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Leinenzwang ärgert Bürger

Hundeunfreundliches Bodenwerder?

BODENWERDER. Was dürfen Hunde eigentlich in der Münchhausenstadt? Und vor allem: Wo dürfen sie frei rumlaufen? Zu diesem Thema erreichte unsere Redaktion vor Kurzem eine Nachricht in ziemlich verärgertem Ton. Ein Leser kritisierte, man dürfe jetzt in ganz Bodenwerder keine Hunde mehr frei laufen lassen.

veröffentlicht am 25.01.2018 um 17:25 Uhr
aktualisiert am 25.01.2018 um 20:46 Uhr

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Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Ausschlaggebender Punkt war für ihn ein Schild. Auf der östlichen Weserseite soll neuerdings explizit darauf hingewiesen werden, dass Hunde dort an die Leine gehören. „Bisher war die eine Seite der Weser für Hunde frei und sie konnten soziale Kontakte unter den Hunden finden, was für das Wesen des Hundes wichtig ist“, schreibt unser Leser.

Was der Hund in Bodenwerder hingegen dürfe – beziehungsweise sein Herrchen oder Frauchen – das sei eine doch erhebliche Summe an Steuern bezahlen, allerdings dürfe der Hundebesitzer nicht erwarten, dafür eine Gegenleistung zu bekommen, so der Leser weiter. In fast allen Gemeinden und Städten gebe es ausgewiesene und eingezäunte Hundeplätze argumentiert er und fragt: „Warum nicht auch in Bodenwerder?“ „Mal sehen, welche Steuer als Nächstes ohne Gegenleistung erdacht wird“. Er habe da einen Vorschlag: „Münchhausensteuer!“

Ob eine Münchhausensteuer diskutiert wird, fragen wir im Rathaus nicht nach, aber was es mit dem neuen Leinenzwang-Schild auf sich hat und wie der Freilauf geregelt ist, beantwortet uns Rouven Brennecke, der Sachgebietsleiter Sicherheit und Ordnung. Er verweist auf die „Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle“. Dort ist in Paragraf fünf geregelt, dass Hunde innerorts beziehungsweise „innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile“, wie es dort heißt, „auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen und in Anlagen nur angeleint ausgeführt werden“ dürfen. Es herrscht also Leinenzwang in Bodenwerder.

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Und „innerorts“ dazu gehöre für Brennecke auch das Weserufer – auf beiden Seiten. Auch wenn er zugibt, dass die Bebauung auf der östlichen Weserseite weitläufiger sei, gelte auch dort trotzdem der Leinenzwang. In der Vergangenheit sei das lockerer gesehen worden, meint Brennecke, aber es habe Probleme und Beschwerden gegeben. Daher seien die Schilder nun als Erinnerung an den bestehenden Leinenzwang aufgestellt worden.

Als „Probleme“ führt die Verwaltung an, dass sich Fußgänger und Radfahrer von einigen Hunden belästigt gefühlt hätten und auch die Hinterlassenschaften der Hunde würden stören. Nun mag man zu letzterem Punkt argumentieren, dass auch ein angeleinter Hund durchaus in der Lage ist, auf die grüne Wiese ein Häufchen zu setzen und ein Hundebesitzer am anderen Ende der Leine wohl ebenso wenig motiviert sein könnte, dieses zu beseitigen, wie bei einem nicht angeleinten Hund. Doch „den Versuch denke ich, sollte es Wert sein“, meint Brennecke.

Hunde dürften außerhalb bebauter Ortslagen wieder von der Leine gelassen werden. Das sei für Brennecke zum Beispiel wieder hinter der Natobrücke gegeben. Ausgenommen ist natürlich die Brut und Setzzeit vom 1. April bis zum 15. Juli, in der Hunde in der freien Landschaft allgemein an der Leine geführt werden müssen. Gäbe es hingegen eine von der Stadt speziell ausgewiesene Hundefreilauflauffläche, wie sie von unserem Leser angesprochen wurde, könnten Hunde dort das ganze Jahr über ohne Leine laufen. So ein Areal bietet Hunden und deren Besitzern einen Treffpunkt. Für eine Freilauffläche gebe es laut Brennecke seines Wissens nach aber keine Überlegungen in Bodenwerder.

Nun könnte man abschließend auch noch mit der Touristenfreundlichkeit Bodenwerders argumentieren. Die Stadt wirbt immerhin aktiv um Touristen und gerade die hiesige Urlaubsregion mit Campingplätzen und Wanderwegen bietet sich auch für Touristen mit Hund an. „Das ist eine grundsätzliche Frage der Abwägung“, antwortet Brennecke, „und es gibt unterschiedliche Ansichten bei den Menschen“. Manch einer möge Hunde, ein anderer wiederum nicht. Und Bodenwerder liege auch am Weserradweg. Als Fahrradfahrer wollte man nicht von einem Hund verfolgt werden.

Information

Hundesteuer in Bodenwerder

In Bodenwerder müssen die Hundebesitzer für ihren ersten Hund 60 Euro Hundesteuer im Jahr bezahlen, für den zweiten sind es 92 Euro und ab dem dritten Hund wird eine Hundesteuer von 120 Euro fällig.

Hier gibt‘s Hundekotbeutel

In folgenden Standorten sind Kotbeutelspender zu finden:

  • Am Sportplatz in Kemnade
  • Am Mühlentor (Doppeltreppe)
  • An der Ringmauer (öffentliche Toiletten)
  • An der Zufahrt zum Festplatz am Ostufer
  • An der Zufahrt zum Ruderhaus am Ostufer
  • Unterhalb der Sahlfeldstraße am Weserradweg
  • In Rühle am Weserradweg
Mein Standpunkt
Maike Lina Schaper
Von Maike Lina Schaper

Ja, ich bin selbst Hundehalter und kann deswegen unseren Leser sehr gut verstehen. Ein Leben ohne anständigen Auslauf ist kein richtiges Hundeleben. Meiner Ansicht nach macht es aber auch jeder Hundehalter den übrigen schwer, der die Hinterlassenschaften seines Fifis liegen lässt. Das ruft Leute auf den Plan, die nach Leinenzwang rufen oder noch schlimmer – vielleicht sogar Giftköder auslegen. Der Kot gehört in die Tüte! Basta. Und (erzogene!) Hunde sollten frei laufen können. Gerade in Bodenwerder bietet sich das an. Die Stadt sollte da auch an die Touristen denken. Wo mein Hund nicht willkommen ist, dahin fahre ich nicht in den Urlaub. Ebenfalls basta.

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