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Zeitreise mit Moorkahn: Dielenboot mit historisch gekleideter Besatzung zieht Blicke auf sich

Ein Stück Schwarztorf als Geschenk

Bodenwerder. Im historisch anmutenden Gewand des „Königlichen Moorkommissars Jürgen Christian Findorff“ flaniert Matthias Mahnke am Weserufer in Höhe des Werfthofes entlang und weiß spannende Geschichten zu erzählen vom früher unwegsamen, sagenumwobenen Teufelsmoor rund um Worpswede und dessen staatlich verordneter Besiedelung. „Im Auftrag des Königs Georg II. von Hannover wurden ab 1750 gezielt Dörfer angelegt und Entwässerungsgräben ausgehoben. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bildete dieses System aus schiffbaren Kanälen das einzige Wegenetz, auf dem die Moorbauern mit Torfkähnen unterwegs waren.“ Als hätte sie aufs Stichwort gewartet, ruft in diesem Moment Kristin Dobberstein von der Touristik-Agentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser „Sie kommen!“. Radtouristen, die Mitglieder des Werfthof-Trägervereins „Moby Dick“, einige Schaulustige und Bodenwer-ders Bürgermeisterin Elke Perdacher eilen zum Bootsanleger und beobachten das Anlegemanöver des Torfkahns „Jan von Adolphsdorf“. Das schwarze Dielenboot mit dem großen, braunen Stoffsegel und die historisch gekleidete Besatzung ziehen die Blicke auf sich, lassen die Augen der Fotografen leuchten. „Ein Motiv wie aus einer anderen Zeit“, murmelt jemand. Seit dem 9. Mai sind Mitglieder des Vereins Adolphsdorfer Torfschiffer e.V. und ein kleines Touristik-Team auf der Oberweser unterwegs – auf Werbetour sozusagen. Am Spätvormittag in Holzminden gestartet, erreicht die Gruppe gegen 15 Uhr die Münchhausenstadt. Zur Begrüßung haben die Damen des Vereins „Moby Dick“ Kaffee und Kuchen vorbereitet, ist das grüne Tor des Werfthofes für eine Besichtigung von Schifffahrtsmuseum und Weseraquarium weit geöffnet. Moorkommissar Jürgen Christian Findorff reicht den Damen galant seinen Arm, damit sie gefahrlos an Land gehen können. Für Bürgermeisterin Elke Perdacher hat Skipper Martin Brünjes ein Stück Schwarztorf mitgebracht. „Die wichtigste Erwerbsquelle für die Moorbauern war der Verkauf des gestochenen und getrockneten Torfes als Heizmaterial. Bäckereien, Gärtner oder Privatkunden, vorwiegend in Bremen und entlang der Unterweser, nahmen den Brenn- oder Schwarztorf ab, den die Moorbauern mit ihren Halb-Hunt-Kähnen aus Eichenholz über die Wasserwege anlieferten“, erzählt Brünjes. Von Torfabbau lebt im Teufelsmoor heute niemand mehr, das einzigartige Feuchtbiotop steht unter Naturschutz und spielt als großer Kohlendioxyd-Speicher eine bedeutende Rolle für den Klimaschutz. Der Tourismus ist heute wichtiger Wirtschaftsfaktor für den oberhalb der Hansestadt Bremen gelegenen Land-kreis Osterholz-Scharmbeck – und die Zeitreisen mit Torfkahn und Moorexpress üben besondere Magnetwirkung aus. Fürchten muss sich im Teufelsmoor niemand. „Das Wort stammt vom Niederdeutschen ,duven‘, was soviel bedeutet wie taub oder unfruchtbar“, so der Moorkommissar.saw

veröffentlicht am 15.05.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:21 Uhr

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