weather-image

Musikalisch-literarischer Vortrag von Walter Waidosch im Weserhaus

„Es allen recht zu machen, war nie die Sache eines Bob Dylan“

BODENWERDER. Zu Bob Dylans ersten Protest- und Folksongs in der 60er Jahren meint Walter Waidosch (Jahrgang 1949): „Ich fand’s furchtbar“, und bezieht sich dabei auf das, wie er es nennt, „elende Gekrächze“, und meint die mit kratziger Stimme vorgetragenen Songs. Der studierter Historiker und Musiker, der mit seinem musikalisch-literarischen Vortrag über Bob Dylan auf viel Interesse bei Publikum stößt und damit für einen gut gefüllten Vortragsraum im Weserhaus in Bodenwerder sorgt, war anfangs kein Fan des US-amerikanischen Ausnahmekünstlers.

veröffentlicht am 14.08.2017 um 20:10 Uhr

Unterhaltsam und spannend bringt Walter Waidosch die literarische Bedeutung Bob Dylans den Gästen nahe. Foto: kkü
Avatar2

Autor

Karin Küster Reporterin
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Hinter diesem „Gekrächze“, das macht Waidosch im Verlaufe des Abends deutlich, verbarg sich jedoch ein ganzer Kosmos an Inhalt und Sendungsbewusstsein. Und Waidosch musste einige Jahre später mit Erstaunen feststellen, dass Bob Dylan seine wunderschöne Tenorstimme – aus welchen künstlerischen Gründen auch immer – absichtlich verstellt hatte, denn später war die Krächzerei nicht mehr zu hören. Walter Waidosch nimmt eine Gitarre zu Hand, spielt ein paar Takte von Dylan. „Drei Harmonien, mehr nicht“, meint Waidosch. Was macht den Star Bob Dylan aus? Was macht ihn so besonders? Musikbeispiele und Video-Clips ergänzen den Vortrag, um dem Phänomen näher zu kommen.

Von frühester Jugend war Dylan nicht nur an Musik, sondern auch sehr stark an Literatur interessiert, erläutert Waidosch; „Eine Leseratte von Jugend an, jemand der stapelweise Bücher liest und alles wie ein Schwamm aufsaugt.“ Zeitgenössische Schriftsteller las er ebenso wie mittelalterliche Dichter, auch die Ägyptische Mythologie mit ihrer ganzen Bilderwelt faszinierten ihn und beeinflussten seine Texte. „Ein Liedtext entsteht so wie ein gewebter Teppich“, erläutert Walter Waidosch. Dylan hat eine Vorliebe für Brüche und Veränderungen, interpretiert Lieder, die er oft spielt, gern immer wieder anders, legt die Betonung auf andere Worte.

Der erfolgreiche Musiker war sein Leben lang immer anders als die Leute ihn sehen wollten. Mitte der 60er Jahre schockierte er seine Fans, die ihn als Folksänger mit akustischer Gitarre liebten, als er beim Newport Folk Festival mit der Paul Butterfield Blues Band von elektronischer Musik begleitet wurde. Auch danach brachte ihm die Zusammenarbeit mit der Gruppe „The Band“ und die elektrisch verstärkte Musik vor allem in England jede Menge Ärger und Buhrufe ein. Er lässt gern Legenden über sein Leben verbreiten, lässt Journalisten arrogant und schlagfertig mit absurden Antworten ins Leere laufen. Maskierungen spielen bei ihm immer eine große Rolle. Er wird als Egozentriker geschildert. Einmal erklärt er: „Ich schreibe nur für mich allein“. Zur Nobelpreisverleihung 2016 kam er nicht nach Stockholm, was im einige üble Beschimpfungen einbrachte. Eines Preisträgers unwürdig sei er, hieß es. Aber es allen recht zu machen, das war nie die Sache eines Bob Dylan. Dennoch ist der Literatur-Nobelpreisträger 2016 zweifellos ein ganz Großer in der Musik und Lyrik und nebenbei sogar auch als Zeichner und Maler anerkannt.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt