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Emigrant gilt als größter Wohltäter der Stadt / Sein Vermögen teilte er – auch zum Bau dieses Hauses

Dieses Stift ist ohne Henry Sahlfeld undenkbar

Bodenwerder. Wer heute jüngere Menschen aus Bodenwerder fragt: „Wo bist du geboren?“ werden sie mit Ortsnamen antworten wie Hameln, Holzminden oder Bad Pyrmont. Die älteren hingegen nennen wahrscheinlich als Geburtsort auch Bodenwerder, denn hier gab es bis Mitte des vorigen Jahrhunderts eine Entbindungsstation im heutigen Sahlfeldstift.

veröffentlicht am 27.01.2011 um 16:34 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 08:41 Uhr

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Autor:

Karin Beißner
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Zu verdanken ist dieses Haus einem Mann, wie es ihn heute wohl kaum noch gibt, Henry Sahlfeld. Er wurde am 28. September 1845 in Bodenwerder geboren, verließ als mittelloser Mann seine Heimatstadt und ging nach Amerika. Dort kam er zu Wohlstand – sein Name ist im New Yorker Stadtteil Brooklyn im Grundbesitzbuch von 1889 noch zu finden – und kehrte zur Jahrhundertwende zurück nach Deutschland. Seinen Wohnsitz hatte er dann in Frankfurt am Main, jedoch blieb er Bodenwerder verbunden. So teilte er auch sein in Amerika erworbenes Vermögen mit den Einwohnern seiner Heimatstadt.

Schon 1899 schickte er aus New York 1000 Mark für die Renovierung der Stadtkirche. Später bekam St. Nicolai sogar eine neue Orgel für 28 000 Mark. Auch das Eingangsportal zum Friedhof im Kälbertal mit der Inschrift: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ und die Friedhofskapelle sind ihm zu verdanken. Am 3. Adventssonntag 1909 wurden beide Bauwerke geweiht. Doch damit war mit dem Geldfluss noch nicht Schluss.

Ganz besonderen Verdienst erwarb sich Henry Sahlfeld, als er 20 000 Mark zur Verfügung stellte zum Bau eines „lutherisch kirchlichen Gemeinde- und Krankenhauses in der Stadt Bodenwerder“, dem heutigen Sahlfeldstift. Der zunächst vorgesehene Bauplatz, „die Lehrergärten beim Tore“ am Münchhausenplatz, eignete sich wegen der Hochwassergefahr nicht. Deshalb wichen die Bauherren an die Hamelner Straße aus. Dort wurde am 17. Juli 1910 der Grundstein gelegt. Knapp ein Jahr später konnte das Krankenhaus mit einem Saal für die Gemeindearbeit durch Generalsuperintendent Dr. Theodor Hoppe aus Hildesheim seiner Bestimmung übergeben werden. Die Einweihung des Hauses erfolgte mit der Feier des 500-jährigen Bestehens der St.-Nicolai-Kirche im Mai 1911. Henry Sahlfeld wurde in der Feierstunde „auf Befehl des Kaisers“ für sein Engagement von der königlichen Regierung in Hannover mit dem Kronenorden 4. Klasse geehrt.

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„Das gut eingerichtete Krankenhaus war notwendig geworden, da in dem weiten Gebiet zwischen Hameln und Holzminden kein solches bestand“, schreibt Karl Rose in seiner Chronik über Bodenwerder. Und die Notwendigkeit eines Gemeindesaales wurde durch Pastor Heinrich Meyer, durch dessen Initiative der Bau dieses Gebäudes überhaupt erst möglich wurde, so begründet: „Für die intensive und erfolgreiche Fürsorge und Pflege der schulentlassenen männlichen und weiblichen Jugendlichen ist die Herstellung eines Gemeindesaales unbedingt erforderlich.“ Das Gebäude der Henry-Eleonore-Sahlfeld-Stiftung wurde im Laufe seines Bestehens vielfältig genutzt und diente unter anderem auch als Wohnung für die Gemeindeschwester, die es seit 1905 in Bodenwerder gab und in deren Händen auch die Leitung des Hauses lag. Im Ersten Weltkrieg wurde es Lazarett mit 85 Pflegeplätzen. Während dieser Zeit wurden 1655 Soldaten dort behandelt, bevor es ab 1919 wieder seiner ursprünglichen Nutzung als Gemeindekrankenhaus zugeführt wurde. Der Name Krankenhaus umfasst nicht die heute bekannte Form. Es handelte sich mehr um eine Pflegestation. Der Arzt kam zur Behandlung aus seiner Praxis dorthin. 25 Jahre bestand dieses kleine Krankenhaus bis zum Jahr 1936. Ab dann genügten die Krankenhäuser in Hameln und Holzminden den Ansprüchen und waren dann auch gut zu erreichen.

Im Sommer diente das Sahlfeldstift auch als Erholungs- und Freizeitheim für Kinder, die im Jod-Sole-Bad kuren mussten. 1934 nahm das Gebäude zusätzlich noch den Kindergarten auf, bis dieser 1956 in eigene Räume im Kälbertal umzog. Ria Oppermann erinnert sich noch an ihren Aufenthalt dort: „Im Winter bekamen wir für unsere Gesundheit im oberen Stockwerk immer Höhensonne und später hatten wir im Gemeindesaal Konfirmationsunterricht.“ Zwei Jahre später wurde das Krankenhaus geschlossen, übrig blieb ein Altenheim sowie eine Entbindungsstation und ein Kindergarten. So lebten, wie es heute kaum noch möglich erscheint, die ältesten und jüngsten Einwohner gemeinsam unter einem Dach. Jährlich 100 Geburten verzeichnete die Station damals. Doris Neigenfind, selbst 1950 im Sahlfeldstift zur Welt gekommen, erinnert sich: „Mein Bruder wurde im Januar 1956 geboren und auch dort von Frau Pastorin Ohlrogge getauft.“ Das letzte dort geborene Kind erblickte im September 1957 das Licht der Welt. Danach wurde die Station endgültig aufgelöst und übrig blieb ein Alten- und Pflegeheim.

Der Gemeindesaal wurde 1964 abgerissen. Daraufhin erfolgte ein Umbau des alten Gebäudes und ein Anbau von 20 Wohnplätzen, um den Bewohnern auch Einzelzimmer zur Verfügung stellen zu können. Die Dewezet schrieb dazu: „Die Alten sollen an ihrem Lebensabend möglichst viel Licht, Luft und Sonnenschein genießen können, deshalb wurden in allen Zimmern große Fensterflächen vorgesehen.“ 1983 vergrößerte sich das Altenheim um einen weiteren Anbau und wurde 1997 weiter modernisiert. Heute bietet das Sahlfeldstift, das seit 1996 zum evangelischen Krankenhaus Holzminden gehört, mit 42 Betten alten und pflegebedürftigen Menschen ein Zuhause.

Das Sahlfeldstift in Bodenwerder hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Einst war es Krankenhaus, dann Lazarett (unten) und Kindergarten (unten links), bis es zum heutigen Altenheim wurde. Fotos: kb



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