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Verkehrschaos vor der Schule

Eltern bringen Kinder in Gefahr

HEHLEN. Morgens, kurz vor Beginn der ersten Schulstunde: Etliche Autos stehen am Straßenrand, auf der gegenüberliegenden Seite wird die Bushaltestelle durch ein Fahrzeug blockiert. Dirk Lienigs Blick aus dem Schulgebäude spricht Bände. „Als Fußgänger hat man keinen Überblick mehr.“

veröffentlicht am 19.10.2017 um 15:20 Uhr
aktualisiert am 19.10.2017 um 17:45 Uhr

Zeitweise standen die Autos an beiden Seiten: Damit soll nun Schluss sein. Polizei, Schule und Gemeinde fordern alle Eltern auf, ihre Kinder zu Fuß zur Schule zu schicken. Foto: wfx
Karen Klages

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Karen Klages Reporterin zur Autorenseite
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Der Schulleiter der Grundschule Hehlen kennt die Problematik, die derzeit in Hehlen diskutiert wird, am besten: Schließlich spielt sich alles vor seiner Schule ab. „Leute halten wild, parken teilweise mitten auf der Straße“, hatte auch Gemeindebürgermeister Sebastian Rode schon in der letzten Sitzung des Gemeinderates berichtet, nachdem er sich selbst ein Bild von der Situation gemacht hatte.

Dirk Lienig findet es gut, dass die Gemeinde reagiert. Kurz vor den Herbstferien ist nochmal ein Schreiben an alle Eltern rausgegangen, mit der Bitte, die Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu fahren. „Sie denken meist nur an ihr eigenes Kind“, so Lienig. „Die meisten Gefahren vor der Schule werden durch Eltern verursacht“, weiß auch Verkehrssicherheitsberater Andreas Hinz von der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden.

„Eltern, die sich über die Situation beschweren, sind oft selbst diejenigen, die ihre Kinder mit dem Auto bringen“, berichtet Andrea Litterscheid, Vorsitzende der Verkehrswacht Hehlen. Sie selbst hat die Erfahrung gemacht, als ihre Kinder noch in Hehlen zur Schule gingen. Zudem seien ihre Kinder oft allein auf dem Schulweg unterwegs gewesen. „Alle anderen Kinder aus unserem Wohngebiet wurden mit dem Auto gebracht.“ Natürlich habe sie das dann auch mal gemacht. Andrea Litterscheid und ihre Kollegen von der Verkehrswacht haben schon des Öfteren überlegt, wie sie die Eltern motivieren könnten, das Auto stehen und die Kinder laufen zu lassen. Vielleicht Flugblätter verteilen?

Jeder Verstoß im Straßenverkehr wird geahndet.

Andreas Hinz, Verkehrssicherheitsberater von der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden.

Die Schule selbst hat schon viele Dinge unternommen – leider ohne Erfolg. Schulleiter Lienig hat schon mehrfach Eltern angesprochen: „Das war ihnen dann peinlich oder sie taten unwissend.“ Dann sei es eine Zeit lang gut gegangen; „dann verbleibt es wieder. Ich habe da aufgegeben“, sagt Lienig. Nicht nur zu appellieren, sondern auch selbst zu handeln, das findet der Schulleiter wichtig. „Halteverbotsschilder aufzustellen, das wäre hilfreich.“

Einbahnstraßenregelungen und Haltverbotsschilder – das seien oft Maßnahmen, die als Konsequenz dann vor Schulen ergriffen werden, so Hinz. Der Verkehrssicherheitsberater berichtet auch von Eltern-Bann-Meilen, die einige Schulen selbst initiiert haben und mit denen sie Eltern von der Schule fernhalten möchten. Hinz selbst rät den Eltern zum Konzept „Walking-Bus“ (siehe Kasten). Auch in Hehlen wurde das schon einmal praktiziert. Vor zwei Jahren, als die Kinder von Andrea Litterscheid noch dort zur Schule gegangen sind. „Wir haben das eine Woche lang getestet, in der Hoffnung, dass es die Kinder dann vielleicht weitermachen“, erzählt sie. Initiiert worden sei die einwöchige Aktion von den Lehrern – und nicht wie eigentlich angedacht, von den Eltern. Hinz appelliert an diese: „Alle Eltern sind aufgefordert, ihre Kinder zur Fuß zur Schule zu schicken“ – und das rechtzeitig, damit sie entspannt ankommen. Schulwegmarkierungen helfen den Kindern, sich zu orientieren.

Eltern, die falsch vor der Schule parken, den Verkehr und andere Personen gefährden oder – wie in Hehlen – die Bushaltestelle mit ihrem Fahrzeug blockieren, müssen übrigens mit einer Verwarnung rechnen. „Jeder Verstoß im Straßenverkehr wird geahndet“, erklärt Hinz. Seine Kollegen von der Polizeidienststelle Bodenwerder werden die Situation in Hehlen daher überprüfen.

Schulleiter Dirk Lienig kann der ganzen Problematik aber noch etwas Positives abgewinnen: „Wenn dort ganz viele Autos stehen, fahren zumindest die anderen Fahrzeuge in der Straße langsamer“, betont er. Er wünscht sich eine Tempo-30-Zone oder sogar Schritttempo vor der Schule.

Konzept: „Walking Bus“

Das Konzept „Walking-Bus“ sieht vor, dass mehrere Kinder gemeinsam zu Fuß zur Schule gehen und dabei von Erwachsenen begleitet werden. Die Kinder, die vorne laufen, sind die „Busfahrer“, die Kinder, die hingen gehen, die „Schaffner“. Die Begleitpersonen haben eine reine Kontrollfunktion. An sogenannten „Bus-Stopps“ werden die Schüler dann aufgesammelt. In einigen Orten, in denen das Projekt läuft, sind die Kinder ausgestattet mit Leucht-Equipment, Trapezen, Ponchos und Mützen. Das Projekt ist in den meisten Fällen eine Elterninitiative und wird von den Eltern organisiert.

Information

„Walking-Bus“

Das Konzept „Walking-Bus“ sieht vor, dass mehrere Kinder gemeinsam zu Fuß zur Schule gehen und dabei von Erwachsenen begleitet werden. Die Kinder, die vorne laufen, sind die „Busfahrer“, die Kinder, die hingen gehen, die „Schaffner“. Die Begleitpersonen haben eine reine Kontrollfunktion. An sogenannten „Bus-Stopps“ werden die Schüler dann aufgesammelt. In einigen Orten, in denen das Projekt läuft, sind die Kinder ausgestattet mit Leucht-Equipment, Trapezen, Ponchos und Mützen. Das Projekt ist in den meisten Fällen eine Elterninitiative und wird von den Eltern organisiert.

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