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„Großes Interesse in Richtung Hameln“

Von Sabine Weiße

Buchhagen. Fakten sammeln, Fakten sammeln, Fakten sammeln. Dem Eindruck, dass beim derzeit allgegenwärtigen Thema „Kreisfusion“ bereits irgendetwas entschieden sei, es gar eine Präferenz in Richtung Northeim gäbe, traten beim Grünkohlessen des CDU-Samtgemeindeverbandes Bodenwerder-Polle in Buchhagen sowohl Innenminister Uwe Schünemann als auch der stellvertretende Landrat Eberhard Asche mit der fast schon gebetsmühlenartig vorgetragenen Formel „zunächst Fakten sammeln“ entgegen. „Wer etwas anderes erzählt, führt die Bürgerschaft bewusst in die Irre“, sagte Eberhard Asche.

veröffentlicht am 01.03.2010 um 14:26 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:21 Uhr

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Von Sabine Weiße

Buchhagen. Fakten sammeln, Fakten sammeln, Fakten sammeln. Dem Eindruck, dass beim derzeit allgegenwärtigen Thema „Kreisfusion“ bereits irgendetwas entschieden sei, es gar eine Präferenz in Richtung Northeim gäbe, traten beim Grünkohlessen des CDU-Samtgemeindeverbandes Bodenwerder-Polle in Buchhagen sowohl Innenminister Uwe Schünemann als auch der stellvertretende Landrat Eberhard Asche mit der fast schon gebetsmühlenartig vorgetragenen Formel „zunächst Fakten sammeln“ entgegen. „Wer etwas anderes erzählt, führt die Bürgerschaft bewusst in die Irre“, sagte Eberhard Asche.
 Erfrischend redegewandt verwies Asche vor gut 80 Parteifreunden auf „die Möglichkeit einer Fusion“ und auf „lupenreine Beschlüsse des Kreistages“, nach denen in einem Gutachten „zweigleisig und völlig ergebnisoffen“ geprüft werden solle, welche Zukunftsmöglichkeiten eine Fusion zwischen den Kreisen Holzminden und Northeim einerseits sowie Holzminden und Hameln-Pyrmont andererseits eröffnen würde. Der Fragenkatalog werde unter Beteiligung der Politik erarbeitet, „wir sammeln erst einmal Fakten“.
 „Schön, dass ich in der Vorzeige-Samtgemeinde des Landes Niedersachsen bin“, schmeichelte Innenminister Uwe Schünemann einleitend und schickte in punkto „Kreisfusion“ in sonorer Tonlage die Formel „Erst einmal müssen Fakten auf den Tisch“ in den Saal.
 Gebot der Stunde sei es darüber nachzudenken, „wie wir unsere Stärken im Kreis erhalten, aber trotzdem über den Tellerrand schauen“. Als Fusionspartner anbieten müssten sich die Holzmindener keinesfalls: „Welcher Landkreis kann schon so eine wirtschaftliche Stärke vorweisen?“ Diese selbstbewusste Einschätzung löste bei einigen Christdemokraten vernehmbares Erstaunen bis Stirnrunzeln aus – zumal wenige Minuten zuvor Eberhard Asche auf die angesichts eines 35-Millionen-Euro-Defizits „mehr als katastrophale Finanzlage“ des Kreises Holzminden verwiesen hatte.
 Dem Vernehmen nach soll Innenminister Uwe Schünemann wenig erfreut darüber gewesen sein, dass mehrere CDU-Politiker der Samtgemeinde Bodenwerder-Polle wie auch Mandatsträger der anderen Parteien öffentlich ihre „Vorliebe“ für den Landkreis Hameln-Pyrmont als Fusionspartner bekannt haben. Der in der Begrüßungsrede vorgetragene Appell des Verbandsvorsitzenden Armin W. Engeler, „in kommunalpolitisch schwieriger Zeit neben den sachlichen Argumenten auch die Emotionen zu berücksichtigen“ und „dichter an den Menschen zu sein“, mag mancher als rhetorisch feine Replik auf die hinter den Kulissen in Richtung Nordkreis ausgesprochene Minister-Rüge gedeutet haben.
 Das Grünkohlessen – umrahmt von volkstümlichen Klängen der Feuerwehrmusikzüge aus Heyen und Hehlen – nutzte Friedrich-Wilhelm Schmidt als Kandidat für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters als Forum für seine „Antrittsrede“.
 Gewohnt sachlich, abwägend, ruhig, am Kompromiss orientiert, so präsentierte sich der seit Jahrzehnten kommunalpolitisch aktive Rühler. Er streifte die Themen „demografischer Wandel“ („Wir brauchen hier junge Menschen“), Bildung („Schulstandort Bodenwerder stärken“) und Jugendarbeit („das Jugendzentrum in jedem Fall erhalten“) sowie „Senioren“ und kündigte an, ein „Zukunftskonzept mit den Wehren“ erarbeiten zu wollen. Beim Thema „Drehleiter“ deutete er „finanzierbare Lösungsansätze“ an. Naturschutz? Ja – aber unter Einbindung der Landwirtschaft („kein blinder Aktionismus“). Sein Statement zum Thema „Kreisfusion“: „Ich bin für ergebnisoffene Untersuchungen in Richtung Northeim und in Richtung Hameln-Pyrmont. Aus Sicht der Region Bodenwerder herrscht großes Interesse an einer Ausrichtung nach Hameln.“

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