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Hirtenszene auf dem Altar der Klosterkirche stammt aus dem Jahre 1430

In Kemnade tragen sie goldene Gewänder

Kemnade. Es ist Weihnachten. Wie in jedem Jahr tritt der Altar der Klosterkirche an diesem Fest in den Mittelpunkt des Geschehens, zeigt er doch die Menschwerdung Christi von der Verkündigung an Maria über die Geburtsszene bis zur Darbringung im Tempel. Heute sind alle Szenen gut sichtbar. Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch waren alle Teile noch ungeordnet und mit grauer Farbe übermalt. Da gab es auf dem jetzigen Mittelteil noch einen dreieckigen Altaraufsatz. In ihm befanden sich die Verkündigung an Maria und die Hirtenszene. In den 1960er Jahren – zur 1000-Jahrfeier des Ortes Kemnade – wurden die Klosterkirche und der Altar restauriert. Bei dieser Gelegenheit bekam er die beiden Flügel. Damit wurde Platz geschaffen, um alle Figuren in der zeitlichen Abfolge angemessen darstellen zu können.

veröffentlicht am 23.12.2015 um 16:32 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:56 Uhr

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Autor:

VON KARIN BEIßNER
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Seit dieser Zeit befinden sich gleich neben der Geburtsszene die Hirten auf dem Feld, denen der Engel die frohe Botschaft verkündet. Am Berghang weiden Schafe, zwei Hirten geben auf sie Acht und vertreiben sich die Zeit mit Musikmachen. Der eine, warm eingepackt in einem dicken Mantel, spielt Dudelsack, der andere mit dem schwarzen Hirtenhut auf dem Kopf flötet auf der Schalmei. Gerade haben sie ihr Spiel unterbrochen und schauen staunend zum Himmel, wo der Engel erschienen ist, um ihnen die Ankunft des Messias zu verkünden: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“

1430 hat der unbekannte Künstler diese Szene geschaffen. Fast 600 Jahre sind seitdem vergangen, und in jedem Jahr haben Gläubige den Weihnachtsgottesdienst hier erlebt und bewusst oder unbewusst die Hirtengruppe betrachtet. Seit der Restaurierung hebt sie sich vom goldenen Hintergrund – dem typischen Merkmal der mittelalterlichen Kunst – gut ab, und auch die beiden derb bäuerlichen Hirten haben frische Farben bekommen. Der Hirte mit der Flöte trägt ein goldenes Gewand, der Dudelsackspieler ist ebenfalls in Gold gekleidet mit blau gefüttertem braunem Umhang. Hier hat der Restaurator frische Farben gewählt, die eigentlich nur wohlhabenden Personen vorbehalten waren. Die Kleiderordnung der damaligen Zeit verbot den „unfreien“ Berufsständen, zu denen auch die Hirten gehörten, das Tragen von teuren Stoffen. Das einfache arme Volk trug fast immer braune, erdfarbene Gewänder. Vielleicht wollte der Künstler oder später der Restaurator die Hirten in dieser Szene hervorheben, denn sie, die einfachen armen, sozialschwachen Leute, durften ja als einzige das Wunder der Heiligen Nacht miterleben. Es gab viele Menschen damals in Bethlehem, aber nur den Hirten verkündeten die Engel die frohe Botschaft. Bis heute wird übrigens der genaue Ort benannt, an dem sie die Ankunft des Messias erfuhren: ein Wiesental im Südosten Bethlehems, etwa eine römische Meile von der Geburtsgrotte entfernt.

Die Hirten zweifeln nicht an dem was der Engel verkündet hat, lassen alles liegen und stehen. Sie begeben sich unverzüglich zum Ort des Geschehens. Warum wurden gerade die Hirten ausgewählt, als erste und einzige von der Geburt des Erlösers zu erfahren? Vielleicht weil die Juden traditionell ein Hirtenvolk waren. Die Urväter Moses, Jacob, Abraham und Isaak waren Hirten und auch der junge David. Hirten sind die Hüter der Schafe, auch Christus nennt sich Hirte als der Hüter aller Menschen.

Die Hirten wurden erst im Spätmittelalter in die Krippendarstellungen aufgenommen, sind heute aber nicht mehr daraus wegzudenken. Sie kommen in verschiedenen Altersstufen vor, vom Hirtenknaben bis zum alten auf seinen Stock gestützten Greis. In der Krippe stehen oder knien sie ehrfurchtsvoll beim Jesuskind. In jedem Krippenspiel kommen sie vor. Ohne die Hirten mit ihren Schafen und mit staunenden Gesichtern wäre die Krippendarstellung unvollständig und das Wesen der Heiligen Nacht nicht erfasst. Deshalb heißt es wie in jedem Jahr nicht nur in der Klosterkirche: „Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Frauen, kommet das liebliche Kindlein zu schauen!“



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