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Üben, Üben, Üben

In der Grundschule Hehlen lernen Eltern das richtige Lernen

HEHLEN. „Wer lernt und nicht wiederholt, muss gar nicht erst lernen“, war eine der Informationen, die die Eltern der Grundschule Hehlen nach einem sehr informativen und kurzweiligen Abend mit nach Hause nahmen. Schulleiter Dirk Lienig hatte zum Thema „Das Lernen lernen“ den Lerncoach und Diplompädagogen Andreas Hensing vom „LVB Lernen“ eingeladen, einem gemeinnützigen Verein aus Berlin, der sich der Förderung der Bildung verschrieben hat und sich deutschlandweit für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit einsetzt.

veröffentlicht am 11.09.2017 um 21:10 Uhr

Bei Andreas Hensing müssen die Eltern lernen. Foto: kb
Beißner

Autor

Karin Beißner Reporterin
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Wie kann man Kindern Methoden an die Hand geben, das Gelernte dauerhaft zu behalten? Tipps dazu vermittelte der Coach praxisnah, humorvoll und unterhaltsam. Die Eltern erfuhren am eigenen Leibe, was es heißt, sich Dinge zu merken. Zwei Mütter stellten sich mutig dem Zahlen-Merk-Test. Sechs Zahlen waren abrufbar, aber bei zehn Zahlen scheiterten sie. Die Zuhörer erfuhren, dass das Ultrakurzgedächtnis mit sieben Einzelinfos voll ist. Nur durch ständiges Wiederholen gelangt das Gelernte weiter ins Kurzzeit- und dann ins Langzeitgedächtnis. Auch dort muss es gepflegt werden. Täglich fünf bis zehn Minuten üben reichen dazu aus. Dazu braucht der Lernstoff eine Struktur, er muss sortiert und geordnet werden. „Eltern können beim Lernen mit ihren Kindern ganz viel falsch machen, auch wenn sie es eigentlich gut meinen“, erklärt Andreas Hensing. „Ein überbehütetes Kind beispielsweise kann kein Vertrauen in die eigene Leistung bekommen, wenn es keine Verantwortung übernehmen darf.“ Ein Kind muss sich von Anfang an Methoden aneignen, mit denen es Gelerntes erfolgreich behält. Mithilfe von Reimen, Merksätzen, kleinen Geschichten oder sogar als Rap lassen sich Dinge leichter merken.

Der Referent verweist auf vier verschiedenen Lerntypen. Sehr anschaulich demonstriert er, wie beispielsweise beim Aufsatzschreiben die einzelnen Typen das Thema angehen, von zaghaft und spartanisch bis fantasievoll und übertrieben. Die Zuhörer erkennen ihr Kind darin wieder und müssen hier selbst aktiv werden. Rechtschreibung ist angesagt. Fazit: Die Regel sagt, wie es geschrieben wird. So können sie sich in die Lage des Kindes versetzen, bekommen aber gleichzeitig Praxistipps für das Üben zu Hause. Das altmodische Karteikartensystem ist immer noch eine gute Lernmethode, aber auch entsprechende interaktive Lernplattformen helfen den Schülern, das Gelernte im Langzeitgedächtnis zu verankern. Das Wichtigste aber, so der Referent, sei eine ständige Ermutigung des Kindes in seinen Lernbestrebungen und das Vermeiden von negativen Ausdrücken, die das Kind nur hemmen. „Wer es gut meint und dem Kind abends sagt, dass es vor der Klassenarbeit keine Angst haben muss, erreicht das Gegenteil, besser ist, ihm ein ,Du schaffst das schon‘ mit ins Bett zugeben“, erklärt Hensing. Diese und viele weitere Strategien gab er nach mehr als zwei unterhaltsamen und anregenden Stunden den Eltern mit auf den Nachhauseweg. Für Schulleiter Lienig war es der richtige Entschluss, den Diplom-Pädagogen einzuladen. „Schade aber, dass dieses Angebot nicht von mehr Eltern angenommen wurde.“

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