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Jule Vollmer und Elmar Dissinger im Duett

Hmm: Hammelhoden auf Limettensoße

Bodenwerder. Die Akteure: Missgünstige Nachbarn, betrogene Ehemänner, kühl kalkulierende Gattinnen. Ihre Waffen: lange Messer, Worte, Schweigen. Kurzgeschichten rund um das variantenreiche Thema der kriminellen Energien, makabre Überraschungen und Begegnungen mit vielfältig tödlichem Ausgang prägten die Lesung von Jule Vollmer. Im Duett mit dem Jazzpianisten und Komponisten Elmar Dissinger eröffnete die Sprecherin und Autorin unter dem Motto „Ohne Krimi geht die Mimi…“ tiefe Einblicke in die „dunkle Phantasie“ des Menschen. „Ich hoffe, Sie holen sich hier keine Anregungen“, stellte die charismatische Erzählerin ihren Beiträgen gleichermaßen warnend wie augenzwinkernd voran. Auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Ilona Glenewinkel und Bücherei-Leiterin Elke Perdacher boten die aus dem nordrhein-westfälischen Witten angereisten Künstler im Rahmen der noch bis zum 10. April laufenden Frauenaktionswochen ein Abendprogramm, das wahrlich mehr Beachtung verdient gehabt hätte. Gerade einmal zwei Dutzend Krimi-Freundinnen hatten sich im „Deutschen Haus“ eingefunden. Und so konnte Elke Perdacher ihre Enttäuschung nicht verhehlen: „Da wird immer geklagt: In Bodenwerder sei nichts los. Und wenn etwas stattfindet, bleiben so viele Stühle leer.“ Der weite Bogen der Kriminalfälle spannte sich vom „ersten Regelverstoß der Menschheitsgeschichte“ – der Sache mit dem Apfel und der Vertreibung aus dem Paradies – über die anrührende Geschichte einer Dame, die zunächst ihren unheilbar erkrankten Mann „erlöst“ und später frohen Herzens als Mörderin verurteilt wird.

veröffentlicht am 05.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:21 Uhr

Großer Auftritt vor kleinem Publikum: Mit ihrem Programm „

Autor:

Sabine Weiße
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„Ich habe ein reines Gewissen. Einen Platz im Pflegeheim kann ich mir nicht leisten – und im Gefängnis wird es mir an nichts fehlen.“ Hübsch anzuhören war auch der „gut gemeinte Betrug“ eines Kochs aus Bochum-Wattenscheid, der seinen einzigen Prachtkarpfen „Balik“ immer und immer wieder als kosmopolitische „Zungensymphonie Hamho in Limso“ serviert – und ihn nach Feierabend stets ins mit Frischwasser gefüllte Bassin setzt. Statt „Balik“ richtete er Hammelhoden auf Limettensoße an. „Schmeckt mehr nach Fisch als Fisch.“

Mit humorvoller Leichtigkeit griff das Duo Mord & Totschlag auch musikalisch auf. Auf das Chanson „Mir tut nichts leid“ folgte der „Krimi-Blues“. Für jeden Tag der Woche hat Jule Vollmer einen Vierzeiler mit „tödlichem Ausgang“ ersonnen („Der Sonntag ist der Tod des Herrn, da morden Frauen nicht so gern.“). Zu hören war Spannendes, Raffiniertes, Skurriles und garantiert Tödliches von Collier, Heine, Hitchcock sowie eigene satirische Texte rund um Betrug, Eifersucht und Rache – die nicht nur süß, sondern auch fleischig-würzig sein kann, wenn sie zwischen zwei Sandwich-Toasts steckt. Wer also Sinn für skurrile Geschichten und tiefschwarzen Humor hat, erlebte einen Abend bester Unterhaltung.

Großer Auftritt vor kleinem Publikum: Mit ihrem Programm „Ohne Krimi geht die Mimi“ begeisterten die Erzählerin Jule Vollmer und der Jazzpianist Elmar Dissinger. Foto: saw

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