, ist der Verkaufsstand von Lutz Goerigk, dem Inhaber des „Café Lutz“. Dort verkauft er Glühwein und Deftiges wie Bratwurst und Pommes. „Die Kunden können kommen und quatschen“, sagt Georigk. Der Verkaufsstand sei aber auch für ihn wichtig: „Für uns ist die Bude mittlerweile ein wirtschaftlicher Faktor geworden.“ Denn im Winter sei „schon immer tote Hose“ gewesen. „Hiermit ist man präsenter.“ Vom 31. Januar bis zum 15. Februar wird allerdings auch sein Café pausieren. „Wir werden jetzt auch das erste Mal Betriebsferien machen“, sagt Georigk. Der Grund ist auch hier: „Lohnt sich nicht.“ In der Pause wolle er eine Eismesse besuchen und mit kreativen Ideen frisch erholt in die Saison starten.

Im Mode- und Dekogeschäft „Kleinod“ setzt Melanie Korte-Beuser seit Dezember 2017 auf einen Onlinestore, um ihren Kundenkreis zu erweitern. „Wenn man diese Laufkundschaft im Ausmaß von Hannover nicht hat, dann muss man auch mal gucken, was man erstmal im Kleinen bei sich machen kann“, sagt sie. Im Sommer gebe es mehr Touristen in Bodenwerder, die könnten dann auch von Zuhause aus die Sachen kaufen, die sie in Bodenwerder gesehen haben, hebt Korte-Beuser hervor.

Hauptsächlich auf den Onlinehandel setzt Petra Reimers in ihrem Laden „British Stuff“ an der Großen Straße Nummer 1. Geöffnet ist dort freitags und samstags, der Rest des Geschäfts geht übers Internet.

Sehr optimistisch gibt sich Joachim Pudel, der Chef des „Brillenstudio Kaiser“. „Wir haben gut zu tun“, sagt Pudel. Er investiere in den Standort und die Ausstattung und erst vor zwei Jahren sei umgebaut worden. „Ich bin traurig um jeden Zweiten, der sagt, in Bodenwerder gibt‘s nichts mehr“, ganz widersprechen könne er dem allerdings auch nicht, meint Pudel.

„Kauf in deiner Stadt, damit sie eine Zukunft hat“, wiederholt Monika Meyer vom gleichnamigen Reisebüro einen Slogan, den man wohl in einigen Gemeinden kennt. In ihrem Geschäft setzt sie auf Kundennähe, öffnet den Laden nach Absprache auch außerhalb der regulären Zeiten.

Die Reaktionen der Ladeninhaber an der Großen Straße, mit denen die Dewezet gesprochen hat, sind recht gemischt. Nicht alle können wir wörtlich aufführen, einige haben wir nicht erreicht. Viele mit denen unsere Zeitung gesprochen hat, setzen auf die Hoffnung, dass das Geschäft noch mal besser werde. Andere fallen mit konkreten Ideen auf oder können sich ohnehin nicht beklagen. Meist hört man jedoch: „Könnte besser laufen.“ Die guten Zeiten, so wird oft gesagt, die seien vorbei.

Mein Standpunkt

Die Läden an der Großen Straße in Bodenwerder müssen wirklich kreativ sein, um bestehen zu können. Die Innenstadt ist schön, keine Frage, aber meistens fast menschenleer, das nimmt ihr wieder sehr viel von dieser Attraktivität. Dabei gibt es an der Großen Straße und auch drum herum noch einige Angebote, ohne die Bodenwerder ärmer wäre. Als Kunde hat man einen entscheidenden Anteil daran, wie es vor der eigenen Haustür aussieht. Wer das Angebot nicht nutzt, muss sich auch nicht wundern, wenn es irgendwann nicht mehr da ist.



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