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Trotz Niedrigzins: Stiftung Sparkasse Bodenwerder will Sponsoring nicht herunterfahren

Förderung bleibt (vorerst) erhalten

BODENWERDER. Harter Schlag für die Stiftungen: Durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) brechen die Erträge weg. So wird der Münchhausenpreis künftig nur alle zwei Jahre vergeben, wie Thomas Greef, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Sparkasse Bodenwerder mitteilte.

veröffentlicht am 27.05.2016 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:45 Uhr

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Autor:

von g. erol hesse-öztanil
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Die Niedrigzinspolitik von Mario Draghi und der EZB trifft die Stiftungen – und macht sich auch in Bodenwerder schmerzhaft bemerkbar. So wird der Münchhausenpreis künftig nur noch alle zwei Jahre vergeben, wie Thomas Greef, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Sparkasse Bodenwerder, bei der Bekanntgabe des diesjährigen Preisträgers mitteilte. Das historisch niedrige Zinsniveau reduziert spürbar die Ertragshöhe der Stiftung, die 1987 anlässlich des 700-jährigen Jubiläums der Verleihung der Stadtrechte an Bodenwerder ins Leben gerufen wurde.

„Gab es beispielsweise vor sechs Jahren für eine 10-jährige Anlage noch vier Prozent, so liegen wir derzeit bei nur noch 0,6 Prozent“, so Greef. Es bestehe keine Chance, diesen Zinsverlust zu kompensieren. Es sei denn, das Geld werde deutlich riskanter angelegt, doch das sei nicht im Sinne der Stiftungsphilosophie. Derzeit stehen laut Greef schon nur noch drei Viertel von den einst erzielten Jahreserträgen zur Verfügung. Und die Tendenz zeigt weiter nach unten, sollte die EZB nicht ihren Kurs ändern. „Im schlimmsten Fall stehen wir in fünf, sechs Jahren noch bei einem Fünftel der früheren Werte“, erklärt der Stiftungsvorsitzende. Hinzu kommt der Einbehalt der Kapitalerhaltungsrücklage, die nochmals die Ausschüttungsmöglichkeiten schmälert. Deshalb musste die Stiftung Sparkasse Bodenwerder die Notbremse ziehen. Eine Großveranstaltung wie die Münchhausen-Preisverleihung sei unter dem jetzigen Vorzeichen nicht mehr jährlich realisierbar, heißt es. „Die Preisverleihung ist als Maßnahme der Kultur- und Standortförderung per se aufgrund des freien Eintritts defizitär und wird aus Mitteln der Stiftung kompensiert“, so Greef. Weitere Einsparmöglichkeiten seien wegen des großen freiwilligen Engagements kaum möglich. Wichtig sei, den nichtkommerziellen Charakter der Preisverleihung, die von vielen Ehrenamtlichen unterstützt wird, zu erhalten. „In dem Augenblick, in dem wir für die Karten, die derzeit verlost werden, Eintritt nehmen würden, würde zum Beispiel auch die Gema die Hand aufhalten und das würde neben vielen anderen Faktoren die Kosten letztendlich in die Höhe treiben“, sagt Greef.

Die Stiftung Sparkasse Bodenwerder zeichnet aber nicht nur für den Münchhausenpreis verantwortlich, sondern tritt auch als Sponsor heimischer Vereine auf, unterstützt den Sport und die Kulturszene und engagiert sich in der Heimat-, Naturschutz- und Jugendpflege. Ist diese Unterstützung jetzt gefährdet? Bricht den Vereinen ein wichtiger Geldgeber weg? Hier kann Greef Entwarnung geben. „Gerade weil wir den Münchhausenpreis künftig nur noch alle zwei Jahre verleihen, können wir dadurch den derzeitigen Zinsverlust ausgleichen und weiterhin die Förderung vor Ort aufrechterhalten – zumindest vorerst. Für einen überschaubaren Zeitraum wird es nicht zu Engpässen kommen. Hält allerdings das derzeitige Zinsniveau noch drei, vier Jahre, dann sieht das leider schon wieder anders aus“, warnt der Stiftungsvorsitzende. Jährlich werden rund 30 Förderanträge eingereicht, die Antragsteller werden in der Regel mit Summen von 500 bis 1000 Euro unterstützt. Das Stiftungskapital beläuft sich auf rund 1 Million Euro, die Zinserträge liegen aktuell noch knapp bei jährlich 30 000 Euro.

Natürlich hat nicht allein die Stiftung in Bodenwerder mit der niedrigen Zinspolitik zu kämpfen. Für viele Stiftungen ist es schwieriger geworden, genügend Erträge aus ihrem Kapital zu erwirtschaften. „Das Bild ist sehr gemischt. Kleinere und mittelgroße Stiftungen, die vielleicht auch ehrenamtlich betreut werden, stehen vor gravierenderen Herausforderungen als die großen Stiftungen“, erklärt Katrin Kowark von der Pressestelle des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen auf Anfrage. Auch wenn die Vergabe von Preisen oder Stipendien reduziert werde, versuchen die Stiftungen, ihren „Verpflichtungen auch weiter nachzukommen“. Zu beobachten sei, dass Stiftungen vor allem auf Fundraising, eine stärkere Kooperation (mit anderen Stiftungen) und Kostensenkungen setzen.

Im vergangenen Jahr führte der Bundesverband Deutscher Stiftungen eine Umfrage durch. Danach gaben 40 Prozent der befragten Stiftungen an, dass die ordentlichen Erträge 2014 zurückgegangen seien. Dennoch wollen fast 60 Prozent der Befragten die Ausgaben zur Zweckverwirklichung weiterhin auf dem gleichen Niveau halten – obwohl ein Ende der Niedrigzinsphase nicht absehbar ist.

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