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Gerade zur Weihnachtszeit begegnen uns Engel überall – auch in der Klosterkirche Kemnade

Himmlische Heerscharen

Bodenwerder. „Du bist wirklich ein Engel“, „Sie sang wie ein Engel“, „Dafür brauchst du eine Engelsgeduld“ – in unserer Umgangssprache wird das Wort „Engel“ häufig gebraucht. Und jedes Jahr zur Weihnachtszeit begegnen uns Engel überall: auf Servietten und Karten, in Geschäften und Schaufenstern, auf Weihnachtsmärkten und in Krippenspielen – Engel in allen Variationen, dicke und dünne, große und kleine, witzige und würdevolle, in langen Gewändern oder kurzen Hemdchen, sitzend, stehend, fliegend, mit Körper oder nur als Kopf und aus vielen verschiedenen Materialien. Am bekanntesten und weit verbreitet sind wohl die kleinen Holzengel aus dem Erzgebirge, die mit den verschiedenen Musikinstrumenten versehen oft Teile von Pyramiden und Schwibbögen sind und sich zu einem Orchester zusammenstellen lassen. Engel und Musik gehören zusammen. Auch in der Kunst auf den meisten Darstellungen der Geburt Jesu finden sich singende Engel oder solche mit Instrumenten. Sie tragen Spruchbänder mit Noten oder Texten. Engel gehören zur Weihnachtszeit dazu, sie sind einfach nicht wegzudenken.

veröffentlicht am 24.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 08:41 Uhr

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Autor:

Karin Beißner
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Ihren Ursprung haben sie in der Bibel, wo in vielen Versen Engel vorkommen. Der Erzengel Michael führt die himmlischen Heere an und Gabriel ist der Botschafter Gottes. Er verkündete Maria, dass sie den Menschensohn gebären werde. Und natürlich waren auch bei der Geburt Jesu Engel dabei. So heißt es doch im zweiten Kapitel des Evangeliums nach Lukas: „Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ Die Engel erkannten sofort das Wunder, das in Bethlehem geschehen war, verkündeten es, beteten das Kind an und erhoben ihre Stimmen zum Lobgesang. Deshalb gibt es auch heute kaum eine Krippendarstellung ohne Engel. Aber was sind Engel? In der Vorstellung sind sie seit Menschengedenken körperlos, leicht wie ein Windhauch, von Gott geschaffen und vermitteln Gottes Willen. Das Wort Engel stammt aus dem Griechischen – „angelos“ bedeutet „Bote“ oder „Verkünder“. Die Darstellung der Engel hat schon eine lange Tradition. Da aber noch nie jemand einen Engel gesehen hat, ist es der Fantasie des Menschen überlassen, wie er aussieht. Und die Künstler der vergangenen Jahrhunderte haben ihrer Fantasie bei den Krippendarstellungen auf Gemälden und Altären freien Lauf gelassen. Dort gibt es Engel als Jünglinge in langen Gewändern, Kinderengel in kurzen Kleidchen und Putten, das sind nackte Baby-Engel. Diese haben Pausbacken, rundliche Ärmchen und Beinchen mit Speckfalten. Engel als himmlische Wesen haben Flügel. Meistens sind diese einfach weiß, können aber auch in vielen Farben schillern. Erwachsene Engel wirken in ihren Verhaltensweisen würdevoll und ernst, Kinderengel sind diensteifrig und ehrfurchtsvoll, Putten keck und verspielt. Schon in den frühen christlichen Jahrhunderten finden sich Engeldarstellungen in der bildenden Kunst. In Geburtsszenen jedoch sind sie erst in Bildern des 13. Jahrhunderts häufiger zu sehen. Die himmlischen Helfer sind Geburtsbegleiter und machen sich mit unermüdlichem Eifer an Marias Wochenbett nützlich. Engel loben Gott und schwenken Weihrauch. Im 14. Jahrhundert halten auch musizierende Engel Einzug ins Krippengeschehen, singend halten sie oft Spruchbänder mit „Gloria in excelsis Deo“ oder sie spielen Instrumente wie Laute, Harfe, Trompete, Violine oder Schalmei. Singende Engel werden oft zu dritt dargestellt als Verkörperung der Trinität, der Dreifaltigkeit. Während sich auf vielen Darstellungen des frühen 15. Jahrhunderts der Figurentyp des lieblichen Engels in Kindergestalt findet, stellen die Künstler der Neuzeit eher erwachsene Engelsfiguren mit bauschigen Gewändern dar.

Im Altarbild der Klosterkirche in Kemnade, das im 15. Jahrhundert geschaffen wurde, sind verschiedene Engel in verschiedenen Szenen zu sehen. Gabriel verkündet Maria, dass sie den Gottessohn empfangen wird, während drei kleinere Engel auf die Szene herabsehen. Fünf Gesichter, umrahmt von lockigen blonden Haaren, lugen dicht gedrängt gleich nebenan hinter dem Strohdach der Krippe hervor und betrachten das Geschehen, während nur ein einzelner Engel mit Spruchband den Hirten auf dem Felde die Geburt des Herrn verkündet. In den Weihnachtsspielen werden diese Szenen am Heiligen Abend in den Kirchen mit Liebe und Hingabe nachgespielt. Für viele Kinder gibt es nichts Schöneres, als dabei einen Engel im langen weißen Gewand darzustellen – und mit dem Lied „Vom Himmel hoch da komm ich her“ beginnt dann Weihnachten.

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