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Familie Atalayi betreibt ein Heißmangelbetrieb

„Es ist gut für die Geschäfte in der Stadt, dass wir da sind“

BODENWERDER. Dezenter Duft von frisch gewaschener Wäsche liegt in der Luft. Es ist warm im Raum. Ruhig und konzentriert arbeiten der Mann und die zwei Frauen Hand in Hand. Özcan Atalay und Ehefrau Nejla führen am Mühlentor in Bodenwerder einen Heißmangelbetrieb, Tochter Özlem arbeitet im Geschäft mit. Heißmangel: ein selten gewordenes, aber noch lange kein aussterbendes Gewerbe.

veröffentlicht am 19.10.2017 um 17:39 Uhr

Ein Familienbetrieb: Özcan Atalay mit Tochter Özlem und Ehefrau Nejla an ihrer Heißmangel am Mühlentor in Bodenwerder. Foto: kkü
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Karin Küster Reporterin
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„Ganz junge Leute lassen kaum mangeln“, gibt Özcan Atalay offen zu. „Aber bei den etwas älteren gibt es viele, die großen Wert darauf legen,“ weiß er aus Erfahrung. „Die Leute sind stolz auf ihre gute Bettwäsche und Tischdecken aus Leinen und Baumwolle.“ Nicht nur aus Bodenwerder, auch aus Hameln, Emmerthal und Bad Pyrmont kommen Kunden mit „mangelfeuchter“ Wäsche in Familie Atalays Mangelstube.

Während in den 90er Jahren noch viele Gaststätten und Pensionen ihre Dienste in Anspruch nahmen, sind es heute überwiegend Privatleute. Manche warten gern die halbe Stunde im Geschäft ab, bis ihre Wäsche durch die mit Starkstrom betriebene Muldenmangel gelaufen ist und glatt gebügelt und zusammengefaltet wieder im Korb liegt. Die meisten ziehen es vor, ihren Wäschekorb dazulassen und die Zeit für andere Erledigungen in Bodenwerder zu nutzen. „Es ist gut für die Geschäfte in der Stadt, dass wir da sind“, ist Özcan Atalay überzeugt. „Die Kunden kommen wegen uns nach Bodenwerder und gehen dann, anstatt hier zu warten, zum Friseur, zur Fußpflege, zum Kaffeetrinken oder zum Einkaufen in die Geschäfte oder freitags auch gern zum Markt.“

Özcan Atalay übernahm die Heißmangel von Elfriede und Hermann Petermann aus Hehlen, die diese 30 Jahre lang betrieben und 1989 altersbedingt aufgeben wollten. Er hatte damals eine Anstellung als Hausmeister bei Dr. Fuchs in Bodenwerder. Während seines Urlaubs rief ihn der Mediziner an und sagte: „ Özcan, ich habe eine Heißmangel für dich gekauft. Du weißt, was das ist. Ab jetzt kannst du 3 Tage in der Woche für mich arbeiten und 2 Tage für dich selbst.“ So rutschte der junge Türke vor fast 30 Jahren vom Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit hinein. Einen schweren Schlag musste Familie Atalay im Jahre 2011 verkraften. Die Heißmangel und der Geschäftsraum in Hehlen wurden durch einen schweren Brand des Gebäudes Fährstraße 4 völlig vernichtet. Doch schon kurz danach gelang ihnen mit einem nagelneuen Gerät, Fabrikat Miele, ein Neuanfang in Bodenwerder.

Gemangelt wird seit April 2011 mittwochs und freitags von 7 bis 18 Uhr.

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