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Mongolenfürst und deutscher Schriftsteller: Galsan Tschinag liest am Samstag in Ottenstein

Er sieht sich als Mittler zwischen den Welten

OTTENSTEIN. Nicht, dass der kleine Ort Ottenstein auf der gleichnamigen Hochebene nicht schon internationale Prominenz erlebt hätte: Immerhin gaben sich hier bereits 1791 Caroline von Linsingen und Prinz William von Großbritannien und Irland das Ja-Wort. Und 1843 kam der afrikanische Häuptlingssohn Antonio Congo in den Bergort. Am Samstag, den 14. Oktober soll um 19 Uhr die Reihe der internationalen prominenten Ottenstein-Gäste um einen mongolischen Stammesführer , Schriftsteller und Schauspieler erweitert werden: Dann kommt Galsan Tschinag zur Lesung und zum Erzählabend in Kiels Sonnengarten.

veröffentlicht am 11.10.2017 um 16:43 Uhr

Galsan Tschinag foto: dpa
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Autor

Marina Fuchs Reporter
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Galsan Tschinag wurde um das Jahr 1944 im Bajan-Ölgii-Aimag im Hohen Altai als jüngster Sohn einer tuwinischen Familie geboren und ist ein aus der Mongolei stammender deutschsprachiger Schriftsteller. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. 1962 bis 1968 studierte er Germanistik an der Karl-Marx-Universität in Leipzig und beendete sein Studium mit einer Diplomarbeit über Erwin Strittmatter. Er kehrte danach in die Mongolei zurück und arbeitete als Deutschdozent an allen vier mongolischen Universitäten. 1976 wurde ihm die Lehrerlaubnis wegen politischer Unzuverlässigkeit entzogen.

Heute lebt er den größten Teil des Jahres in der Mongolai gemeinsam mit seiner knapp 20-köpfigen Familie und verbringt viel Zeit auf Lesereisen im deutschsprachigen Ausland. Je ein Drittel des Jahres verbringt er so in seiner Residenz in Ulan Bator, in Europa und in der westmongolischen Steppe in Jurten bei seinem tuwinischen Stamm. Der vielfach ausgezeichnete Autor schreibt seine Romane, Erzählungen und Gedichte meist auf Deutsch. Seine Erzählungen wurden auch in andere Sprachen übersetzt.

Galsan Tschinag selbst sieht sich in erster Linie als Ernährer seines Stammes, den er in einer Karawane 1995 von Sibirien in seine mongolische Heimat geführt hat. In den sechziger Jahren waren die Tuwinen in die Zentralmongolei umgesiedelt und dort zur Sesshaftigkeit gezwungen worden. Die Geschichten aus seinen Büchern sind die Geschichten seines Volkes. Das Honorar für die zahlreichen Lesereisen verwendet er zum einen, um die Menschen in seinem Volk finanziell zu unterstützen.

2009 gründete er die Galsan-Tschinag-Stiftung, die unter anderem ein Projekt zur Wiederaufforstung in der Mongolei betreibt. Denn ein aktuelles Herzensprojekt von Galsan Tschinag ist die Wiederbewaldung eines Teils der versteppenden Mongolei und des Hohen Altai. Jahrzehnte lang wurde in der Mongolei eine unkontrollierte Abholzung des Baumbestandes ohne Wiederaufforstung durch staatliche Stellen zugelassen.

Zu den weiteren Projekten der Stiftung gehört die Förderung der schulischen und beruflichen Ausbildung der Nomadenkinder.

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