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Die evangelische Kirchengemeinde in Bodenwerder hat Henry Sahlfeld viel zu verdanken

Ehrenbürger, Stifter und Freund der Stadt

Bodenwerder. Mitte des 19. Jahrhunderts begann Bodenwerder sich auszudehnen und am Ostufer wurden die ersten Häuser gebaut. Inzwischen leben dort mehr Menschen als auf der ehemaligen Insel. Straßennamen mussten nun gefunden werden. Dabei erhielt die Straße gleich rechts hinter der Weserbrücke, die Sahlfeldstraße, den Namen eines großen Gönners der Stadt.

veröffentlicht am 31.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 10:41 Uhr

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Autor:

Karin Beißner
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Heinrich Sahlfeld wurde am 28. September 1845 in Bodenwerder geboren. Er verließ seine Heimatstadt und ging wie viele Gleichgesinnte auch mittellos nach Amerika, um sein Glück zu machen. Dort erwarb er durch Energie und Fleiß ein bedeutendes Vermögen. Verbrieft ist, dass er 1889 im New Yorker Stadtteil Brooklyn über Grundbesitz verfügte.

Seiner Heimatstadt Bodenwerder blieb er auch von dort aus verbunden und unterstützte verschiedene Projekte in Bodenwerder. Als 1899 der südliche Anbau der Stadtkirche geplant wurde, schickte er aus Amerika 1000 Mark. Zur Jahrhundertwende kehrte Sahlfeld dann zurück nach Deutschland. Seinen Wohnsitz nahm Henry – er hatte den deutschen Namen Heinrich gegen die amerikanische Form eingetauscht – zusammen mit seiner Frau Eleonore in Frankfurt am Main. Als Bodenwerders Pastor Meyer den Heimkehrer einst in Frankfurt besuchte, gab dieser ihm fast 6000 Mark mit auf den Weg. Davon wurden die Friedhofskapelle im Kälbertal und das Eingangsportal zum Friedhof mit der Inschrift: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ gebaut.

Nur wenig später konnte sich die Kirchengemeinde noch einmal über 20 000 Mark für den Bau eines „lutherisch kirchlichen Gemeinde- und Krankenhauses in der Stadt Bodenwerder“ freuen. 1909 besuchte der Spender seine Heimatstadt, um sich selbst um Angelegenheiten dieses Neubaus zu kümmern. Zwei Jahre später war das heutige Sahlfeldstift fertiggestellt. Als Rechtsträger für das Stift wurde ein Verein gegründet, die „Henry-Eleonore-SahlfeldStiftung“.

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Die Sahlfeldstraße in Bodenwerder.

Die „Zeitung für Bodenwerder und Kemnade“ berichtete am 16. Mai 1911 über die feierliche Einweihung des Gebäudes. Der Vertreter der königlichen Regierung zu Hannover hob die Verdienste des Stifters hervor und „dekorierte ihn auf Befehl des Kaisers“ mit dem Kronenorden 4. Klasse. Die Stadt Bodenwerder hatte es sich nicht nehmen lassen, Sahlfeld für seine Verdienste zum Ehrenbürger der Stadt zu ernennen.

Bürgermeister Bauers überreichte die aufwendig gestaltete Ehrenbürgerurkunde. Deren Wortlaut: „Wir, Magistrat und Bürgervorsteher-Kollegium, verleihen hiermit Herrn Rentier Henry Sahlfeld zu Frankfurt a/M. in dankbarer Anerkennung der Stiftung eines Gemeinde- und Krankenhauses das Recht eines Ehrenbürgers der Stadt Bodenwerder. Bodenwerder, den 14. Mai 1911.“

Unterschrieben hatte für den Magistrat (Bodenwerder) Bürgermeister Bauers und für das Gemeindevorsteher-Kollegium (Kemnade) Heinrich Brüning. Mit den 20 000 Mark für das neue Gemeinde- und Krankenhaus war der Geldfluss aber noch nicht zu Ende. Die letzte Stiftung des Ehrenbürgers war eine neue Orgel für die Stadtkirche St. Nicolai. Für 28 000 Mark wurde ein Exemplar von Furtwängler und Hammer (Hannover) mit elektrischem Antrieb, 23 Registern, Echowerk, zwei Manualen, einem Pedal und verschiedenen Koppeln angeschafft, die Vorgängerin der heutigen Orgel.

Henry Sahlfeld starb 1917 im Alter von 72 Jahren in Frankfurt am Main. In den Namen „Sahlfeldstift“ und „Sahlfeldstraße“ lebt der Freund und Gönner der Stadt weiter – es bleibt zu hoffen, dass auch sein wohltätiges Wirken nicht in Vergessenheit gerät.



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