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„Wir sind mehr als bloß Münchhausen“

Ein Jahr Stadtdirektorin Tanya Warnecke

BODENWERDER. Ist Stadtdirektorin ein Traumjob? Tanya Warnecke, Jahrgang 1975, braucht nicht mal eine Sekunde um zu antworten. „Ja natürlich. Weil die Arbeit so vielseitig und Bodenwerder ein schöner Ort ist. Immer wenn ich aus dem Urlaub zurückkehre und an der Promenade langgehe, sage ich mir, dass ich eigentlich gar nicht wegfahren bräuchte.“ Für die gelernte Bankfachwirtin und Mutter von vier Kindern ist die Münchhausenstadt „ein Wohlfühlort.“

veröffentlicht am 18.10.2017 um 16:02 Uhr

Stadtdirektorin Tanya Warnecke vor dem Gemälde des Freiherrn. Foto: eaw
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Autor

Ernst August Wolf Reporter
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Seit einem Jahr steht die aus Emmerthal stammende Vikilu-Absolventin an der Spitze der Stadtverwaltung. „Insgesamt vier Ressorts und etwa 120 bis 140 Mitarbeiter“, überschlägt sie, und muss bei der Frage wie laut denn der Amtsschimmel in Bodenwerder wiehere, lachen. „Das läuft natürlich anders als in einer Bank“, erklärt Warnecke. „Langsamer eben. Aber wir arbeiten dran, dass es schneller geht.“ Eine Frau als Verwaltungschefin? „Das macht bestimmt einen Unterschied, aber das ist wohl eher eine Generationsfrage. Früher gab es in dem Job meist ältere Herren kurz vor der Pensionierung. Ich stehe mitten im Leben“, sagt Warnecke. Verwaltung, das ist für die Christdemokratin, die schon seit Schultagen Parteimitglied ist, ihr aktives Engagement aber erst „vor fünf oder sechs Jahren“ begonnen habe, in erster Linie Teamarbeit. „Hierarchie muss sein, ja, aber die Entscheidungen werden in den Fachbereichen im Team erarbeitet“, stellt sie klar.

Nachdrücklich lobt Warnecke die gute Zusammenarbeit mit der Politik. „Die Probleme, die wir haben, werden auf der kommunalen Ebene nicht parteipolitisch, sondern übergreifend und pragmatisch angegangen. Und die große Politik spielt hier sowieso keine Rolle.“

„Mein Terminkalender ist vollgepackt. So 70 bis 80 Stunden in der Woche werden das schon. Und am Samstag und Sonntag sind die repräsentativen Termine dran.“ Ihre Arbeit und ihr Leben, das sei eigentlich eins, so Tanya Warnecke, die jedoch auch für ihre Hobbies – Pilates und Zumba - Zeit findet und keinesfalls den Eindruck einer rastlosen Workaholikerin macht. Ganz im Gegenteil. Die Verwaltungschefin strahlt Ruhe und Kompetenz aus. „Auf die Menschen zugehen, zuhören, Kritik aushalten können, und sich in Netzwerke konstruktiv einbringen“, das seien die Fähigkeiten, die in ihrem Job gefragt seien.

Die lokalen Reizthemen? Zum einen ganz sicherlich die Bebauung der Weserpromenade. Da steige man jetzt im Herbst in die nächste Planungsphase ein, so Warnecke, die auf einen Baubeginn im kommenden Jahr hofft. Dann die Wirtschaftsförderung. „Es gibt das zwei bis drei Interessenten, die ich gerne nach Bodenwerder holen möchte“, verrät sie. Aber auch das Thema „Wohnmobilstellplatz“ rangiert für die Verwaltungschefin ganz weit oben.

Ebenso konstruktiv setze man sich in der Münchhausenstadt mit dem Leerstand in der Innenstadt auseinender. Die Öffnung der Fußgängerzone schon lange vor ihrer Amtszeit vom Tisch gewesen. Jetzt stünde eine „Umnutzung der Leerstände“ für die Bereiche Gesundheit und soziale Projekte an.

Die finanzielle Situation habe sich nach dem Verkauf von Teilen des Waldbesitzes wieder erholt und Bodenwerder lebe heute primär vom Tourismus und einigen Industriefirmen. „Eins ist aber klar: wir sind mehr als Münchhausen“, sagt Tanya Warnecke mit Entschiedenheit. „Eine Wanderregion im Solling-Volgler-Verbund, Wandern und Radfahren, außerdem idealer Wohnort zwischen gut zu erreichenden Hochschule in Holzminden und Hameln.“ Dazu bezahlbarer Wohnraum für Studierende, alles Pfunde mit denen Bodenwerder wuchern könne. Warneckes größter Wunsch? „Die Ansiedlung von weiterer Industrie. Früher war dabei die Nähe zur Autobahn entscheidend, da sieht es für uns nicht gut aus. Heute ist ein schneller Internetanschluss noch wichtiger. Da gehen meine Wünsche an Landkreis und Landesregierung, dass das südliche Niedersachsen nicht vergessen wird.“

Sagt’s und streichelt über die Kanonenkugel des großen Sohnes der Stadt. Der wusste, wie man sich am eigenen Schopf aus der Bredouille zieht. Fantasie und Zuversicht scheint Tanya Warnecke vom Freiherrn geerbt zu haben.

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