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Dialysezentrum am Krankenhaus in Holzminden erweitert das Angebot um Termine auch am Abend / Viele Patienten aus dem Umland

Ein kleines Stückchen mehr an Normalität für die Betroffenen

Holzminden (bs). Claudia Martin serviert belegte Brötchen. Im Fernsehen läuft das Vorabendprogramm. Arnold Rassmann, Margarete Stanchly, Horst Busche und Manfred Sievers richten sich auf einen langen Abend ein. Mit Schnittchen, Fernsehunterhaltung und der Maschine, die ihnen das Weiterleben garantiert. Die vier sind Dialysepatienten, müssen dreimal wöchentlich zur Blutwäsche. Das Dialysezentrum Holzminden, am Evangelischen Krankenhaus in der Erwin-Böhme-Straße gelegen, ermöglicht ihnen jetzt noch ein Stückchen mehr Normalität. Dr. Rolf Zimmermann und Dr. Ursula Wieneke-Shaw und ihr Team bieten seit Beginn des Jahres auch Dialysetermine bis 23 Uhr an. Ein Segen für Berufstätige wie Arnold Rassmann, der bei der Telekom in Hannover arbeitet. Der Einkäufer ist seit 2003 auf die künstliche Niere angewiesen.

veröffentlicht am 17.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 18:41 Uhr

Arnold Rassmann (r.) und Margarete Stanchly fühlen sich bei Dr.
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Dreimal in der Woche wird Arnold Rassmann mit der Maschine verkabelt, die das leistet, was seine Nieren nicht mehr leisten können: In rund fünf Stunden filtert sie das Blut, entzieht dem Körper so Giftstoffe und überschüssiges Körperwasser, gleicht die Blutsalze, die Elektrolyte, aus. Montags, mittwochs und freitags ist für Arnold Rassmann Dialysetermin. Nach Feierabend, um 18 Uhr, begibt er sich in die Hände von Krankenschwester Claudia Martin. „D‹ank der Abendtermine kann ich Beruf und Dialyse viel besser unter einen Hut bringen“, freut sich Arnold Rassmann über das Angebot.

Manfred Sievers, der neben ihm liegt, während sein Blut gereinigt wird, nickt. Sievers ist zwar Rentner, auf einen Abendtermin nicht unbedingt angewiesen, doch das neue Angebot erhöht auch für ihn die Lebensqualität. „Dialyse ist ermüdend“, berichtet der Rentner. Nach dem Fünf-Stunden-Marathon an der künstlichen Niere fällt er zu Hause ins Bett – „und am anderen Morgen bin ich fit“.

Seit 1997 gibt es das Dialyse-Zentrum in der Erwin-Böhme-Straße in Holzminden. Zuvor mussten die nierenkranken Kreis-Holzmindener für eine Blutwäsche weit fahren, wurden so durch ihre schwere Krankheit komplett aus dem Alltag gerissen. Heute sind die Wege kürzer, nutzen auch Patienten aus Einbeck, Bad Pyrmont, Hildesheim und Höxter die nephrologische Praxis. Montags, mittwochs und freitags die einen, dienstags, donnerstags und sonnabends die anderen. Regelmäßigkeit ist Pflicht und eine gesunde Ernährung.

Horst Busche kennt seinen Körper genau. „Seit 1984 mache ich das mit“, erzählt er und für einen Moment verschwindet das verschmitzte Lächeln aus seinem Gesicht. Zwei Transplantationen hat Horst Busche hinter sich. Jetzt ist er wieder auf die künstliche Niere angewiesen. „Ich appelliere an die Leute, sich einen Organspendeausweis zu besorgen“, betont Busche ernst, „es wird doch vor einer Organentnahme ganz genau und von mehreren Ärzten geprüft, ob der Tod eingetreten ist“.

Statistisch gesehen dauert es fünf Jahre nach dem Beginn der Dialyse, bis für die Nierenkranken eine Spenderniere zur Verfügung steht, rechnet Dr. Rolf Zimmermann vor. Rund zehn bis 15 Prozent seiner Patienten hätten durch eine Nierentransplantation bislang die Chance auf ein neues, ein weitgehend unbelastetes Leben erhalten. Zimmermann, der im Konsiliardienst auch für das Evangelische Krankenhaus Holzminden tätig ist, kennt die Schicksale auf der Intensivstation. Wenn die Nieren akut versagen, hilft auch dort die künstliche Niere. Kehrt nach einem akuten Nierenversagen die Leistungsfähigkeit der Organe oftmals wieder zurück, sind Patienten bei einer chronischen Erkrankung der Nieren dauerhaft auf die Dialyse angewiesen. Wenn mehr als 90 Prozent der Nierenleistung verloren gegangen sind, muss die Maschine die Arbeit übernehmen. Und ist der Patient mehr als drei Monate dialysepflichtig, wird er auch auf Dauer in irgendeiner Form auf den Nierenersatz angewiesen sein.



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