weather-image
21°
Berliner Künstler hat Interesse

Ein Käufer für Bodenwerders Pfarrhaus

BODENWERDER. Mit seinen insgesamt 407 Quadratmetern Nutz- und Wohnfläche ist das Haus am „Corvinusgang 3“ schon ein imposanter Fachwerkbau. Dazu ein geschichtsträchtiges Gebäude für Bodenwerder. Umso schwieriger schien es, das Haus künftig angemessen zu nutzen. Jetzt scheint ein potenzieller Käufer gefunden.

veröffentlicht am 17.04.2017 um 16:07 Uhr

Der Künstler Rudolf Draheim fixiert an der Kirche eines seiner Bilder. Er könnte der neue Besitzer des evangelischen Gemeindehauses von Bodenwerder werden. Foto: saw
Joachim Zieseniß

Autor

Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
Weiterlesen mit Ihrem Digital-Abonnement
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Erbaut im Jahre 1750, beherbergte das Haus bis zur Auflösung des selbstständigen Kirchenkreises Bodenwerder die Superintendentur. Bodenwerders letzter Superintendent Dietrich Erdmann bewohnte die oberen Etagen. Im Erdgeschoss sind bis heute das Gemeindebüro, die Diakonie und in einem Anbau Richtung Getrudiskapelle „Die Tafeln“ untergebracht.

Nach dem Auszug von Bodenwerders letztem Superintendenten waren die geräumigen beiden Obergeschosse bis zum Juli 2015 an eine Familie vermietet. Nach deren Auszug stand aber fest, dass an eine Weitervermietung wegen Sanierungsstaus und baurechtlicher Auflagen nicht zu denken war, erklärt Christiane Sahm, Vorsitzende des Kirchenvorstandes: „Wir hatten einen Architekten beauftragt, ein Nutzungskonzept zu erarbeiten. Ein Umbau hätte rund eine halbe Million gekostet. Doch das Geld hat die Gemeinde nicht.“

Und so hat sich der Kirchenvorstand dazu durchgerungen, sich von der Immobilie zu trennen: „Schweren Herzens“, wie Christiane Sahm betont. Denn eine Nachnutzung müsse schließlich auch der ehemaligen Würde des Gebäudes angemessen sein. „Viele in der Gemeinde hängen an dem Haus in unmittelbarer Nähe der Stadtkirche; eine Spielothek wäre da nicht am richtigen Platz.“ Man hätte das denkmalgeschützte Haus daher auch gern behalten, erklärt die Kirchenvorstandsvorsitzende. Das Kirchenkreisamt hätte aber dringend empfohlen. Und doch sei es notwendig, sich von der zu großen Immobilie zu trennen, zumal es für die erforderliche Haus-Renovierung keine Zuschüsse von der Landeskirche gibt.

Bodenwerders evangelisches Gemeindehaus steht schon länger zum Verkauf. Mit Rudolf Draheim scheint jetzt ein Kaufinteressent für das historische Gebäude gefunden, der eine angemessene Nachnutzung sicherzustellen verspricht. Foto: joa
  • Bodenwerders evangelisches Gemeindehaus steht schon länger zum Verkauf. Mit Rudolf Draheim scheint jetzt ein Kaufinteressent für das historische Gebäude gefunden, der eine angemessene Nachnutzung sicherzustellen verspricht. Foto: joa

Seit vorigem Herbst laufen nun die Versuche, einen Käufer für die ehemalige Superintendentur Bodenwerder zu finden. Der Preis für das Gebäude auf dem 1038-Quadratmeter-Grundstück soll 125 000 Euro betragen. Der angegebene Kaufpreis ist der gutachterlich festgelegte Verkehrswert. Das Grundstück wird zum Höchstgebot angeboten. Aber sowohl Anzeigen in der Dewezet als auch auf der Immobilien-Plattform der Evangelischen Kirchen blieben bislang erfolglos. „Lediglich zwei Immobilienmakler haben sich gemeldet, die das Haus weitervermitteln wollten“, erklärt Christiane Sahm.

Als Glücksfall empfindet es der Kirchenvorstand daher, dass der Berliner Künstler Rudolf Draheim, der der Münchhausenstadt eng verbunden ist, sein Interesse an dem historischen Gebäude bekundet hat. Draheim, ein international renommierter abstrakter Maler, hat erst unlängst ein Haus als Zweitwohnsitz – als „Magda-Atelierkate“, wie er es nennt – in Hohe an der Hoher Pforte 32 erworben.

Rudolf Draheim wurde 1941 in Debno, damals Westpreußen, geboren und lebt und arbeitet heute in Berlin. Er kam 1949 mit seiner Familie nach Bodenwerder, wo er seine Jugend verbrachte. Draheim fand nach Umwegen über Studien unter anderem der Physik und der Religionswissenschaften 1981 schließlich zur Malerei. In seinen Bildern lässt er explosive Farblandschaften entstehen, die dem Betrachter Spannung und Entspannung zugleich bieten können.

Mit seinen Werken in Bodenwerder bekannt geworden ist Rudolf Draheim bereits mit Ausstellungen im Museum Bodenwerder und 2015 in der Klosterkirche Kemnade, wo er das zweiteilige Ölbild „Die Welt“ sowie seine „Periakten“ (zwei drehbare Prismen, die an allen drei Seiten unterschiedlich bemalt sind) in einer eindrucksvollen Vernissage vorstellte.

In der historischen Superintendentur könnte nach deren Erwerb ein Kunst- und Kulturzentrum entstehen, das auch eine Galerie enthalten soll. Christiane Sahm erklärt, dass sich der Künstler auch eine Nutzung der angrenzenden Gertrudis-Kapelle, die derzeit als Sorgenkind im Besitz der Stadt ist, vorstellen könnte. „Draheim, der ein Objekt für seine Zwecke in Bodenwerder sucht, ist fasziniert von der Atmosphäre unseres Gemeindehauses. Wir sind da in konkreten Verhandlungen. Aber noch ist nicht alles in trockenen Tüchern.“

Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes ist der Meinung, dass ein solches Kulturzentrum in Verbindung mit dem Münchhausen-Gutshof und dem -Museum für Bodenwerder-Touristen ein Anziehungspunkt werden könnte.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare