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Christiane Klein und die Kantorei Bodenwerder glänzen mit Zelenkas Missa votiva

Emotionsgeladene Musik in Perfektion

BODENWERDER. Ein fiktives Gespräch zweier Musikfreunde, das aber durchaus genau so stattfinden könnte: „Kennst Du Bach?“ – „Natürlich!“ „Und schon mal was von Jan Dismas Zelenka gehört?“ – „Wie bitte? Von wem?“ Kein Wunder, diese erstaunte Rückfrage. Denn Bachs Zeitgenosse Jan Dismas Zelenka wurde für die Musikwissenschaft erst im vergangenen Jahrhundert auffällig. Seitdem ist zwar immer noch selten, aber doch hin und wieder eine Komposition von ihm zu hören. So wie nun bei den 28. Musikwochen Weserbergland in der wundervollen Klosterkirche St. Marien in Kemnade, als Kreiskantorin Christiane Klein mit der Aufführung seiner „Missa Votiva“ den 1679 in Launowitz nahe Prag geborenen und vorwiegend in Dresden tätigen Komponisten ins Bewusstsein einer großen Hörerschaft rückte.

veröffentlicht am 30.05.2016 um 18:17 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:44 Uhr

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Autor:

Karla Langehein
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Dabei wurde sie stimmkräftig unterstützt von dem Sängerquartett mit der herausragenden Magdalena Harer (Sopran), der Altistin Nicole Pieper, dem Hamelns Musikfreunden seit Jahren bestens verbundenen Lothar Blum (Tenor) und dem wendigen Bass von Raimonds Spogis. Der instrumentale Part lag in den Händen von Annika Yildiz und ihrem Ensemble „Antico“.

Vor allem aber ist die um die Jugendkantorei erweiterte Kantorei Bodenwerder zu nennen. Wer diesen Chor schon mehrfach hörte, weiß, dass er immer wieder mit großen Leistungen überrascht. Jetzt, in Zelenkas Messe, war er mit 13 von 20 Werkabschnitten der Hauptlastträger der rund eineinhalbstündigen Aufführung. Und diese Abschnitte haben es ganz gewaltig in sich. Mehrere Fugen, darunter zwei Doppelfugen, sind mit Ausnahme der Crucifixus-Fuge allesamt in virtuos komponierter Mehrstimmigkeit und zudem in hohen Tempi zu bewältigen. Das sind extreme mentale und körperliche Herausforderungen für jeden Chor und insbesondere für einen Laienchor. Ihnen begegnete die Kantorei Bodenwerder mit großer Tonsicherheit und Konzentration bei gleichzeitiger Lockerheit der Stimmen, jener Kombination, die zum Nährboden für die rundum erfüllte Wiedergabe dieser emotionsgeladenen Musik wurde. Insgesamt höchst bewundernswert – und am Ende gemeinsam mit ihrer Chefin, Christiane Klein, von den Hörern mit großer Begeisterung und Freude über dieses gelungene Konzert entsprechend gefeiert.

Zelenkas Missa „Votiva“ ist eine fesselnde Komposition. Sie zeigt den damals 60-Jährigen als ungewöhnlich eigenständigen Barockmusiker, der sich zwar der seinerzeit gängigen Ausdrucksmittel bedient, gleichzeitig aber bezüglich harmonischer Abläufe wie auch einzelner Formen neue Wege beschreitet. Eine außerordentlich spannende Mixtur, zu der auch der weite Räume umfassende Stil der Textumsetzung gehört. Mit ihm fängt Zelenka die emotionalen Linien der Messtexte perfekt ein – auch dann, wenn er sich, wie in der Bass-Arie, bei dem Wort „Jesu“ mit der ausgedehnten Koloratur über der ersten Silbe von einigen Traditionen löst.

Glücklicherweise wurde diese dankenswerte Aufführung mitgeschnitten. Die Hoffnung auf den möglichen Erwerb einer CD wird hoffentlich nicht enttäuscht werden.

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