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Geschäfte schließen in Bodenwerder / Gerüchte machen allen Geschäftsleuten das Leben schwer

„Habe alles versucht, aber es geht nicht mehr“

Bodenwerder. „Hier schließt ja bald alles“, hört man derzeit in Bodenwerder von allen Seiten – eine Gerüchteküche, die der Geschäftswelt sehr zusetzt. Zwar haben in den letzten Wochen zwei Geschäfte ihre Türen geschlossen – „aber deswegen ist doch nicht gleich die ganze Stadt geschlossen“, ärgert sich beispielsweise Burgunde Thorn, Inhaberin des Geschäftes „Steine und Mehr“ in der Fußgängerzone über die negativen Äußerungen vieler Menschen. „Wenn wir nicht positiv denken, könnten wir alle gleich schließen“, so die Geschäftsfrau, die seit viereinhalb Jahren ihre Filiale in Bodenwerder betreibt.

veröffentlicht am 11.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 20:41 Uhr

Die menschenleere Fußgängerzone lässt auch den Baron von Münchha

Autor:

Edda Dreyer
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In direkter Nachbarschaft des „Steineladens“ ist kurz vor Weihnachten das Geschäft „Wald & Wiese“ ausgezogen. Stefan Schuck, Besitzer der Immobilie in der Großen Straße 55, spricht von Mietrückständen und einer fristlosen Kündigung sowie einem Räumungsurteil. Die Gegenseite war für eine Stellungnahme von dieser Zeitung nicht zu erreichen. Überregional wirbt er für das 30 Quadratmeter große Geschäft in der Münchhausenstadt. „Zu wirklich humanen Mietpreisen, wie sie schon 1996 genommen wurden“, so Stefan Schuck. Fast nie hat dieser Raum leergestanden, erzählt der 63-Jährige, dessen Eltern bis 1974 ihr Friseurgeschäft in diesem Haus hatten, danach war es lange eine Quelle-Agentur.

„Die allgemeine wirtschaftliche Lage und die Hagen-Baustelle hat uns gezwungen, unsere Filiale aufzugeben“, erläutert Karl-Heinz Biker. Knapp zehn Jahre war er mit seinem Blumengeschäft in der Großen Straße in Bodenwerder ansässig. Er spricht von Umsatzeinbußen bis zu 70 Prozent in den Monaten September bis Dezember aufgrund der Baumaßnahmen Im Hagen. „Und Kunden, die erst einmal weg sind, kommen nicht so schnell wieder“, so seine Erfahrung. Vor Jahren hatte er das gleiche Problem schon in Elbrinxen, wo die Familie Biker seit 1951 eine Gärtnerei betreibt. „Diesen Umsatzeinbruch jetzt konnte ich nicht mehr verkraften“, so Biker.

Eine Aushilfe und eine Teilzeitkraft haben durch die Schließung ihren Arbeitsplatz verloren. Nachbar im Gebäude in der Großen Straße 25 ist Michael Schumacher mit seinem Zoo Center. Das Gebäude gehört Vater Arnold Schumacher. „Ein Blumengeschäft hier wieder einzurichten halte ich trotzdem für sinnvoll“, ist Michael Schumacher überzeugt und hat regionale Gärtnereien angesprochen und wirbt auch überregional. Ihm ist wichtig, dass das Sortiment des neuen Mieters das Angebot in der Innenstadt bereichert.

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Michael Schumacher hofft, dass es hier bald wieder Blumen gibt.

Seit Ende letzten Jahres ist auch das Restaurant/Bistro Mediterran geschlossen. Karl-Heinz Bülter, Besitzer der Immobilie in der Großen Straße 46, wirbt bereits seit einigen Wochen für das komplett eingerichtete Restaurant mit Wohnung im Obergeschoss. Ihm liegt sehr viel daran, dass diese Räume wieder mit Leben gefüllt werden, und er hätte gerne eine Lokalität für „etwas gehobene Ansprüche“. Die Mieten sieht der Objektbesitzer nicht als Problem: „Kleinere Mieten sind besser als keine!“

„Im Laufe des Jahres“ wird Arthur Knabe sein Fahrradgeschäft in der Homburgstraße schließen. Vor einigen Monaten hat er noch auf das 80-jährige Bestehen des Geschäftes in der Münchhausenstadt zurückgeblickt. Gefragt nach dem Grund der baldigen Geschäftsaufgabe, betont der 71-Jährige, dass sein Alter nur ein Grund sei – weitere Gründe wollte er allerdings nicht angeben. Das sieht bei Hartmut Mollenhauer, Inhaber des Geschäftes „Luftikus“ und Video-Station, anders aus. „Ich habe alles versucht, bin in die beste Lage in die Fußgängerzone gezogen, habe mittags durchgehend geöffnet gehabt, und trotzdem geht es nicht mehr“, so Mollenhauer. Seit 1982 betreibt er sein Geschäft in Bodenwerder, 28 Jahre am Mühlentor, danach in den Rathsack-Räumen und seit November 2008 in der Fußgängerzone – Ende Januar schließen sich die Türen. Auch für ihn ist die Miete nicht das Problem, sondern das „Shoppen im Internet“ der vor allem jungen Generation.

Dass der Januar ein „schlechter Monat“ ist, da die Rechnungen der Versicherungen anstehen, ist von fast allen Geschäftsleuten zu hören. „In den letzten Jahren ist der Umsatz zurückgegangen“, so Dagmar Hofmann, Inhaberin vom Schuhhaus Meyer. Seit 1981 ist das Geschäft in Bodenwerder ansässig. Dagmar Hofmann hat im Laufe der Jahre ihr „Sortiment den Gegebenheiten angepasst“, das bedeutet, sich mehr auf die etwas ältere Generation spezialisiert. Um Kosten zu senken, hat sie Personalstunden reduziert und im Winter die Mittagsschließzeiten ausgeweitet. „Es sind meine Räume“, weist die Geschäftsfrau auf einen ganz wichtigen Aspekt hin. Sie, wie auch Karl-Gottfried von Brill (Eisenwarenfachgeschäft), ist der Meinung, dass die „Geschäfte auf der grünen Wiese“ der Innenstadt das Leben schwermachen. Auch von Brill ist seit knapp zwei Jahren mit Ehefrau Bärbel alleine im Geschäft und hat dadurch Personalkosten reduziert. „Wir richten unsere Angebote immer wieder nach den Bedürfnissen der Kunden aus“, so der Geschäftsmann, gibt aber zu, dass das auch nach 26 Jahren mit viel Aufwand verbunden ist.

Monika Meyer, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Bodenwerder, spricht von veränderter Einkaufskultur. Kunden bestellen per Internet oder wollen direkt vor die Tür fahren. Sie hat im November einen Antrag an die Stadt gestellt, die Befahrbarkeit der Fußgängerzone zu verlängern. Dieser Antrag sei durch den Verwaltungsausschuss abgelehnt worden, wurde der Vorsitzenden mitgeteilt: Bis 10 Uhr Befahrbarkeit würde völlig ausreichen, außerdem hätte die Polizei Sicherheitsbedenken.



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