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Verleihung der Münchhausen-Auszeichnung vor mehr als tausend Zuschauern in Buchhagen

Emil Steinberger: „Dieser Preis passt zu mir!“

Bodenwerder. Emil Steinberger, weit über die Grenzen der Schweiz bekannter Kabarettist und Buchautor, hat gestern in Buchhagen vor mehr als tausend Zuschauern den Münchhausen-Preis für sein Lebenswerk erhalten. Thomas Greef, Vorstandschef der Stiftung Sparkasse Bodenwerder, rühmte Steinberger in seiner Begrüßungsrede gestern Abend dafür, dass er so „trefflich an die Fabulierkunst unseres großen Sohnes, des Barons von Münchhausen“ anknüpfe. Steinberger ist der 13. Preisträger und steht damit in einer Reihe mit Dieter Hildebrandt, Rudi Carrell, Werner Schneyder und Ephraim Kishon. Die Laudatio für den ehemaligen Postbeamten und Grafiker hielt Edith Jeske, Textdichterin, Librettistin und Dozentin.

veröffentlicht am 08.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 11:21 Uhr

Edith Jeske: „Großer Münchhausen – das kann nur gelo

Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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In Deutschland wurde „Emil“ erst in den 1970er Jahren richtig bekannt. Dabei hatte er viel früher begonnen, seine Freunde und Schulkameraden bestens zu unterhalten, wie Jeske herausgefunden hat. So habe er schon als Primarschüler (was unseren ABC-Schützen entspricht) ein Gartentheater gegründet und das „Unterlandboot“ erfunden. Auf dem täglichen Schulweg habe der kleine Emil seine Mitschüler mit Fortsetzungsgeschichten begeistert, deren Ende niemals abzusehen war. „Und das lange bevor Soaps und Telenovelas bei uns zu grassieren begannen.“

„Und was tat dieser hochkünstlerische Mensch nach der Schule?“, fragte Jeske. „Der geht zur Post! Großer Münchhausen – das kann doch nur gelogen sein.“ War es aber nicht. Neun Jahre hielt er es dort aus, bereitete sich aber vor der Kündigung als Amateur-Kabarettist auf seine Laufbahn vor, wurde trotzdem erst noch Grafiker, ehe er 1967 das Luzerner Kleintheater eröffnete, was in Deutschland natürlich niemand wissen konnte. Dafür wurden die Schweizer auf ihn aufmerksam, wie Edith Jeske zu erzählen wusste. Eine Zürcher Bühne habe ihm fünf Vorstellungen angeboten. „Es wurden vier Monate draus.“

Viel Prominenz bei der Preisverleihung

1970 sorgte der Südwestfunk für den Start der internationalen Karriere, die ihn besonders in Deutschland und Österreich populär werden ließ. Nicht weil er wie Münchhausen gelogen habe, erläuterte Edith Jeske, sondern weil sein „kreatives Uminterpretieren von Spielregeln, die vermeintlich in Marmor gemeißelt waren“, ins Herz und Oberstübchen getroffen habe. „Das war subversiv“, lobte Jeske den Preisträger und gratulierte ihm zur Auszeichnung.

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Ruwen Filus bot eine enttäuschende Leistung und scheiterte im Einzel bereits in seinem ersten Spiel. Fotos: la

Den „Emil“ von damals gibt’s nur in der Erinnerung oder auf DVD. Steinbergers Programm der Gegenwart heißt „Drei Engel“ – 100 Minuten lang und mit Pointen für 200 Mal Gelächter, aber nicht vom Tonband, sondern vom Publikum – und das war glücklich, als Steinberger gestern spät abends ein paar seiner wundervollen Nummern Revue passieren ließ: Selten so gelacht. Und Steinberger dankte mit den Worten: „Dieser Preis passt zu mir!“

Klar, dass gestern viel Prominenz der Preisverleihung die Ehre gab: Innenminister Uwe Schünemann war gekommen, die Landräte Rüdiger Butte und Walter Waske, Bundestags- und Landtagsabgeordnete erfreuten sich des Preisträgers und der Laudatio und die „frisch vermählten“ Bürgermeister von Bodenwerder und Polle, Ernst-August Wolf und Willi Bost. Sogar „Melitta“-Mann Egon Wellenbrink, dem Steinberger die Texte geschrieben hatte, war extra von Mallorca nach Buchhagen gekommen.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von der Cajun-Band „Cochon Bleu“ aus den Niederlanden und einem Alphorn-Duo aus Dölme.

Strahlend und gerührt dankte Emil Steinberger gestern dem Publikum für die große Würdigung, die er erfahren hatte: „Es wurde viel gelogen, aber das war nicht mein Fehler.“

Fotos: ts



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