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Dennoch gibt Untere Naturschutzbehörde Entwarnung: Keine Panik um Jakobskreuzkraut machen!

Eine Wildblume voller Tücken

Bodenwerder-Polle. Mit seinen gelben Blüten ist es derzeit an Straßenrändern und auf Wiesen kaum zu übersehen, nachdem die meisten Wildblumen in der freien Natur verblüht sind: Das Jakobskreuzkraut. Doch der hübsche Körbchenblüher hat es in sich: Er ist eine Giftpflanze, die beim Verzehr zum Tod bei Mensch und Tier führen kann. Die Giftstoffe reichern sich in der Leber langsam an und enden dann in chronischen Krankheitsprozessen. Die Pflanze ist nicht nur im frischen Zustand giftig, die Alkaloide werden auch nach Heu- und Silagebereitung nicht abgebaut. Gefahr für Rind und Pferd also, und 2010 soll sogar ein Landwirt im Allgäu das Jakobskreuzkraut mit Heilpflanzen verwechselt haben und an Vergiftung gestorben sein.

veröffentlicht am 17.08.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 13:41 Uhr

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Autor:

Henry Griesefell
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Doch während viele in der Blütenpflanze, die übrigens immer schon in der heimischen Flora vorkam, eine akute Gefährdung für Vieh, Pferde und Menschen sehen und in den vergangenen Jahren eine rapide Ausbreitung im Raum Bodenwerder beobachtet haben wollen, winkt Michael Buschmann von der unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Holzminden ab: „Wir konnten nicht bestätigen, dass sich die Pflanze in unserem Raum übermäßig ausgebreitet hat. Und dass ihre Giftstoffe über das Viehfutter auch in die menschliche Nahrungskette gelangen können, ist völliger Blödsinn“, so der Fachmann. Er ist der Ansicht, das um das Jakobskreuzkraut in den vergangenen Jahren „viel zu viel Panik gemacht“ worden sei.

So wurde im benachbarten Kreis Höxter sogar bereits eine Bürgerinitiative zur Bekämpfung der Giftpflanze gegründet. Doch auch wenn das Kraut keine meldepflichtige Pflanze ist, so gehe die Untere Naturschutzbehörde Meldungen besorgter Bürger wegen großer Ausbreitungen immer nach, so Buschmann. So habe es beispielsweise bei Bevern stark besiedelte Brachflächen gegeben, die dann vom Kreis frühzeitig gemäht wurden, so der Sachgebietsleiter im Kreishaus. Vielfach beruhten Alarmmeldungen aber auf Verwechslungen, beispielsweise mit dem jetzt auch noch blühenden Johanniskraut.

Das Tückische am Jakobkreuzkraut ist, dass es sehr hartnäckig und schwer zu bekämpfen ist. Sobald man die blühende Pflanze abschneidet, entwickelt sie eine sogenannte Notreife. Es kommt also innerhalb weniger Stunden bis zu einigen Tagen zur Samenbildung. Die Pflanze kann bis zu 150 000 Samen bilden, die sich durch Wind, landwirtschaftliche Maschinen oder ähnliches verbreiten und bis zu 20 Jahre überleben können. Man sollte das Jakobskreuzkraut am besten von Hand rausziehen oder ausstechen. Wichtig dabei ist, die Pflanze danach nicht auf der Wiese liegen zu lassen. Kompostieren sollte man sie auch nicht, da sie sich neu verwurzelt und weiterleben kann. Entsorgen sollte man sie deshalb möglichst über den Restmüll beziehungsweise in einer Müllverbrennungsanlage.

Trotzdem sei es vorerst wichtig, keine Hysterie um eine Pflanze zu verbreiten, die immer da war und nicht die einzige Giftpflanze ist. Schließlich sei das Jakobskreuzkraut kein ,,Neubürger“, der die heimische Flora verdrängt, sondern eine einheimische Pflanze, die es hier immer auf Grünland und Weiden gab. ,,Die Pflanze ist Bestandteil der einheimischen Flora, und es gibt bei uns weitaus giftigere Gewächse“, so Buschmann.

Das gelbblühende Jakobskreuzkraut ist jetzt wieder an Straßenrändern und auf Viehweiden zu sehen. Es ist eine nicht zu unterschätzende Giftpflanze, die sich ungezügelt ausbreiten kann. hg



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