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Ein Schutzengel ist in Kundus sein ständiger Begleiter

Von Inken Philippi

Hohe. Nils-Holger Eilers ist ein Familienmensch. Der hochgewachsene, blonde Mann verbringt gern Zeit mit seinen drei Söhnen und seiner Frau und liebt das Leben in seinem Heimatdorf in Hohe am Feldberg. Klingt alles ganz übersichtlich und beschaulich, ist es auch, nur die Monate von März bis Juli verbrachte die Familie dieses Jahr im Ausnahmezustand: 123 Tage war der 38 Jahre alte Hauptfeldwebel der Bundeswehr im freiwilligen Auslandseinsatz in Kundus in Nordafghanistan.

veröffentlicht am 06.11.2009 um 18:47 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 23:41 Uhr

soldat
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Von Inken Philippi

Hohe. Nils-Holger Eilers ist ein Familienmensch. Der hochgewachsene, blonde Mann verbringt gern Zeit mit seinen drei Söhnen und seiner Frau und liebt das Leben in seinem Heimatdorf in Hohe am Feldberg. Klingt alles ganz übersichtlich und beschaulich, ist es auch, nur die Monate von März bis Juli verbrachte die Familie dieses Jahr im Ausnahmezustand: 123 Tage war der 38 Jahre alte Hauptfeldwebel der Bundeswehr im freiwilligen Auslandseinsatz in Kundus in Nordafghanistan.
 Das ist nicht um die Ecke, knapp 6000 Kilometer trennten den Soldaten in dieser Zeit von Familie und Heimat. „Wir haben uns sehr lange auf diesen Einsatz vorbereitet“, erklären Eilers und seine Frau Rabea. Trotzdem bleibt die brennende Frage: „Warum geht ein Familienvater freiwillig nach Afghanistan?“ Die Antwort kommt prompt: „Ich bin Berufssoldat. In diesem Fall gab es außerdem eine sehr lange Vorlaufzeit bis zum Einsatz und ich wurde nicht kurzfristig abkommandiert.“ Im Lager Kundus versieht der Hauptfeldwebel ausschließlich Innendienst. „Das birgt schon ein vergleichsweise geringeres Risiko“, ergänzt seine 38 Jahre alte Ehefrau. Wäre ihr Mann außerhalb des Lagers auf Patrouille gefahren, hätte sie den Einsatz nicht mitgetragen.
 Die Bundeswehr bereitet den Hauptfeldwebel und seine Familie auf den Einsatz vor. Eilers entschließt sich, ein Tagebuch zu führen. Er verfasst ein Testament. Gemeinsam informieren die Eltern die Lehrer ihrer Söhne Cedric (11) und Timon (7) über den Auslandseinsatz des Vaters, der drei Jahre alte Finn ist noch im Kindergarten. Dann kommt der Tag der Abreise und der Abschied wird ein bisschen schwerer als gedacht. Plötzlich fließen doch Tränen. Nicht alle Verwandten können die Entscheidung der Familie verstehen, trotzdem wollen sie Holger und vor allem Rabea während des Einsatzes unterstützen.
 Von Köln über Termez in Usbekistan reist Eilers nach Kundus. Das so genannte Provincial Reconstruction Team Kunduz ist im Rahmen des Nato-Bündnisses der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan – kurz ISAF – unterstellt. Vorrangiges Ziel der Truppen vor Ort ist es, die Sicherheitslage in den nördlichen Provinzen zu stabilisieren.
 Während seines Aufenthaltes befinden sich ungefähr 800 deutsche und rund 30 belgische Soldaten im Lager. Gemeinsam mit zehn Soldaten aus dem Sanitätszentrum Höxter tritt der Hauptfeldwebel seinen Dienst am Hindukusch an. Er selbst wird als Spieß in der Sanitätskompanie eingesetzt.
 Als „Mutter der Kompanie“ muss sich der 38-Jährige um logistische Abwicklungen mit Deutschland kümmern. Materiallieferungen, Flugkoordinierung und Kontingentwechsel sowie die Truppenbetreuung liegen in seinen Händen. Am 16. März übernimmt er die Dienstgeschäfte. Er bekommt eine Zweimannstube zum Schlafen. Damit geht es ihm gut, andere Soldaten verbringen ihre gesamte Zeit in Afghanistan im Zelt. Zunächst laufen die Dinge ruhig und geordnet ab. Dann holt den Neuankömmling schnell die Realität ein.
Tagebucheintrag vom 25. März: Heute zeigt sich der Himmel von seiner besten Seite. Um 18.30 Uhr waren alle beim Standortpfarrer geladen zur wöchentlichen Runde, als sich der Stabsfeldwebel duckte. Wir hörten ein kurzes Pfeifen, gleich im Anschluss eine Detonation, die nicht weit weg gewesen sein konnte. Es war 19.10 Uhr. Wir liefen sofort zum nächsten Schutzbau. Bunkeralarm wurde ausgerufen, die Lagersirene heulte. Gegen 21.00 Uhr kehrte ich zurück ins Rettungszentrum. Dem Oberleutnant stand der Schreck noch ins Gesicht geschrieben, als er zu mir sagte: „Spieß, das war knapp!“ Er spielte Skat, als die Rakete 20 Meter von unseren Containern einschlug und detonierte.

 

Den kompletten Text lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Dewezet.

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