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Zukunft des Betriebs bleibt unsicher

Hotelzug hängt in der Luft

Bodenwerder. Bodenwerders Draisinenbetreiber Oliver Victor hängt mit seinem Betrieb auch weiterhin wegen der Forderungen des Finanzamtes Holzminden finanziell in der Luft, weiß nicht, wie es weitergehen soll mit seinem Freizeit- und Hotelbetrieb in der Münchhausenstadt.

veröffentlicht am 28.04.2016 um 10:50 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:26 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Bodenwerders Draisinenbetreiber Oliver Victor hängt mit seinem Betrieb auch weiterhin wegen der Forderungen des Finanzamtes Holzminden finanziell in der Luft, weiß nicht, wie es weitergehen soll mit seinem Freizeit- und Hotelbetrieb in der Münchhausenstadt. Soviel aber steht für den Unternehmer jetzt zu Beginn der Tourismus-Saison an der Weser fest: Auf Buchungswunsch wird er auch weiterhin wie gewohnt Draisinenfahrten auf der Strecke Buchhagen – Diemissen anbieten und dafür bei entsprechender Nachfrage auch wieder Saisonkräfte einstellen. Sein Lieblingsprojekt indes, der bunte Hotelzug, der auf Bodenwerders alter Eisenbahnbrücke neben dem Lügenbaron ein weiteres Wahrzeichen für die Stadt werden sollte, wird erst einmal auf Eis gelegt und im Depot im alten Zementwerk in Dielmissen bleiben.

Wie berichtet, hatte Victor, der neben Bodenwerder auch noch im schleswig-holsteinschen Schmielau die „Erlebnisbahn Ratzeburg“ mit ähnlichem Konzept betreibt, am 23. Dezember vorigen Jahres für seine Unternehmen die Notbremse ziehen müssen. Der Grund: Das Finanzamt Holzminden forderte von ihm nach einer Steuerprüfung für die Unternehmen in Bodenwerder und Schmielau für den Zeitraum 2011 bis 2013 eine Umsatzsteuer-Nachzahlung in Höhe von 180 000 Euro. Und das, weil „nachträglich für die Jahre 2009 bis 2012 die Steuern erhöht wurden, für die früher auch über mehrere Steuerprüfungen hinweg Konsens bestanden hatte, dass ein niedrigerer Steuersatz der rechtmäßig gültige sei“, wie Victor versichert. Dem Bodenwerderaner Daisinenbetreiber und Hotelzug-Visionär war klar, dass er bei diesem Betrag unternehmerisch die Reißleine ziehen musste: Während Voranmeldungen für Draisinenfahrten für 2016 erst mal weiter angenommen wurden (Victor: „Man kommt auch nicht zu Geld, wenn man nur dasitzt und abwartet“), wurden Hotelzug-Buchungen storniert. In Schmielau wurde ein Großteil der Mitarbeiter entlassen – in Bodenwerder alle. Investitionen in das Hotelzug-Projekt, die über Kredite für dieses Jahr geplant waren, wurden sofort gestoppt.

Victor berichtet, dass am Hotelzug, der eigentlich mit den ersten Schlaf-Waggons in dieser Tourismus-Saison wieder auf der Weserbrücke stehen sollte, nicht weitergebaut wird. Von einem Mitarbeiter, der aus Schmielau kommt, werde lediglich die Strecke zwischen Weserbrücke und Dielmissen instand und funktionsfähig gehalten. „Und wir harren der Dinge, die da kommen werden“, so der Eigner der alten VEV-Trasse Lenne aufwärts.

Oliver Victor hat gleich nach Bekanntwerden seiner Nachzahlungsaufforderung an den Bundespetitionsausschuss gewand – in der Hoffnung, dass dieser für Steuergerechtigkeit in seinem Fall sorgt. Auch die Petitionsausschüsse der Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen beschäftigen sich mittlerweile mit seinem Fall. Eine Antwort hat er bis heute nicht bekommen. Bei einem Gespräch, das er im Finazamt Holzminden geführt hat, habe ihm die Vorsteherin zwar signalisiert, dass man keinesfalls den Tourismus in Bodenwerder oder einen dort bestehenden Betrieb schädigen wolle; ein Steuererlass aber sei nicht möglich. Man möchte aber bei den Zinsen über einen Erlass nachdenken. Victor: „Dann hätte ich nach wie vor etwa 110 000 Euro, die nach meinem Empfinden ungerechtfertigt an Steuer zu zahlen sind. Das würde vielleicht den Draisinenbetrieb erst mal retten, den Hotelzug aber trotzdem nicht.“

Für die Draisinen in Bodenwerder, so Oliver Victor, sei jedoch das Geschäft ohnehin nur sehr schleppend angelaufen: Während in anderen Jahren die ersten Buchungen traditionell für den 1. Mai und Himmelfahrt vorlagen, stünden in diesem Jahr die ersten Fahrten erst für den 7., 13. und 14. Mai an. Doch angesichts der derzeitigen Geschäfts- und Personalsituation in Bodenwerder (da heißt es derzeit: „Hier betreut Sie der Chef“) „bin ich derzeit sogar froh, dass da nicht so der Ansturm ist“, so Victor.



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