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„Ich nehme auch Ratschläge an“

Jungfilmer Michel Oeler verfolgt weiter seine Leidenschaft

BODENWERDER. Ihn kann nichts aus der Ruhe bringen, Michel Oeler weiß genau, wann er wo Aufnahmen machen muss, und ist immer zur rechten Zeit am rechten Ort. Nun schon zum vierten Mal begleitet er die Grundschüler mit der Videokamera auf ihrem aufregenden ersten Schultag und entlastet so die Eltern, die die ganze Zeremonie vom Gottesdienst über die Begrüßung bis zum Verlassen des Klassenraumes bei ihm als DVD kaufen können. Und geschäftstüchtig ist er auch. Um seine Ausgabe zu finanzieren, findet er immer wieder Sponsoren, die die Werbung, die er für einen geringen Obolus für sie macht, gerne annehmen.

veröffentlicht am 08.08.2017 um 17:35 Uhr
aktualisiert am 08.08.2017 um 18:30 Uhr

Mit konzentriertem Blick durch die Kamera verfolgt Michel Oeler die Einschulung. Rechts daneben assistiert Freund Lennox. Foto: kb
Beißner

Autor

Karin Beißner Reporterin
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Aus dem damals 11-jährigen Schüler ist inzwischen ein junger Mann geworden mit tieferer Stimme, schmalerem Gesicht und moderner Frisur. Gleich zwei Kameras hat er in der Turnhalle der Grundschule aufgebaut, um alles einzufangen. Seine Freunde Hannah und Lennox assistieren ihm, damit keine Szene verloren geht. Als es heißt, dass die Erstklässler nach ihrer ersten Schulstunde bald ihren Klassenraum verlassen, schnappt er sich eine Kamera, die nun auf einem tragbaren Gestell sitzt und begleitet die Kleinen rückwärtsgehend über den Schulflur.

Nicht nur äußerlich hat Michel Oeler sich verändert, auch die Einstellung zu seiner Arbeit hat sich gewandelt. „Ich war darauf fixiert, dass das, was ich mache, so richtig ist, und habe mir von niemandem etwas sagen lassen. Das ist heute anders, ich nehme auch Ratschläge an.“ Allerdings hat er das Erstellen von Videos weitgehend eingestellt. Er hat zwar viele Ideen für Filme, aber sein Anspruch an sich selbst ist größer geworden. Er möchte Filme mit Drehbuch machen, aber dass das Erstellen eines solchen nicht leicht ist, hat er inzwischen gemerkt. Bei der Einschulung ist der Ablauf vorgegeben, das ist einfacher. Deshalb hat er sich jetzt mehr dem Mediendesign und der Fotografie verschrieben.

Nach der Schule und den Hausaufgaben verbringt der Gymnasiast einen großen Teil seiner Freizeit damit. Doch jetzt hat erst mal das Video über die Einschulung Priorität – sichten, schneiden, mit Musik unterlegen – viele Stunden wird Michel damit verbringen. Das Ergebnis soll schließlich auch später noch erfreuen, vielleicht am Ende der Grundschulzeit. Doch lohnt sich eigentlich der Aufwand, den er da betreibt? „Leider ist das Interesse in jedem Jahr weniger geworden, die Handys sind eine starke Konkurrenz, jeder filmt ja heute“, meint Michel, „aber ein so kompletter Film ist doch eine viel schönere Erinnerung und kann immer wieder vorgeführt werden.“ Er hofft, dass sich beim Elternabend noch weitere Interessenten finden oder im Internet unter „einschulung.micheloeler.de“ sein Video bestellen.

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