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Podiumsveranstaltung der BI Tuchtberg in der Kulturmühle Buchhagen ohne Diskussion

Im Galopp durch schwierige Themen

Buchhagen. Sie war rekordverdächtig, diese am Mittwochabend von der Bürgerinitiative Tuchtberg organisierte Podiumsveranstaltung in der Kulturmühle Buchhagen. Mehr als drei Stunden ging es mit einer kurzen Pause um die Themen Nutztiere, Landwirtschaft, Verbraucherrechte und Global — Lokal. Auf dem Podium saßen die Bundestagskandidaten von SPD (Gabriele Lösekrug-Möller), CDU (Michael Vietz), Grüne (Marcus Schaper), FDP (Klaus-Peter Wennemann), der Partei Die Linke (Jutta Krellmann) und Claudia Schumann von den Piraten. Bereits im Juli hatte die BI Tuchtberg den Kandidaten ihren Themenkatalog zukommen lassen, damit sie sich gut auf die Veranstaltung vorbereiten konnten.

veröffentlicht am 29.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:21 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Zu einer Diskussion auf dem Podium kam es allerdings nicht. Denn die Vorgabe von Moderator Franz Gabriel war klar und eindeutig: „Jeder von Ihnen hat drei Minuten Zeit, sich vorzustellen und dann in vier weiteren Runden wieder jeweils drei Minuten, um etwas zum jeweiligen Thema zu sagen. Nach- oder Zwischenfragen aus dem Publikum werden nicht zugelassen. Das gibt es erst am Ende der Veranstaltung.“ Die angekündigte Möglichkeit, mit „Ihrem Wahlkreiskandidaten“ mitzudiskutieren, wurde damit praktisch ausgeschlossen. Und so wurde die auf zweieinhalb Stunden angesetzte Veranstaltung eine Parforce-Jagd durch vier komplexe Themenbereiche, in denen es unter anderem um artgerechte Tierhaltung gehen sollte, um Schutz und Rechte von Nutztieren, um ethische Fragen, EU-Subventionen, Alternativen zu Agrarindustrie und bäuerlicher Landwirtschaft, Umweltschutz und Güllekataster, Lebensmittelsicherheit und -kennzeichnung, Bürgerbeteiligung, Arbeitsbedingungen und Lohngerechtigkeit, Grundwasserschutz, Gentechnik und Ernährungssouveränität.

Da sich einige der Kandidaten freimütig dazu bekannten, von Landwirtschaft nur wenig zu verstehen, lasen beispielsweise Wennemann und Claudia Schumann einen Teil ihrer Stellungnahmen von vorbereiteten Papieren ab oder zitierten schlicht aus den Wahlprogrammen ihrer Parteien. Richtigen Pfeffer gab es erst in der viertelstündigen Pause, als sich mehrere Landwirte über die Absichten der Grünen und der BI Tuchtberg erregten. „Die haben doch von einem bäuerlichen Betrieb keine Ahnung und wollen uns nur Schwierigkeiten machen. Wenn man auf 80 Hektar überleben und einen Gewinn erwirtschaften will, dann muss man intensive Tierhaltung betreiben. Anders geht das überhaupt nicht. Außerdem geht es den Tieren in modernen Ställen heute besser als vor 30 oder 50 Jahren.“

In den Beiträgen der Kandidaten zu den verschiedenen Themenkomplexen waren die Unterschiede eher marginal. Praktisch alle sprachen sich für eine artgerechte Haltung der Nutztiere aus, die ohne Antibiotika auskommen müsse. „Qualzucht“ dürfe es nicht geben und „Tiere sind keine Optimierungsmaschinen“, wie „Lömö“ betonte. Tiere ließen sich auch „integriert“ anständig halten, erklärte Schaper. Bei Lohnmästerei mache man sich nur abhängig von wenigen Konzernen. Michael Vietz betonte, der bäuerliche Betrieb gehöre zu den Grundprinzipien der CDU. Für ihn sei die Frage, „wo fängt Massentierhaltung an, wo hört sie auf?“ Entscheidend sei die Qualität der tier- und artgerechten Haltung. Für Wennemann geht es dabei nicht um die Zahl der Tiere, die gehalten werden, sondern um den Platz, den sie haben.

Dass sich nicht jeder Verbraucher Biofleisch leisten könne, verband Jutta Krellmann mit der Forderung, endlich wieder anständige Löhne zu bezahlen und vernünftige Arbeitsbedingungen zu schaffen. Umweltschutz und Arbeitsrecht müssten ganzheitlich betrachtet werden.

Als am Ende gegen 22 Uhr endlich die auf Zetteln gesammelten Fragen aus dem Publikum verlesen wurden, war die Zeit bereits so knapp, dass auf sie nicht vertieft geantwortet werden konnte und der BI-Moderator Nachfragen knallhart abblockte. Draußen vor der Tür machten dann einige Besucher kein Hehl aus ihrer Enttäuschung über den Verlauf dieser Kandidatenanhörung.



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