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„Atelierkate Magda“ – Der Maler Rudolf Draheim belebt das ehemalige Harlan-Haus

Ein renommierter Expressionist in Hohe

HOHE/BERLIN. Der Maler Rudolf Draheim, international als renommierter Expressionist bekannt, belebt das ehemalige Harlan-Haus in Hohe. Dort will er für jeweils sechs Monate im Jahr leben und in seiner „Atelierkate Magda“ werken.

veröffentlicht am 09.02.2017 um 15:40 Uhr
aktualisiert am 09.02.2017 um 18:00 Uhr

Mit Freunden, den neuen Nachbarn und Mitgliedern der Familie Harland feiert Rudolf Draheim die Einweihung der „Atelierkate Magda“. Über allem schwebt Maria Magdalena. Foto: saw
Sabine Weiße (saw)

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Sabine Weiße Reporterin
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„Dieses kleine Fachwerkhaus ist noch immer erfüllt vom guten Geist, von der ganz besonderen Musikalität seiner früheren Bewohner“, schwärmt der neue Hausherr und reicht bei klirrender Kälte und strahlendem Sonnenschein gemeinsam mit seiner Tochter Monika Egger Sekt in die Runde. Und Viola Harlan, bis vor kurzem Eigentümerin des seit 2009 unbewohntem Gebäudes, ist glücklich: „Es hat sich gelohnt, auf jemanden zu warten, der sich so richtig in dieses Häuschen verliebt.“ Bei dem „Verliebten“ handelt es sich um den international renommierten Expressionisten Rudolf Draheim. Trotz vieler Engagements in zahlreichen Ländern, unter anderem im Herbst 2014 im chinesischen Chengdu, ist er tief in Bodenwerder verwurzelt. Er wird künftig dort kreativ sein, wo von 1995 bis 2009 die Musikerin Erika Harlan und der Instrumentenbauer Till Harlan (bis 1997) lebten. „Ich plane, etwa sechs Monate im Jahr in Hohe zu arbeiten – und die anderen sechs in Berlin“, so der viel beschäftigte Maler und Kurator. In Berlin-Charlottenburg hat er seit Langem ein Atelier.

Zur kleinen, privaten Einweihung seiner „Atelierkate Magda“ an der Hoher Pforte 32 hat Rudolf Draheim vor allem Freunde, die neuen Nachbarn und Familie Harland eingeladen, die mit großer Abordnung in das kleine Dorf gereist ist. Gerade setzt der Gastgeber zur Begrüßungsrede an, da schlagen die Glocken der benachbarten Kirche zur Mittagsstunde. Fast erscheint es wie ein übersinnlicher Willkommensgruß. Draheim: „Hier bin ich ganz nah an der Wirkungsstätte meines Mentors Bruno Schmitz, der mich mein Leben lang auf fast Zen-buddhistische Weise gelenkt hat.“ Schmitz unterhielt zeitweise ein Atelier im Hoher Pfarrhof, wo unter anderem der Brunnen „Das halbe Pferd“ entstand – bis heute eines der beliebtesten Fotomotive in der Münchhausenstadt.

Rasch ist der Bogen von Hohe auch zur Klosterkirche nach Kemnade gespannt, wo sich Draheim und Schmitz einst innig austauschten, als der sanierungsbedürftige Altar für den Transport in eine Restauratorenwerkstatt nach Göttingen reisefertig gemacht werden musste. Dort, wo Ursprung und Wurzel Draheims künstlerischer Berufung liegen, zieren seit April 2015 das großformatige, zweiteilige Ölbild „Die Welt“ und zwei Stelen die Westwand des Seitenschiffs. „Das Schicksal geht mitunter verschlungene Pfade“, sinniert der 76-Jährige.

Auf dem Kaminsims erinnert eine Flötensammlung an die früheren Bewohner, die Harlans. Foto: saw

Gemeinsam mit Viola Harlan enthüllt Rudolf Draheim eine dezente Erinnerungstafel an Till und Erika Harlan. „Möge der gute Geist der beiden auch mein Wirken beflügeln.“ Mit der Tafel wolle er zwei Menschen ehren, die sich „rege in das musikalische Leben der Region eingebracht haben“. Eine wahre Meisterin auf der Flöte sei Erika Harlan gewesen, weiß Dörte Meinel aus Hohe zu erzählen. „Im Blockflöten-Ensemble von Kantorin Christiane Klein hat sie eine bedeutende Rolle gespielt, war sofort mit jeder Art von Flöte vertraut.“ Auch an Auftritte von Till Harlan und seiner Musikgruppe „Florilegium“ kann sich Dörte Meinel erinnern. Langsam wird die Kälte doch ungemütlich, die kleine Festgesellschaft zieht samt Sekt und Canapees ins Innere um. Viola Harland freut sich, dass das große Wandregal, der Läufer aus dem einstigen Schlafzimmer ihrer Eltern und die reiche Instrumentensammlung auch im Hause Draheim ihren Platz behalten. Flöten, Trommeln, ein Akkordeon: „Die Musik liegt in der Luft des Hauses“, ist Rudolf Draheim überzeugt. Was dieser charismatische Neubürger alles vorhat: Voranbringen will er den Dialog der Religionen, Künstler zum Austausch ins Weserbergland holen. Und natürlich selbst Kunst schaffen. Treue Begleiterin dabei wird ihm Maria Magdalena sein – in Gestalt eines Reliefabdrucks hat Rudolf Draheim die in der Theologie und Kulturwissenschaft vielfältig interpretierte Persönlichkeit über der Eingangstür positioniert. Quasi als tägliche Quelle der Inspiration.



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