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Das ehemalige Gasthaus Lichtensruh hat seinen Glanz verloren und ist in Vergessenheit geraten

Einst beliebtes Ausflugsziel

Bodenwerder. Früher wurde das ehemalige Gasthaus Lichtensruh an der Pollerstraße mit werbenden Worten bedacht. Heute bietet das Gebäude einen trostlosen Anblick. Das rote Backsteingebäude mit den eingeschlagenen Fenstern hat weitaus bessere Zeiten gesehen und hatte sogar einen eigenen Dampferanleger.

veröffentlicht am 14.04.2016 um 16:43 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:53 Uhr

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Autor:

VON KARIN BEIßNER
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Anfang des 20. Jahrhunderts war Lichtensruh, das Gasthaus von Heinrich Lichte, Anziehungspunkt für Wanderungen und Ausflüge mit der Kutsche, für Feste und Feiern. Und auch nach dem Zweiten Weltkrieg boten der Kaffeegarten und die später angebaute große Veranda mit Glasfront und Blick auf die Weser das Ambiente für einen gemütlichen Aufenthalt. So wurde das Gasthaus als Ziel für den Familienausflug gewählt und wandernd über den Hopfenberg erreicht oder im schönsten Sonntagsstaat flanierend auf der Poller Chaussee.

„Lichtensruh wurde gerne besucht, hier ging man auch zum Tanzvergnügen hin. Und dann wurde gesungen: „Ein Mädchen von der Weser und Allersheimer Bier, sowas gibt’s nicht am Rhein, sowas gibt es nur hier“, erzählt der 89jährige Friedrich Keese, der heute in Hameln wohnt. Andere erinnern sich noch gut daran, dass sie dort als Konfirmanden ihren ersten Schnaps tranken. Und auch für Kutschen und Pferdewagen war die Gaststätte ein willkommener Haltepunkt, wenn der Kutscher eine Pause brauchte und Durst verspürte. Es heißt sogar, eine unsichtbare Macht habe die Pferde dort immer von alleine anhalten lassen. Heinrich-Albert Lichte aus Pegestorf, Heinrich Lichtes Enkel, hatte mit der Gaststätte nicht direkt zu tun, weiß aber auch, dass Lichtensruh für Sonntagsausflüge, Feste und Feiern gern gewählt wurde. Er berichtet: „1953 nach dem Tod meines Großvaters hat mein Onkel Hans die Gaststätte übernommen und sie etwa bis in die 70er-Jahre geführt.“ Zu jener Zeit wurde die Gaststätte scherzhaft auch in „Hänschens Ruh“ umbenannt.

In den achtziger Jahren war es dann mit der Seriosität des Hauses vorbei, „Damen“ zogen hier ein. In „Rosis Nachtbar“ wurden nun auch andere Bedürfnisse erfüllt. Nach Schließung des Etablissements begann der Zerfall des Gebäudes. Es fand sich kein Investor mehr für das abseits aller Ansiedlungen gelegene Gebäude.

Das ehemalige Gasthaus Lichtenruh wird heute kaum noch wahrgenommen. Fotos. kb

So konnte das Unkraut ungestört wachsen. Es sprießt nicht nur am Fuße des Gebäudes, auch Schornstein und Dachrinne sind bewachsen und zur Weserseite ist durch Büsche und Ranken kaum noch etwas vom Haus zu sehen. Zur Straße hin sind die unteren Fenster und auch das zweiflügelige Eingangstor mit Brettern vernagelt. Mengen von Abfall liegen rund um das Gebäude verteilt. „Gasthaus-Lichtensruh“ ist noch schwarz auf weiß an der Straßenseite zu lesen. Doch ein Interesse an dem Gebäude ist nicht mehr vorhanden. Oder doch? Im Internet dient es einer Geocatching-Gruppe als Ziel und heißt „Schlumpfhaus Lichtensruh“. Dort heißt es: „und so versteckt sich unser Schlumpf an einem Ort, dessen einstiger Glanz längst erstickt und dessen bloße Existenz den meisten unbekannt ist, dessen verzaubernder Nervenkitzel aber doch noch jene lockt, die Dunkel und Vergangenheit nicht fürchten. Wenn ihr das Wagnis schlumpfen wollt, begebt euch etwas abseits des zuvor hier befindlichen Refugiums der Dirne zur vormaligen Laube, sucht nach einstiger Strömung und folgt den Hinweisen durch das offene Portal in die Geschichte!“

Das „Refugium der Dirne“ hat sich heute etwas verlagert, das Love-Mobil, der Wohnwagen mit dem roten Herz, steht nun schon seit Jahren auf dem Parkplatz neben dem Gebäude. Das einst gut besuchte und beliebte „Gasthaus Lichtensruh“ ist in Vergessenheit geraten, wird im Vorbeifahren kaum noch wahrgenommen und ist heute nur noch Ausflugsziel für abenteuerlustige Besucher des „Schlumpfhaus - Lichtensruh“.



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