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Musiker überzeugen mit historischen Instrumenten

Ein Oratorium kehrt zurück

KEMNADE. Es war recht still geworden um das 1825/26 entstandene, einst viel gespielte Oratorium „Die letzten Dinge“ von Louis Spohr – aber mittlerweile wird es neu entdeckt.
Auch in Kemnade haben die Zuhörer dieses Werk am Samstag nun neu erlebt – in einer glanzvollen Aufführung in der Klosterkirche St. Marien unter der Leitung der dortigen Kantorin Christiane Klein.

veröffentlicht am 25.11.2018 um 18:00 Uhr

Das Oratorium „Die letzten Dinge“ war am Samstag in Kemnade zu hören. Foto: wfx
Holländer1

Autor

Ernst-Wilhelm Holländer Reporter
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Diese Musikerin hat sich schon mehrfach als „Schatzgräberin“ bewährt und mit ihrer Kantorei Bodenwerder beachtliche Leistungen erbracht. Um nun ein so komplexes Werk aufzuführen, reichten die heimischen Möglichkeiten nicht aus, und so verbanden die heimischen Musiker sich mit der Kantorei aus Bad Pyrmont.

Louis Spohr war ein auch heute noch viel zu wenig beachteter Violinist und Komponist, dem die Musikwelt zahlreiche Werke zu verdanken hat. So enthält das Oratorium „Die letzten Dinge“ herrliche und hörenswerte Musik. Es füllt allerdings mit einer Spieldauer von etwas mehr als einer Stunde keinen kompletten Konzertabend, daher so wurde ihm eine der berühmtesten Sinfonien vorangestellt: Franz Schuberts geniale „Unvollendete“ in h-moll.

Den instrumentalen Part des Abends übernahm das Ensemble Antico mit der Konzertmeisterin Annika Yildiz. Es musizierte auf historischen beziehungsweise nachgebauten Instrumenten, die einen sehr authentischen Klang erzeugen. Schuberts Meisterwerk wirkte so besonders eindringlich, wenn auch bei den Streichern etwas unterbesetzt. Sehr schön klangen auch die Holzbläser und Hörner im langsamen Satz.

Sodann spielte als Hauptteil das Oratorium „Die letzten Dinge“ von Louis Spohr, dessen Texte, passend zum Ewigkeits-Sonntag, überwiegend aus der Offenbarung des Johannes stammen. Den entscheidenden Anteil haben die Chorsätze, die von schlichter zu Herzen gehender Melodik über fugierte Passagen zu packender Dramatik reichen. In langer Probenzeit haben die Sänger der beiden Kantoreien eine beachtliche Qualität erreicht. Sie gestalteten ihre Aufgaben mit sicherer Intonation, weitgespannter Dynamik und guter Textverständlichkeit.

Die Zuhörer erlebten den Einsatz von jungen Solisten, die sämtlich an der Detmolder Musikhochschule studiert haben. Mit leuchtender Sopranstimme überzeugte Cosima Henseler herrlich in den Ensemble-Szenen. Anne Mey gestaltete die verhältnismäßig kurzen Alt-Einsätze tragend. Dem Tenor sind wichtige Soli anvertraut: Lennart Hoyer lieh ihnen seine bis in die Höhenlage sichere Stimme. Was schließlich der Bassist besonders in dem langen begleiteten Rezitativ zu Beginn des zweiten Teils zu leisten hat, dafür stand eindrucksvoll Andreas Post.

Christiane Klein, die sorgsame und inspirierende Leiterin, ist im optischen Eindruck eher recht bescheiden. Wer sie kennt, wer ihr klares Dirigieren ohne Taktstock beobachtet, auch ihre Gesten und sicheren Einsätze sieht, der weiß, welcher beherrschende Anteil am Gelingen einer solchen Aufführung ihr zuzuschreiben ist! Der herzliche Beifall der Hörer in der voll besetzten Klosterkirche mochte ihr das deutlich genug beweisen.



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