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Klaus Trybuhl neuer Leiter der Oberschule Bodenwerder

„Ich musste nicht lange überlegen“

Bodenwerder.Für ihn ist die Oberschule Bodenwerder baulich so etwas wie die Stein gewordene Voraussetzung für seine langgehegte Idealvorstellung einer Bildungseinrichtung, in der alle Kinder und Jugendliche die gleichen Chancen haben, den für sie passenden Abschluss zu erlangen: Genug Raum, um differenzierte Bildungsangebote anzubieten, Schwimmbad und Sporthalle gleich nebenan und dazu großzügige Außenanlagen. Als Klaus Trybuhl das erste Mal seine zukünftige Arbeitsstelle in Augenschein genommen hat, war er sofort begeistert von der Schule, die derzeit von 300 Schülern besucht wird, aber Raumkapazitäten für bis zu 1500 Schüler hätte. Seit Mitte vorigen Monats ist Klaus Trybuhl neuer Schulleiter der Oberschule Bodenwerder und der ehemalige kommissarische Leiter Jan Reckmann sein Stellvertreter.

veröffentlicht am 17.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:53 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Von der Schulbehörde ist der parteilose Klaus Trybuhl angesprochen worden, ob er nicht die Oberschule Bodenwerder übernehmen wolle; damals, als die politische Diskussion, ob die Oberschule Bodenwerder zur einzigen IGS im Landkreis Holzminden umgewandelt werden sollte, einen erneuten Anlauf nahm. Trybuhl war da seit 2013 an der Oberschule Bevern als stellvertretender Schulleiter tätig. Nach eigenen Worten hat sich der Pädagoge daraufhin den Schulkomplex in Bodenwerder angesehen und war überredet: „Ich musste nicht lange überlegen und habe angenommen“, so Trybuhl. Der Aufbau einer IGS ist die Herausforderung, die der 54-Jährige annehmen wollte.

Denn die Schaffung von gleichen Bildungschancen in einem durchlässigen Bildungssystem für Behinderte bis zu Hochbegabten ohne Ansehen der sozialen Herkunft war in der bisherigen Laufbahn des Pädagogen ein durchgängiges Ziel. Und das, so erinnert sich Bodenwerders neuer Schulleiter, weil er sich als Sohn eines Zimmermanns an seiner Einbecker Schule von einem Lehrer habe anhören müssen: „Ein Arbeiterkind macht kein Abitur.“ Damals, so Trybuhl, reifte in ihm der Entschluss, selbst Lehrer zu werden und etwas zu ändern.

Und so studierte der gebürtige Einbecker nach dem Abitur in Göttingen Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Nach Abschluss wurde er Assistent am Göttinger Institut für Schule und Unterricht, das sich unter anderem für zweite Bildungswege starkmacht und dessen 2. Vorsitzender Trybuhl heute ehrenamtlich ist.

Nach Stationen als Pädagoge in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen, wo er 15 Jahre Lehrer an der Haupt- und Realschule Kreiensen war, wechselte Trybuhl 2010 zum Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) in Hildesheim. Seit 2011 nimmt das NLQ Aufgaben der Lehrerbildung und Schulentwicklung sowie die Niedersächsische Schulinspektion wahr. Trybuhl wurde dort als Dezernent in die Stabsstelle des Präsidenten berufen. Dort war er an der Entwicklung von verbundenen Schulsystemen wie Oberschule und IGS beteiligt. Personalabbau bei der NLQ habe dazu geführt, dass er dann doch wieder ins Klassenzimmer zurückkehrte – zuerst in Göttingen, dann in Bevern. Leiter der „IGS Bodenwerder“ – für Klaus Trybuhl könnte das nach eigenen Worten nun die Zielgerade seiner pädagogischen Biografie werden. Eine Schule, die gleiche Chancen für Inklusionsschüler wie für Hochbegabte bis zum Abitur bietet. Gleich nachdem für ihn klar war, dass er nach Bodenwerder gehen würde, habe er mit der Lobbyarbeit für diese Schulform an der Nordgrenze des Kreises Holzminden begonnen. „Bei allen Parteien, die übrigens alle ernsthaft bemüht um die Schulentwicklung im Landkreis sind“, betont der neue Schulleiter. Vielleicht sei es ihm gerade als jemandem „von draußen“ einfacher gefallen, gewachsene Scheuklappen zu lösen und den Blick freizumachen auf die Notwendigkeit einer IGS für den Landkreis Holzminden. „Ich bin kein erklärter Gegner des Gymnasiums, aber der Meinung, die Eltern sollten eine möglichst breite Auswahl haben, welche Schulform für ihre Kinder die richtige ist ,“ erklärt der ehemalige FDP-Mann Trybuhl.

Zur jüngsten Empfehlung des Kreisschulausschusses für die IGS in Bodenwerder meint deren möglicherweise erster Schulleiter derzeit nur lakonisch: „Wir können erst mal nur ein Piccolo-Fläschchen aufmachen – die Flasche Sekt muss noch warten.“ Denn schließlich stünde noch der Kreistagsbeschluss aus. Und auch Schulbehörde und Ministerium hätten noch ein Wort mitzureden. Wobei sich der Routinier im Schulbetrieb ziemlich sicher ist, dass von letzter Seite keine Knüppel geworfen werden. Behörden-Kenner Trybuhl: „Man kann davon ausgehen, dass das da so eingetütet wird.“

Die Motivation des Kollegiums, mit ihrem neuen Chef auf das große Ziel hinzuarbeiten, sei indes groß, versichert Vize Jan Reckmann. Von den 32 Kollegen der Oberschule seien 20 bereits konkret mit der Planung des IGS-Betriebs befasst. „Das bedeutet jetzt neben unserem normalen Schulbetrieb eine erhöhte Arbeitsbelastung für das gesamte Kollegium“, so der neue Schulleiter voller Anerkennung. Doch das Ziel der Schule ist hoch gesteckt: Sollte es von allen Seiten ein Placet geben, soll der IGS-Betrieb bereit zum nächsten Schuljahr im August 2015 losgehen. „Und wenn alles klappt, können wir in zwei bis drei Jahren den gymnasialen Zweig für Bodenwerder beantragen.“

Bester Dinge:

Klaus Trybuhl (li.), neuer Leiter der Oberschule Bodenwerder und sein Stellvertreter, Jan Reckmann, der die Oberschule bisher kommissarisch leitete. Oliver

Hartmann



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