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Simone Fleck begeistert 500 Fans

Frauenkabarett: „Lieber ohne Mann als gar kein Mann“

BUCHHAGEN. Sigrun Brünig, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Holzminden, ist hochzufrieden. Alle zwei Jahre veranstaltet sie im Vorfeld des Weltfrauentages eine Kabarettveranstaltung mit der Dortmunder Komödiantin Simone Fleck.

veröffentlicht am 04.03.2018 um 14:38 Uhr

Kabarettistin Simone Fleck stellt sich ganz auf ihr weibliches Publikum ein. „Wir haben eben andere Themen“, sagt sie. „Alltag ist angesagt, nicht hohe Politik.“. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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In der Männerwelt weitgehend unbekannt, ist die Ulknudel aus dem Pott bei weiblichen Zuschauerinnen eine echte Zugnummer. Mehr als 500 weibliche Fans waren dann auch nach Buchhagen gekommen, um im großen Saal der Gastronomiebetriebe Mittendorf Simone Flecks aktuelles Programm zu erleben.

Inge Sauerland und ihre Tochter Doris ganz vorne sind bereits das vierte Mal dabei. „Die ist mir sehr sympathisch“, verrät die ältere Dame im Sternchenpullover. „Die nimmt ihr Publikum mit und baut das dann spontan und gekonnt in ihr Programm ein.“ Sagt‘s und setzt sich sogleich dem Spott der Künstlerin aus, die über Inges Pullover mit den Weihnachtssternchen ablästert.

Natürlich nimmt die Kabarettistin auch die wenigen Männer im Saal ins Visier. Die sitzen dort nicht unbedingt aus eigenem Antrieb, sondern sind in den meisten Fällen zu diesem Abend „mitgenommen“ worden. So wie der 65-jährige Peter Schubert aus Hameln. „Freiwilliger Zwang“, lacht der, „es ist schon ziemlich merkwürdig, wenn man bei über 500 Frauen Hahn in Korb ist und nicht zur Geltung kommt.“ „Ich habe selten so viele Kalauer auf einmal gehört“, nörgelt sein Nachbar. „Aber zugegeben, die Künstlerin ist echt gut.“

„Ich glaube, ich habe das Gespür, was Frauen hören und worüber sie lachen wollen“, erklärt Simone Fleck in der Pause. Nein, sie mache kein Weltverbesserungs-Kabarett und auch „nur ein bisschen Empörungskabarett“. Es sind Alltagsthemen, die sie in den Mittelpunkt stellt. All die kleinen Aufreger, die die weibliche Seele im alltäglichen Dasein so ankratzen. Als „Oma Wally“ im Altenheim nimmt Fleck den Pflegenotstand und eigentlich Unerträgliches auf die Schippe. Skurril und herrlich verzerrt. „Mal mit dem Rollator Kornkreise machen“, sinniert sie, schwankt zwischen „Demenz und Tollwut“, bekennt sich als „eierlikörabhängig“ und erntet Applausstürme, wenn sie von ihrer Seniorengruppe „Trockenpflaumen al dente“ erzählt.

„Frauen müssen auf der Bühne mit Frivolität besonders vorsichtig umgehen“, erzählt die Künstlerin. „Männer können da schonungsloser sein.“

In ihren verschiedenen Rollen trifft Fleck genau den Nerv ihrer Zuhörerinnen. Da wird der Altenheimbus zum „Gammelfleischtransporter“, das altersbedingte Zittern zur „Altenkarate“ und der Besuch im Kosmetikladen entfacht ebenso Beifallsstürme wie die Flecksche Feststellung, dass „der liebe Gott den Männern da ganz schön einen Knüppel zwischen die Beine geworfen“ habe.

„Nicht schlecht“, sagt dann auch einer der Herren am Tisch links außen leise. „Natürlich kann ich über mein eigenes Geschlecht lachen.“

„Frauen sehen vieles anders“, stellt Simone Fleck fest. „Wir haben eben andere Themen. Alltag ist angesagt, nicht hohe Politik.“

Und so ist ihr Programmtitel „Lieber ohne Mann als gar kein Mann“ am Ende dann doch versöhnlich gemeint. Darauf ein Eierlikörchen.

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