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Wiedersehensfreude bei Schülers

Egor ist zurück bei „seiner“ Familie in Bodenwerder

BODENWERDER. Zwölf Jahre ist es her, dass sich Egor aus Minsk und die Familie Schüler aus Bodenwerder gesehen haben. Damals war Egor sehr krank und Renate Schüler sorgte dafür, dass der kleine Junge medizinische Hilfe bekam und operiert wurde. Jetzt kehrte Egor erstmals zurück – und die Tränen flossen.

veröffentlicht am 29.07.2018 um 16:11 Uhr

Egor aus Minsk in Weißrussland ist soeben auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen angekommen und wird von Renate Schüler (links) und Maria Kremer herzlich begrüßt. Foto: BR
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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„Jetzt muss ich doch noch weinen“, sagt Maria Kremer und wischt sich verstohlen ein paar Tränchen von den Wangen. Auch Renate Schüler ist bewegt, und Egor geht es erkennbar ebenso. Soeben, es ist Samstagmittag, ist der Gast aus Minsk aus der Eingangsschleuse in der Empfangshalle des Flughafens Hannover-Langenhagen getreten und – ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, stattdessen mit strahlendem Lächeln – auf die beiden Frauen aus Bodenwerder zugegangen. Was folgt, sind innige Umarmungen und eben Maria Kremers Freudentränen.

Geschlagene zwölf Jahre ist es her, seit die Drei sich zuletzt gesehen haben. Damals war Egor noch ein kleiner Junge, inzwischen ist aus dem kranken Kind von einst ein stattlicher junger Mann von 19 Jahren geworden. Damals, zwischen 2001 und 2006, hatte Renate Schüler sich des kranken Kleinkinds aus Weißrussland angenommen (die Dewezet berichtete seinerzeit mehrfach). „Der liebe Gott hatte seinen Bauch nicht richtig zugemacht“, beschreibt sie den in der Medizin als „Gastroschisis“ bezeichneten Geburtsfehler des kleinen Egor, der mit etlichen weiteren Beeinträchtigungen verbunden war. Nach einer – offenbar eher notdürftigen – Erst-OP in Minsk konnte das Kind zwischen 2001 und 2006 dank des Engagements von Renate Schüler in Fachkliniken in Göttingen und Köln operiert werden, sodass Egor heute das Leben eines gesunden jungen Menschen führen kann.

Mit hohem Einsatz hatte Renate Schüler seinerzeit unter anderem insgesamt rund 36000 Euro an Spenden für die Krankenhauskosten gesammelt und Fachärzte dazu bewegt, kostenlos tätig zu werden. Auch am kommenden Donnerstag wird Egor sich noch einmal in Köln zu einer Untersuchung bei seinen Operateur von damals einfinden.

Da werden Erinnerungen wach: Das Kinderbuch von der „Raupe Nimmersatt“ steht immer noch im Regal über dem Bett. Das hatte Egor sich damals, in den Tagen und Wochen seiner Genesung, immer wieder angesehen und vorlesen lassen. Foto: BR
  • Da werden Erinnerungen wach: Das Kinderbuch von der „Raupe Nimmersatt“ steht immer noch im Regal über dem Bett. Das hatte Egor sich damals, in den Tagen und Wochen seiner Genesung, immer wieder angesehen und vorlesen lassen. Foto: BR

Doch jetzt ist er erst einmal wieder bei „seiner“ Familie Schüler in Bodenwerder und hat für ein paar Tage im Haus an der Danziger Straße erneut sein altes Zimmer bezogen. „Egor hat sich erst einmal davon überzeugt, dass in dem Zimmer hier alles noch so ist wie früher“, berichtet Renate Schüler lächelnd, als sie, ihr Ehemann Hartmut, die 16-jährige Enkelin Lilli und Dolmetscherin Maria Kremer mit ihrem Gast im gemütlichen Wohnzimmer der Schülers am Kaffeetisch sitzen. Irgendwie war dieses Zimmer in all den Wochen nach den Operationen ja auch so etwas wie sein zweites Zuhause geworden. „Was Egor jetzt fühlt, beschreibt er als ,Freude hoch drei‘“, übersetzt Maria Kremer, „er ist überglücklich, wieder einmal hier bei seiner Gastfamilie sein zu können“.

Und Familie Schüler, am Kaffeetisch fehlen noch Sohn Günter und Schwiegertochter Antje sowie der 19-jährige Enkel Robin, geht es ganz genauso. Sie alle hatten damals den kleinen Egor in ihr Herz geschlossen, haben brieflich und telefonisch den Kontakt gehalten, sein Heranwachsen und seinen schulischen Werdegang verfolgt und waren hocherfreut, als sie erfuhren, dass Egor eine Anstellung als Auslieferungsfahrer für Lebensmittel gefunden hat.

Nicht weniger tief und herzlich sind die Gefühle, die Maria Kremer mit Egor verbinden. Für sie ist es geradezu eine Selbstverständlichkeit, dass sie sich, wie schon damals, auch jetzt wieder als Dolmetscherin zur Verfügung stellt. Ebenso wie Frieda Weber aus Bodenwerder, die unter anderem am Donnerstag in Köln mit von der Partie sein wird.

Und wenn die beiden Frauen einmal keine Zeit haben sollten, dann nutzt Renate Schüler ein Sprachprogramm auf dem Tablet. Das sei, erzählt sie, auch am Sonntagmorgen schon zum Einsatz gekommen, als Egor beim Familienausflug auf den Köterberg die Gelegenheit hatte, die Umgebung Bodenwerders aus rund 500 Metern Höhe zu betrachten. Und so wie dort, wird das Tablet auch beim weiteren Besuchsprogramm im Einsatz sein, das Egor unter anderem nach Einbeck zur Oldtimerschau im PS-Speicher und zu den Attraktionen im Heide-Park Soltau führen wird.



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