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„Er lebt weiter“: Ein Walnussbaum findet neue Verwendung

KEMNADE. Mehr als 100 Jahre lang stand er mitten auf der Wiese, bot Pferden und sogar Kamelen Schatten und spendete im Herbst großzügig seine Nüsse. Doch am 18. Januar 2018 hatte der alte Walnussbaum nicht genügend Kraft, sich dem Orkan Frederike entgegenzustellen, er wurde entwurzelt - und nun weiterverarbeitet.

veröffentlicht am 07.12.2018 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 07.12.2018 um 21:20 Uhr

Die Bretter des Walnussbaumes sind bereit zur Weiterverarbeitung. Foto: Karin Kehne/pr
Beißner

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Karin Beißner Reporterin
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1920 hatte Wilhelm Tacke, Landtagsabgeordneter und Ortsvorstand von Kemnade, auf der Wiese an seinem Haus Hakenberg 5 drei Walnussbäume gepflanzt. Da er keine leiblichen Nachkommen hatte, vererbte er seinen Besitz 1928 an Familie Kehne. Viele Jahre standen die Walnussbäume für jeden sichtbar auf der Wiese zwischen Haus und Schuppen, bis einer von ihnen vom Blitz getroffen wurde und verschwand. Der zweite musste vor wenigen Jahren gefällt werden, weil er hohl war und im Januar traf das Schicksal nun auch den letzten Walnussbaum.

Einen Ast als Andenken wünschte sich Karin Kehne, ihr Bruder schenkte ihr den ganzen Baum. Für sie war es ein großes Unterfangen, den fünf Tonnen schweren Klotz verarbeiten zu lassen. Möglichst alle Teile des langjährigen Gefährten sollten weiter verwertet werden. „Für mich war das Ehrensache und es erfüllt mich mit Freude, zu sehen, was man mit dem Holz machen kann, wo es bleibt und wer sich daran erfreut“, erklärt die Besitzerin. In einem Flyer erzählt sie in Bildern über sein jetziges Schicksal.

Bei der Verarbeitung ging es zunächst an die kleinen Teile – mit den dünneren Ästen speiste Familie Kehne ihr Osterfeuer. Die großen Äste wurden in Bohlen zerteilt und der Stamm mit einem Durchmesser von fast einem Meter in drei etwa 1,5 Tonnen schwere Abschnitte. Erst vor kurzem haben sie ihre Reise nach Hastenbeck angetreten, wo sie in Bohlen zerteilt werden. Aus einigen dicken Ästen hat Karin Kehne sich von einem Freund für ihren Garten bereits geschwungene Bänke anfertigen lassen, in denen der Baum weiterlebt, drei passende Tische aus dem Stammholz werden diese später noch ergänzen.

Auch aus Resten lassen sich dekorative Dinge herstellen. Foto: Karin Kehne/pr
  • Auch aus Resten lassen sich dekorative Dinge herstellen. Foto: Karin Kehne/pr
Etwas Neues ist entstanden wie diese geschwungene Sitzbank. Foto: Karin Kehne/pr
  • Etwas Neues ist entstanden wie diese geschwungene Sitzbank. Foto: Karin Kehne/pr

Aber nicht nur die Baumerbin kann sich an schönen Dingen aus dem Walnussholz erfreuen. Ein Schmuckhersteller, der bis nach Amerika liefert, fertigt Ringe, Armreifen, Haarspangen und anderes daraus an. Der Kemnader Lars Riedel hat passend zur Adventszeit dekorative Tannenbäume, Sterne und Teelichthalter geschaffen, die durch ihre Maserung in grau- bis dunkelbraunen, auch schwarzbraunen Tönen variieren und in ihrer Umgebung zum Hingucker werden. Nicht umsonst gilt Walnuss als das edelste einheimische Holz, das für gehobene Innenausstattungen und Möbel verwendet wird. Freunde und Bekannte von Karin Kehne wurden durch deren Ideen inspiriert und lassen Teile des alten Baumes für sich verwerten, von der rustikalen Sitzgelegenheit über Beistelltische, Dekorationsobjekte und Gartenmöbel. Es wird wohl noch längere Zeit dauern, bis das 100-jährige Holz vollständig verarbeitet ist und der alte Walnussbaum dann auf vielfache Weise wieder zu neuen Ehren gekommen ist.



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