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Fehlende Frequenz in der Innenstadt

Geschäfte verkürzen Öffnungszeiten

BODENWERDER. Die Innenstadt bietet von Zeit zu Zeit ein tristes Bild: Geschäfte schließen, Passanten bleiben weg. Zu mancher Stunde wähnt man mehr Menschen in den Läden hinter den Verkaufstresen als potenzielle Kunden auf der Straße. Nun sind in manch einer Schaufensterscheibe Zettel mit dem Hinweis auf verminderte Öffnungszeiten zu lesen. Wir haben nach den Gründen gefragt.

veröffentlicht am 12.01.2018 um 16:59 Uhr
aktualisiert am 12.01.2018 um 18:40 Uhr

An der Münchhausenstaße haben das Café Cannelle und die Fleischerei Sporleder ihre Öffnungszeiten reduziert. Foto: ms
Maike Lina Schaper

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Maike Lina Schaper Reporterin zur Autorenseite
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Die Fleischerei Sporleder hat ihre Öffnungszeiten seit Dezember eingeschränkt. Von den Verkaufstagen von dienstags bis samstags ist nur noch der Donnerstag geblieben. Die Fleischerei in der Innenstadt öffnet also noch einen Tag in der Woche – donnerstags ist von 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr geöffnet sowie von 14.30 Uhr bis 18 Uhr. „Der Zulauf in Bodenwerder ist weniger geworden“, begründet Marion Sporleder diesen Schritt. Nebenbei gebe es noch den Partyservice und einen Verkaufswagen. Mit dem einen Öffnungstag in der Woche wollen sie es jetzt ausprobieren und sehen, „wie es hinkommt“. „Seitdem wir die Fußgängerzone haben, ist es wirklich ein Geschäftssterben“, meint Sportleder. Dass sich nochmal etwas zum Positiven ändert, die Hoffnung habe sie so langsam aufgegeben. Die Kunden der Sporleders müssen sich aber trotz des einen Verkaufstages keine Sorgen machen, das Sortiment sei das gleiche geblieben.

Gegenüber der Fleischerei Sporleder ist auf einem Zettel an der Scheibe des Café Cannelle Ähnliches zu lesen. Seit dem 1. Januar 2018 sind auch hier die Öffnungszeiten reduziert. „Ab 1. Januar bleibt das Café von montags bis donnerstags geschlossen“. Und auch eine Begründung steht dabei: „Um weiterhin hier am Standort Bodenwerder festhalten und bestehen zu können, sind wir leider gezwungen, uns auf die örtlichen Gegebenheiten einzustellen und unsere Ladengeschäftszeiten der Besucherstärke hier im Ort anzupassen.“ Die neuen Öffnungszeiten zielen aufs Wochenende: Freitags ist von 8.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, samstags und sonntags von 9 bis 18 Uhr. Café-Betreiber Danny Fey will das Catering ausbauen und auch für Feiern oder Gruppen mit mehreren Personen sei weiterhin geöffnet. Nur untätig hinter der Theke stehen, das wolle er eben nicht.

Die Entscheidung, die Öffnungszeiten zu kürzen, habe sich schon Mitte vergangenen Jahres abgezeichnet, sagt Fey. Viele Bodenwerderaner würden mittlerweile im Gewerbegebiet Kaffee trinken, wenn sie dort in Ruhe ihre Einkäufe ohne Parkkosten erledigen. Fürs Parken in der Innenstadt erhebt die Stadt hingegen größtenteils Gebühren.

„Wir sind jetzt das zehnte Jahr hier. Als wir herkamen, war jeder Laden in der Innenstadt gefüllt“ erinnert sich Fey und gibt zu bedenken: „Die Leute entscheiden selbst, was mit ihrem Ort geschieht“.

Nur wenige Schritte weiter liegt das Uhren- und Schmuckgeschäft von Dietmar Heiduck. Auch hier wurden die Öffnungszeiten geändert. Heiduck hat den Donnerstag gestrichen und öffnet seinen Laden seit Januar noch freitags, samstags und nach Vereinbarung. Zum einen liege das an innerbetrieblichen Gründen, sagt Heiduck, zum anderen aber auch daran, dass der Verkauf in Bodenwerder eben nicht so gut laufe – „die Frequenz in der Innenstadt ist einfach nicht da.“ Hauptsächlich erledigt Heiduck Reparaturen, der Verkauf laufe nebenbei. Die Politik mit der neuen Stadtdirektorin sei zwar auf dem richtigen Weg, findet er, „aber das Patentrezept wird keiner haben“. Man sollte den Tourismus weiter ausbauen, findet Heiduck, und auch eine Öffnung der Innenstadt für den Verkehr könnte etwas bringen. Auch wenn dieser Schritt die Große Straße wohl auch nicht wieder wie früher beleben würde, würde es doch Bewegung in die Innenstadt bringen. Die Fußgängerzone sei laut Heiduck zu groß und nicht mehr zeitgemäß. Die Uhrenmeisterei Heiduck ist freitags von 9 bis 12.30 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr geöffnet und samstags von 10 bis 13 Uhr.

Doch auch nicht alle Händler in der Innenstadt klagen über Kundenmangel und viele öffnen weiterhin von Montagmorgen bis Samstagnachmittag. Im jüngsten Geschäft an der Großen Straße, dem Schuhladen „Tragbar – Schuhe und mehr“ gibt sich Inhaberin Laura Stahmann ganz zufrieden mit dem Geschäft in Bodenwerder. Im Februar will sie mit der Schuhhandlung übrigens zwei Ladenlokale weiterziehen in die Räume des ehemaligen Eiscafés Piccoli.

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