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Landkreis Holzminden bereitet sich auf die Rückkehr des Raubtieres vor

Hat ein Wolf das Schaf gerissen?

Kreis Holzminden. Der Wolf ist in Niedersachsen auf dem Vormarsch. Zwischenzeitlich leben in unserem Bundesland zwischen 60 und 70 Tiere, die sich auf mehrere Rudel und Einzelgänger verteilen. Wenngleich sich das Hauptverbreitungsgebiet der niedersächsischen Wölfe aktuell auf die Heidekreise des Landes beschränkt, ist davon auszugehen, dass in absehbarer Zeit auch das Weserbergland von den Tieren besiedelt wird.

veröffentlicht am 14.07.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 21.12.2016 um 10:15 Uhr

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Autor:

Marie-Luise Niegel

Der Landkreis Holzminden bereitet sich auf diese mögliche Entwicklung so gut wie möglich vor, zumal die großen zusammenhängenden Waldgebiete rund um den Solling potenziell einen geeigneten Lebensraum für ein Wolfsrudel darstellen.

Obwohl Wölfe sich im Wesentlichen von Wildtieren ernähren, kommt es doch hin und wieder zu Nutztierrissen und dadurch zu Konflikten mit Tierhaltern. Hier gilt es, einen größtmöglichen vorbeugenden Schutz für die Weidetiere zu organisieren. Um diesen zu erreichen, hat die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises im Verlauf des Frühjahres bereits zwei Veranstaltungen mit Schaf- und Rinderhaltern organisiert, bei denen Fachreferenten über den richtigen Bau von Schutzzäunen und Elektronetzen sowie über die Haltungsbedingungen für sogenannte Herdschutzhunde berichtet haben.

„Schaf- und Rinderhalter sind schließlich die wichtigsten Akteure, wenn es darum geht, unsere vielfältige Kulturlandschaft zu erhalten und zu pflegen“, so Michael Buschmann, Fachgruppenleiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Holzminden. Der Konflikt zwischen dem Schutz des Wolfes auf der einen Seite und der Kulturlandschaftspflege durch Weidetiere auf der anderen Seite solle durch die von der Naturschutzbehörde angeregten vorbeugenden Maßnahmen im Landkreis Holzminden erst gar nicht entstehen, so Buschmann.

Die Untere Naturschutzbehörde ist darüber hinaus dabei, einen kreisweiten Informationsdienst für Schaf- und Rinderhalter einzurichten. „Sobald der Verdacht besteht, dass sich ein Wolf in einer Region des Landkreises aufhält, werden die Tierhalter davon in Kenntnis gesetzt“, berichtet Michael Buschmann. Für Notfälle liegen außerdem Elektronetze bereit, die von der Naturschutzverwaltung für eine befristete Zeit kostenlos an Tierhalter verliehen werden.

Ein erster Verdachtsfall in Form eines gerissenen Schafes, welches in der zurückliegenden Woche bei Meinbrexen aufgefunden wurde, konnte bislang von der Fachbehörde für Naturschutz in Hannover nicht als Wolfsriss bestätigt werden. Gegenüber der Naturschutzverwaltung teilte die Fachbehörde in diesen Tagen mit, es gebe zwar Indizien dafür, dass das Tier von einem Wolf gerissen wurde, diese lassen sich jedoch nicht anhand von DNA-Proben verdichten, weil das Tier aufgrund der Hitze bereits zu stark der Verwesung ausgesetzt war. Der betroffene Tierhalter, die Verwaltung und die Wolfberater des Landkreises werden von der Fachbehörde über das Ergebnis informiert.

Um die durch den Wolf verursachten Konflikte zu mindern und um bei der Bevölkerung die Akzeptanz für diese zurückkehrende Tierart zu fördern, hat das Niedersächsische Umweltministerium die „Richtlinie Wolf“ erlassen. Diese regelt unter anderem die finanzielle Unterstützung von Präventionsmaßnahmen und die finanzielle Förderung in den Fällen, in denen Tierhalter durch Wolf-Übergriffe geschädigt werden. Für Beratung und Informationen zum Thema Wolf stehen neben der Unteren Naturschutzbehörde (05531-707-177) die für den Landkreis zuständige Wolfsberaterin Bärbel Pott-Dörfer (0170-9488161) sowie das Wolfsbüro bei der Fachbehörde für Naturschutz in Hannover (0511-3034-3034) zur Verfügung.



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