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Hans-Harald Hahn ist mit 63 Jahren überraschend gestorben

Er holte die Kultur-Events nach Ottenstein

OTTENSTEIN. Ottenstein – das war in der Wahrnehmung der Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden bis in die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts erst einmal winterkalte Berg-Einsamkeit und dörfliche Idylle. Dann erwarben 1993 Elke und Hans-Harald Hahn das aus dem 19. Jahrhundert stammende Gasthaus am Marktplatz. Und von da an bekam Ottenstein im weiten Umkreis den Ruf als Ort von bemerkenswerten Kulturveranstaltungen. Nun ist Hans-Harald Hahn mit 63 Jahren überraschend gestorben.

veröffentlicht am 19.12.2017 um 16:11 Uhr

Hans-Harald Hahn †
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite

Seitdem standen hier im 1000-Einwohner-Dorf die Klazz-Brothers und Matthias Brodowy, Kalle Pohl sowie Abba- und MerQury-Revival-Bands auf der Bühne. Seitdem zog das Haus Gäste und Künstler aus aller Welt. Motor dieser Entwicklung war Hans-Harald Hahn. Nach schwerer Krankheit ist der Wirt und Eventmanager des legendären Gasthauses Hahn – von Fans nur „der Hahn“ genannt – im Alter von 63 Jahren verstorben.

Hans-Harald Hahn war gegen den Willen seiner Eltern Koch geworden. Und er lebte den Beruf aus Leidenschaft. Als 1993 das ehemalige Ottensteiner Gasthaus Schütte zum Verkauf angeboten wurde, betrieb Hans-Harald Hahn zusammen mit seiner Frau Elke, einer gelernten Industriekauffrau mit Sinn fürs Finanzielle, einen Imbiß in Bodenwerder. Bei der Besichtigung der Immobilie in Ottenstein erkannten die Hahns sofort das Potenzial, das der alte Ballsaal der Gaststätte für Kulturveranstaltungen bot. Bereits ein Jahr später gab es vierteljährliche Kleinkunstveranstaltungen im alten Ballsaal: Ottenstein war aus seinem kulturellen Dornröschenschlaf erwacht und entwickelte sich fortan zu einer gut besuchten und beliebten Location auf der Hochebene und Umgebung.

Dabei kam Hans-Harald Hahn seine guten Kontakte zur Kleinkunst- und Musikszene zugute. Viele der Künstler kamen quasi aus Freundschaft und alter Verbundenheit nach Ottenstein. „Der Hahn“ hat in Künstlerkreisen einen Ruf erworben. Comedians und Musiker hatten schnell Familienanschluss.

Und so ging es 1994 bereits Schlag auf Schlag: Irish Folk, Bockbier-Party, Kabarett, Workshop, Kinder- und Open-air-Veranstaltung… 1995 waren es dann schon 21 Veranstaltungen, darunter auch das 1. Ottensteiner Oldtimer-Treffen. Hans-Harald Hahn hat seitdem dafür gesorgt, dass in Ottenstein „was los ist„. Und das entging auch den Medien nicht: Los ging es mit RTL. Es berichteten die Printmedien. Dann kam der erste TV-Bericht, dem sollten bei NDR, MDR, SAT1 und Deutsche Welle noch weitere folgen. Und über „das Hahn“ wurde nicht nur wegen des ungewöhnlichen Kulturangebots, sondern auch wegen Hahns Sammelleidenschaft berichtet: Seit dem Jahr 1993 werden im Gasthaus Hennen und Hähne in allen erdenklichen Ausführungen gesammelt. Am 27. März 2001 zählte Hans-Harald Hahn in seinem Gasthaus 1215 Tiere. Dies reichte für einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde.

Unter Harald Hahns maßgeblicher Beteiligung wurde im Herbst 1996 dann auch der gemeinnützige Förderverein der Kultur im Gasthaus Hahn e.V. gegründet, der fortan die kulturellen Abende im Hahn organisierte. Bis zu 30 Veranstaltungen in einem Jahr – darunter ein Theaterdinner – stellte der kleine Verein zu seinen Hochzeiten auf die Beine beziehungsweise Bühne im Hahn.

Mit dem überraschenden Weggang von Hans-Harald Hahn, der übrigens bis kurz vor seinem Tod in der Küche seines Gasthauses stand, dürften diese Zeiten für „den Hahn“ und Ottenstein der Vergangenheit angehören. Das Gasthaus wird bereits bei ebay-Immobilien zum Verkauf angeboten.

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