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Experten erklären Arbeiten

Hang neben der B 83: Erste Sicherungen sind gesetzt

BODENWERDER. An der Baustelle bei Steinmühle an der gesperrten Bundesstraße 83 tut sich etwas. Beim Blick nach oben sind bereits an einigen Felsen Netzsicherungen zu sehen und ein Fangzaun für loses Gestein oberhalb des dort gelegenen Cafés wurde ebenfalls errichtet.

veröffentlicht am 17.05.2019 um 16:15 Uhr
aktualisiert am 17.05.2019 um 18:18 Uhr

Speziell ausgebildete Höhenarbeiter bringen ein Sicherungsnetz am Hang an. Foto: ms
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Herunterfallende Steine sind genau das Problem, weshalb die Bundesstraße gesperrt werden musste und es auch noch länger bleiben wird. Bevor der Verkehr wieder fließen kann, muss der Hang erst gesichert sein. Im Rahmen der rechtlichen Vorgaben werde alles getan, mit dem Ziel, „dass Sie baldmöglichst Ihre gewohnte Strecke wieder fahren können“, sagte Markus Brockmann, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln. Dabei sprach er direkt seine Zuhörer in der Aula der Oberschule Bodenwerder an. Bei einer Informationsveranstaltung am Donnerstagabend haben Brockmann und einige Experten über den Stand der Hangsicherungsarbeiten gesprochen.

Das Interesse an der Veranstaltung war zwar groß, aber nicht zu vergleichen mit dem Zulauf zu der Informationsveranstaltung Anfang Dezember vergangenen Jahres in Polle. Dort mussten einige Besucher das Geschehen bei frostigen Temperaturen von draußen durch die geöffneten Fenster verfolgen, weil kein Platz mehr frei war.

Wichtigste Frage für die Besucher war, wann die Straße wieder geöffnet sein wird. Es werde daran gearbeitet, und wenn es Beschleunigungsmöglichkeiten gebe, würden diese genutzt, versicherte Brockmann. Er nannte aber kein konkretes Datum. Einen Anhaltspunkt gibt die von ihm erwähnte Zahl: 460. So viele Werktage werde die geplante Bauzeit betragen, die für die dauerhafte Hangsicherung erforderlich ist. Das ist der nächste Abschnitt, der nun kommen wird. Bisher wurden die sogenannten Sofortmaßnahmen umgesetzt. Dazu gehört beispielsweise die Sammlung von Gesteinsproben, die Beseitigung von lockerem Gestein, der Gehölzschnitt sowie die Sicherung besonders gefährlicher Stellen am Hang mit Netzen und Fangzäunen.

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Am Hang können sich aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit jederzeit Steine lösen. An einigen Stellen sind Felspartien, die nicht sinnvoll gesichert werden konnten, bereits von Spezialisten abgelöst worden. Foto: ms

Bevor die dauerhafte Hangsicherung beginnen kann, steht das Planfeststellungsverfahren an. Mit diesem Verwaltungsverfahren wird die Zulässigkeit eines Bauvorhabens geprüft. Bei großen Projekten spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle, die Spannungen auslösen können. Für deren Ermittlung und Abwägung braucht es das formalisierte Verfahren. Der Plan über das Bauvorhaben wird öffentlich ausgelegt, damit sich jeder informieren kann und die Chance hat, Einwände einzureichen. Sollte es Gegenwind von einer Seite geben, könnte sich die Hangsicherung womöglich weiter in die Länge ziehen. Damit das nicht passiert, sei bereits viel Arbeit in die Vorbereitung des Verfahrens gesteckt worden, versichert Brockmann. Der Antrag auf Planfeststellung liegt seit dem 8. Mai bei der Kreisverwaltung in Holzminden. „Für uns ist das Planfeststellungsverfahren jetzt die spannende und die wichtige Sache“, sagt Brockmann. Dass er fachkundige Firmen für die weiteren Spezialarbeiten findet, daran hat der Behördenchef keine Zweifel.

Im Schatten der Sicherungsmaßnahmen soll auch die Gelegenheit genutzt werden, die B 83 zwischen Bodenwerder und Brevörde im Jahr 2020 zu sanieren. Im Bereich von Steinmühle soll dies nach Abschluss der Bauarbeiten geschehen.

Landschaftsarchitekt Johannes Stegemann vom Büro Aland Landschafts- und Umweltplanung machte in der Veranstaltung noch mal klar, dass der Hang bei Steinmühle ein besonderer Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist. „Dieser Standort ist für Niedersachsen einzigartig“, sagt Stegemann. Mit seinen offenen Strukturen biete der Hang viel Potenzial zur Besiedlung. Dort fühlen sich beispielsweise Graslilien wohl, auch der Uhu brütet in dem Gebiet.

Ingenieur Torsten Söhle vom Büro für Geotechnik Witt & Partner informierte über die geologische Seite und verdeutliche den Zuhörern anhand von Fotos und Beschreibungen, wie brüchig die Felsformationen bei Steinmühle sind. Teilweise ließen sich diese bereits mit einem Brecheisen ablösen.

Die nun angebrachten Sicherungen müssten auch zwischendurch gewartet werden, und beispielsweise Steine aus den Fangzäunen entfernt werden. Darauf weist Söhle auf eine entsprechende Frage der Zuhörer hin. Generell hätten Netzsicherungen eine Lebensdauer von 75 Jahren.

Aus dem Zuhörerraum meldete sich unter anderem Angela Bürger zu Wort. Die Tankstellenpächterin aus Polle hatte bereits die von Brockmann angebotene Möglichkeit genutzt, sich die Baustelle vor Ort anzuschauen. „Seither, muss ich wirklich sagen, habe ich ein bisschen mehr Verständnis für die Maßnahme“, betonte die Unternehmerin.



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