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Flecken will sich gegen noch mehr Pyrmonter Windräder vor Lichtenhagens Haustür wehren

In Ottenstein stehen die Zeichen auf Sturm

Ottenstein / Bad Pyrmont. Manfred Weiner, Bürgermeister im Flecken Ottenstein, ist entrüstet: „Das ist ein Unding, dass Bad Pyrmont seinen Nachbarn Ottenstein nicht beteiligt hat, wenn nur einige Hundert Meter von Lichtenhagens Neubaugebiet ,Kohlgarten‘ entfernt neun neue Windkraftanlagen gebaut werden sollen.“ Grundsätzlich, so Weiner, sei man in Ottenstein nicht gegen regenerative Energie, wie die Solaranlagen im Ort und die Windräder vor der eigenen Haustür zeigten. Doch irgendwann sei das Maß voll, meint der streitbare Flecken-Chef: Die Ottensteiner Hochebene habe ihr Soll an Verspargelung der Landschaft erfüllt. Und das sehe man auch in den Pyrmonter und Emmerthaler Bergdörfern so, versichert Weiner. Anders sähen das allenfalls die Eigentümer von Windrad-Erwartungsflächen auf der Pyrmonter Steinbreite vor dem Eichenborner Teich.

veröffentlicht am 09.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 09:21 Uhr

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Autor:

Vion Joachim Zieseniß
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Bereits im Februar hatte der Pyrmonter Verwaltungsausschuss hinter verschlossenen Türen die Änderung des Flächennutzungsplans in dem bis dahin landwirtschaftlich genutzten Areal beschlossen. In Lichtenhagen bekam man schnell davon Wind, und es bildete sich eine Bürgerbewegung. Die sammelte 220 Unterschriften – und zwar nicht nur von Lichtenhagenern, sondern auch aus anderen Hochebenen-Dörfern und von Feriengästen.

„Wir brauchen Ihre Unterschrift, damit Lichtenhagen, Ottenstein und die Bergdörfer lebenswert bleiben“, warben die Sammler und führten die Gefahr nachhaltiger gesundheitlicher Schäden an, die vom Ultraschall der Windräder ausgehen könne. Als Argument diente ihnen, dass beispielsweise in England der Abstand von Windkraftanlagen zu Wohnhäusern auf 3000 Meter erhöht wurde. In Deutschland gelten derzeit 500 Meter Mindestabstand.

Und der dürfte beim neu ins Auge gefassten Anlagen-Standort „Steinbreite“ zumindest für das zu Ottenstein gehörende Lichtenhagen und zum Bad Pyrmonter Eichenborn und Neersen eingehalten sein. Vom Emmerthaler Deitlevsen ist der geplante Windkraft-Standort aber nur gute 354 Meter Luftlinie entfernt. „Eine Unverschämtheit der Planer“, findet Weiner.

Noch mehr ärgert den Ottensteiner Ratschef jedoch, dass er während der jüngsten Ratsssitzung der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle in Hehlen nur mittelbar Kenntnis davon erhielt, dass die Stadt Bad Pyrmont bereits den „Entwurf der Flächennutzungsplanänderung für die Erweiterung der Konzentrationsfläche zur Nutzung von Windenergie“ auf ihrem Terrain der Ottensteiner Hochfläche vorgelegt hat. „Uns ist davon bislang nichts mitgeteilt worden“, so Weiner. In einem Schreiben vom 15. November hatte die Einheitsgemeinde Bad Pyrmont die „Samtgemeinde Bodenwerder“ über ihre geplante Nutzungsplanänderung auf dem Berge informiert und um Stellungnahme nach den Vorschriften des Baugesetzbuches gebeten. Was Pyrmonts Baurat Goretzki aber offenbar nicht beachtete: Laut Samtgemeinde-Reglement sind weder die Samtgemeinde Bodenwerder noch die neue Samtgemeinde Bodenwerder-Polle nach dem Baugesetzbuch zu beteiligender Nachbar. Das ist der selbstständige Flecken Ottenstein. Und der hätte am 15. November von der Stadt Bad Pyrmont in das Anhörungsverfahren einbezogen werden müssen, sofern die Einspruchsfrist, die man im Pyrmonter Rathaus „bis 23. Dezember“ festgelegt hat, Geltung haben soll.

Manfred Weiner sieht darin einen eklatanten Verstoß gegen Paragraf 2, in dem das Baugesetzbuch das Aufstellen von Bauleitplänen regelt. Dort heißt es: „Die Bauleitpläne benachbarter Gemeinden sind aufeinander abzustimmen.“ Und das, so Weiner, sei nicht geschehen.

Wäre der Flecken Ottenstein gefragt worden, dann würde er geltend machen, dass durch den neuen Windpark sowohl die Bautätigkeit in Lichtenhagens Neubaugebiet „Kohlgarten“ beeinträchtigt als auch die Tourismusentwicklung in dem Territorium beschädigt wird.

Bürgermeister Weiner hat deshalb angekündigt, dass der Flecken Widerspruch gegen die Pyrmonter Planungen einlegen wird. Weiner: „Der Naturschutzbund und die Luftsportgemeinschaft Bad Pyrmont haben das auch schon getan.“ Man wolle einfach nicht weiter durchgehen lassen, dass Ottenstein – wie bereits bei allen vorangegangenen Pyrmonter Windkraftprojekten in Neersen und Baarsen – einfach nicht um seine Meinung gefragt werde.

Über diesen Fehler hinausgehend sieht es Weiner auch nicht ein, dass die Hochebene – egal, ob in ihrem Hameln-Pyrmonter oder Holzmindener Teil, weiter maßlos „mit Windrädern zugepflastert wird, wo wir doch wahrlich unser Maß erfüllt haben“. Denn während im Kreis Holzminden zumindest bis zur Aufstellung eines Raumordnungsprogramms erst einmal alle Bauanträge von Windkraftbetreibern abgelehnt werden, scheine man in Bad Pyrmont jegliches Maß bei der Ausweisung neuer Standorte verloren zu haben, meint Weiner: „Sollen sie doch Windräder auf den Hagener Berg bauen.“ Doch das tue man nicht. Denn die Powertürme könnten dann ja – anders als auf der Hochebene – die Gäste im Kurort stören...

Da die Samtgemeinde Bodenwerder-Polle dem Flecken Ottenstein in ihrer jüngsten Sitzung ihre Zustimmung zur Ablehnung signalisiert hat, steht der neue Windpark auf der Steinbreite auf der Tagesordnung des Rates Ottenstein. Dessen öffentliche Sitzung beginnt heute um 20 Uhr im Dorfrestaurant „Schneiderhof“ in Lichtenhagen.

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