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Von Niedersachsen bis Nordrhein-Westfalen entlang der Wörmke

Es geht den Bach runter - Der Dewezet-Käfer an der NRW-Grenze

VAHLBRUCH/SABBENHAUSEN. Wieso eigentlich immer nur an die Weser? Zahlreiche Flüsse und kleine Bäche haben im Weserbergland und auf der Hochebene ebenfalls ihren Charme und sorgen für die nötige Erfrischung. Einer davon ist die Wörmke, oder wie man in Vahlbruch sagt: der Wörmken. Eine Käfer-Fahrt entlang der nordrhein-westfälisch-niedersächsischen Landesgrenze.

veröffentlicht am 05.07.2018 um 08:00 Uhr
aktualisiert am 09.08.2018 um 10:45 Uhr

Karen Klages

Autor

Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite

30 Grad, Fenster auf, Fahrtwind rein. Der Käfer gibt sein Bestes, um die knapp 300 Höhenmeter auf die Hochebene zu überwinden. Der Lkw fährt zu dicht auf, also Gas geben nach der nächsten Kurve. Am Ortsschild Vahlbruchs ein kurzer Stopp. Die Wörmke ist hier nicht ausgeschildert; wieso auch, entspringt sie doch etwa 770 Meter nördlich des Bergdorfs und ist hier so wenig präsent wie die Weser. Dennoch ist sie ein Begriff: „Bei uns heißt das hier auch der Wörmken“, sagt ein Anwohner.

Das komme von Würmchen. „Weil der Bach sich wie ein Wurm schlängelt.“ Aha, wieder etwas gelernt. Aber wo ist er denn nun eigentlich, der Wörmken, oder wie es zumindest auf den Landkarten offiziell heißt: die Wörmke? Als nordrhein-westfälisch-niedersächsischer Grenzbach taucht er in Sabbenhausen wieder aus den Wäldern auf. Hier, inmitten der Natur, wird der Käfer geparkt. Grillen ziepen, Vögel zwitschern, und Autsch; eine Bremse, auch gern Blinde Fliege genannt, sticht zu. „Heute sind es besonders viele, da gibt es morgen wohl Regen“, sagt Günter Tölke und hält mit seinem Geländewagen neben dem Käfer. Tölke ist der hiesige Jagdpächter in Sabbenhausen; 450 Hektar groß ist sein Gebiet. „Steigen Sie ein, ich nehme sie mit“, sagt er und fährt über den Feldweg.

Im Auto hechelt Hund Lupo im Kofferraum und kämpft ebenso gegen die Blinden Fliegen wie Tölke am Steuer. Zudem ist es heiß – und zu trocken. „Die Wörmke hat im Augenblick zu wenig Wasser“, beklagt der Jagdpächter. Aber trocken sei es ja überall. Im Winter, bei Schneeschmelze, oder bei Starkregen, habe die Wörmke schon mal Hochwasser. Das wissen sie auch in Vahlbruch.

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Mit dem Käfer geht es an der nordrhein-westfälisch-niedersächsischen Landesgrenze entlang. Foto: KK

Tölke bremst abrupt: „Hier steht der Grenzstein“, sagt er und deutet mit dem Finger ins Gebüsch. Dahinter: zahllose entwurzelte Bäume. „Das war eine Katastrophe dieses Jahr. Schlimmer als Kyrill“, berichtet Tölke und schüttelt den Kopf. Autsch – wieder eine Blinde Fliege.

Der Jagdpächter schmeißt den Motor wieder an. Vorbei geht es an Forellenteichen, komplett eingezäunt. „Die gehören Fritz Platte“, weiß Tölke. Und noch mehr: Dass Plattes Enkel Felix jetzt bei Darmstadt 98 spielt und vorher bei Schalke 04 unter Vertrag war. Stolz sind sie hier in Sabbenhausen auf den Fußballer von der Wörmke. Begonnen hat Felix Platte seine Karriere beim TSV Sabbenhausen. Dessen Sportanlage hat die Adresse „An der Wörmke 1“. Sogar eine Wörmkestraße führt durch Sabbenhausen. In Vahlbruch zu weit weg, in Sabbenhausen mittendrin; die Wörmke teilt und verbindet zugleich. Und wieder Autsch – die Blinden Fliegen können’s nicht lassen. Günter Tölke muss los; heute Abend geht es noch auf die Jagd. Na, dann: Waidmannsheil.

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Der Käfer rollt auf die Tankstelle in Sabbenhausen. Betreiber Fritz Platte hat hier noch zwei Zapfsäulen stehen; „früher waren das mal mehr“, sagt er und schaut sich um. Damals, so sagt er, sei eh noch vieles anders gewesen. „Meine Forellenteiche an der Wörmke würde ich heute nicht mehr genehmigt bekommen.“ Seit 25 Jahren betreibt er die Forellenzucht; „mit Lachsforellen, die sind leicht rötlich“. Es ist Mittag, und das Wasser läuft einem im Mund zusammen. Auch in der Wörmke schwimmen Forellen. „Die sind auch gut“, weiß er. Aber angeln dürften dort nur die Mitglieder des Angelvereins. Die trifft er des Öfteren, wenn er zu seiner Zuchtanlage an der Wörmke fährt. Dort gönnt sich Platte Ruhe. Die Blinden Fliegen stören ihn nicht. „Komisch, mich haben die noch nie gestochen.“ Hat der Mann ein Glück.

Weiter geht’s mit dem Käfer entlang der 10,5 Kilometer langen Wörmke in Richtung Elbrinxen. Von Vahlbruch und den Bergdörfern ist „unten“ nicht mehr viel zu sehen. Die Wörmke macht ihrem Namen alle Ehre und schlängelt sich wie ein Wurm durch die Weiden des Lipperlands. Kurzer Halt an der Mühle Blankenburg, die zwischen Lügde und Elbrinxen liegt – hier fließt der Mühlenbach in die Wörmke, bevor diese dann ganz in die Emmer eintaucht. Ein letztes Mal tief Luft holen, dem Plätschern des Baches lauschen und einsteigen. „Tschüss Wörmke.“



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